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forum Forum index forumBrahmacharya - Enthaltsamkeit - Zölibat forumDie Geschichte des Zölibats

Author : Topic: Die Geschichte des Zölibats  Bottom
 yogi
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 yogi
  Posted 20/01/2008 04:08:05 PM
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Einführung

Zwei Vorfälle spornten mich an, eine weitreichende Erforschung des Zölibats vorzunehmen. Die erste und wichtigste war eine Aufdeckung von 1990. Die internationalen Medien trompeteten, dass eine Anzahl enthaltsam lebender christlicher Mönche des Mount-Cashel-Waisenhauses in Neufundland (an der Ostküste Kanadas) sexuelle Handlungen mit Kindern vollzogen. Sie beuteten die Findelkinder, die ihnen zur Pflege anvertraut waren, mit Händen, Zungen, mit dem Penis, mit Gurten und Fesseln aus. Der zweite Grund war das geflüsterte Vertrauen eines Freundes, dass ein bestimmter Ehemann unseres Bekanntenkreises, die Untreue seiner Frau tolerierte, weil er enthaltsam lebte. Diese überrachenden Nachrichten waren mein Einstieg in das Zölibat.

Ich begann meine Forschung und nahm an, ich wüsste, was das Zölibat ist: normalerweise eine selbstauferlegte Enthaltsamkeit von sexuellem Verkehr. Außerdem war ich der Meinung, dass ein langfristiges Zölibat unnatürlich sei. In der Tat lautete mein ursprünglicher Arbeitstitel: "Wir feiern das Unnatürliche: Die Geschichte des Zölibats" und unter meinen Freunden hatte es den Spottnamen "Die trockene Saison".

Die kichernd Phase des Projekts war von kurzer Dauer. Schon bald in meiner Forschung, für die ich letztendlich sechs Jahre benötigte, wurde ich durch die Enge meiner christlich orientierten Perspektive und meiner stark vereinfachten Definition eines Besseren belehrt. Überall in der Welt war das Zölibat in jedem Zeitalter ein zentrales Elelement der menschlichen Existenz. In all seinen Formen hat es das religiöse Leben ebenso wie das Leben der Laien (Nicht-Mönche) beeinflusst. Davon waren sehr junge, aber auch sehr alte Menschen, betroffen. Es betraf Witwen und Gefangene, trainierende Sportler und Schamanen (Medizinmänner). Es pulsierte, zwischen den Kanonen und dem Zivilrecht, in der klassischen Poesie und in der Literatur der Heerlager.

Überall, wohin ich schaute, türmte sich das Zölibat auf. Es hallte in den lieblichen Sopranen der italienischen Opernkastraten nach, im gequälten Gekreische der jungen chinesischen Mädchen, die durch ihre gebundenen Füße (Lotusfüße) ans Haus gefesselt waren und bei den kleinen Jungen, die durch eine Kastration nützlicher waren. Es wehte aus anrüchigen Harems und aus von der Sonne geküssten Inka-Tempeln. Es durchdrang die antike Geschichte von den zölibatären Schichtarbeitern des Orakels von Delphi und dem jungfräulichen Trio Athena, Artemis und Hestia, die größten Göttinnen der griechischen Welt, bis hin zu Roms majestätischen vestalischen Jungfrauen1. Es hallte aus Hamlet's Ruf "Get thee to a nunnery!" (Geh' doch in ein Nonnenkloster!) als er Orphelia drängt, das Schicksal vieler anderer unerwünschter, unwilliger und weltabgeschiedener Frauen zu akzeptieren.

1Als Vestalin bezeichnet man eine römische Priesterin der Göttin Vesta. Die Priesterschaft der Vestalinnen bestand aus sechs (in der Spätantike sieben) Priesterinnen, die im Alter von sechs bis zehn Jahren für eine mindestens dreißigjährige Dienstzeit berufen wurden. Ihre Hauptaufgabe war das Hüten des Herdfeuers im Tempel der Vesta, das niemals erlöschen durfte, sowie das Holen des Wassers aus der heiligen Quelle der Nymphe Egeria, der Göttin der Wasserquellen, das zur Reinigung des Tempels verwendet wurde. Daneben stellten sie die Mola Salsa (eine Mischung aus Salzwasser und Getreideschrot) sowie das Suffimen (Asche ungeborener Kälber) her, die bei bestimmten Kulturhandlungen benötigt wurden. Während ihrer Dienstzeit waren die Vestalinnen zu absoluter Keuschheit verpflichtet.  

--Last edited by yogi on 2008-01-22 12:19:56 --

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 yogi
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 yogi
  Posted 21/01/2008 05:35:56 PM
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Einführung II

Das Zölibat prangte in der Geschichte unter einer Legion von Namen. Es war die französiche Nationalheldin Jeanne d'Arc (1412-1431), die jungfräuliche Königin Elizabeth I. von England (1533-1603), Florence Nightingale (Pionierin der modernen Krankenpflege). Es war Mahatma Gandhi und sein merkwürdiges Brahmacharya-Experimente, der seine Nächte mit nackten und attraktiven Frauen verbrachte, um seine Keuschheit zu testen. Es war die lärmende Disharmonie der Kreutzersonate2, einer Kurzgeschichte (175 Seiten) von Leo Tolstoi, in der er die Botschaft des Zölibat verbreitete. Es war Leonardo da Vinci, der Angst vor einer zweiten Anklage3 wegen Sodomie hatte, Sir Isaac Newton, der wegen der Untreue seiner Geliebten trauerte, der britische Schriftsteller, Mathematiker und Fotograf Lewis Carroll, der einer Prozession der jungen Alice im Wunderland zuschaute, aber nicht wagte, sie zu berühren.

2Ein Ausschnitt aus der Kreutzersonate (4. Kapitel): "Es begann zu einer Zeit, da ich noch nicht volle sechzehn Jahre zählte. Ich war damals noch auf dem Gymnasium und mein älterer Bruder stand als Student im ersten Semester. Ich kannte die Frauen noch nicht, doch war ich, wie all die unglücklichen Kinder unserer Gesellschaftskreise, kein unschuldiger Knabe mehr; seit mehr als einem Jahre war ich bereits durch andere Knaben verdorben. Schon machte mir die Frau zu schaffen, nicht eine bestimmte Frau, sondern die Frau als ein süßes Etwas, die Frau schlechthin, jede Frau, die Nacktheit der Frau war es, die mich bereits peinigte. In den Stunden der Einsamkeit vermochte ich nicht, meine Reinheit zu wahren. Ich litt und quälte mich, wie neunundneunzig von Hundert unserer Knaben sich quälen. Entsetzen ergriff mich, ich duldete, ich betete – und kam immer wieder zu Fall. Ich war bereits verdorben in Gedanken und in Wirklichkeit, den letzten Schritt jedoch hatte ich noch nicht getan. Ich ging allein dem Untergange entgegen, hatte aber noch nicht Hand angelegt an ein anderes menschliches Wesen. Doch ein Kamerad meines Bruders, gleichfalls Student, ein lustiger Bursche, ein sogenannter guter Kerl, d. h. ein richtiger Taugenichts, der uns auch das Trinken und Kartenspielen beigebracht hatte, überredete uns, zu einer Kneipe zu fahren. Und so fuhren wir denn da hin. Mein Bruder, der gleichfalls noch unschuldig war, kam in jener Nacht zu Falle. Und ich, der sechzehnjährige, unreife Bursche, besudelte mich selbst und half ein Weib besudeln, ohne auch nur im geringsten zu begreifen, was ich tat. Hatte mir doch niemand von den Älteren je gesagt, daß das, was ich tat, etwas Böses sei. Auch heute wird man eine solche Warnung nie zu hören bekommen. In den ›zehn Geboten‹ ist davon allerdings die Rede, gewiß, aber die ›zehn Gebote‹ sind doch schließlich nur dazu da, daß man dem Religionslehrer bei der Prüfung eine Antwort gibt."

3Wegen seiner (angeblichen) Homosexualität zog sich Leonardo da Vinci eine Anklage wegen Sodomie zu, die 1476 mit einem Freispruch endete.

Mit zunehmender Freizügigkeit im gesellschaftlichen Umgang und der Sinnenfreudigkeit des Lebens in Florenz kam es zu einer deutlich erkennbaren Lockerung der Sitten. Dies betraf auch die Homosexualität, die sich damals offensichtlich zunehmend ausbreitete und der man schon deshalb mit Nachsicht begegnete, weil sie der humanistischen Vorstellung entsprechend nichts anderes darstellte, als eine Wiederholung entsprechender Sitten und Gebräuche in der griechischen Antike. Zu jener Zeit war es keine Seltenheit, in den Gärten von Florenz geschminkten Männern oder solchen in Frauenkleidern zu begegnen, die dort zärtlich umschlungen promenierten. Dennoch stand die Homosexualität, auch wenn sie gesellschaftlich weitgehend toleriert wurde (auch Mitglieder von bedeutenden Familien wie der Medici und der Strozzi waren homosexuell), zu jener Zeit in Florenz unter Strafe.

Die Ausforschung von Homosexuellen glich einer Denunziation: Die Obrigkeit stützte sich auf anonyme Anzeigen, die meist in dafür vorgesehenen "Briefkästen" aufgegeben wurden. Mit dieser Art der Denunziation war es einfach, unbeliebte Nachbarn der verschiedensten Delikte wegen anzuklagen, ohne dafür einen Beweis vorbringen oder seinen eigenen Namen preisgeben zu müssen. Kam es zu einer anonymen Anklage wegen Homosexualität, dann waren in Florenz die "Offiziere der Nacht und Klöster", Vorgänger unserer heutigen Sittenpolizei, angehalten, den Fall zu untersuchen. Am 8. April 1476 wurde Leonardo gemeinsam mit drei anderen Männern, einem Goldschmied, einem Schneider und einem gewissen Lionardo Tornabuoni, einem Verwandten der Medici, angeklagt, das Verbrechen der aktiven Unzucht begangen zu haben. Ein namentlich nicht bekannter Bürger hatte behauptet, daß diese vier Männer einen gewissen Jacopo Saltarelli, der bei Verrocchio Modell stand, sexuell mißbraucht hätten.

Bei dem siebzehnjährigen Goldschmiedlehrling Saltarelli handelte es sich entweder um einen notorischen Strichjungen oder - wie auch behauptet wurde - um einen geistig behinderten Jungen. Für Vergehen dieser Art war laut Gesetz der Tod auf dem Scheiterhaufen vorgesehen, doch ließen sich bei der ersten Verhandlung am 9. April 1476 mangels Zeugenaussagen keine Beweise für die vorgebrachte Beschuldigung finden, weshalb die zweite Anhörung auf den 7. Juni verlegt wurde. Aus Mangel an Beweisen wurde die Anklage allerdings endgültig fallen gelassen. Der Umstand, daß sich unter den vier Angeklagten ein Verwandter der Medicis befand, trug vermutlich zu diesem Freispruch bei.

Weshalb Leonardo in diese Affäre verwickelt wurde, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Auch hat er sich selbst dazu nie wirklich dezidiert geäußert. Nur eine einzige Notiz von ihm bezog sich viele Jahre später auf dieses Ereignis. In diesen Zeilen bestätigt Leonardo die Rolle Saltarellis als Zeichenmodell. Aufgrund dieser Aufzeichnung ist anzunehmen, daß Leonardo bezüglich dieser Affäre für kurze Zeit in Haft genommen wurde, denn er schreibt: "Als ich den Herrgott als Knaben malte, habt ihr mich ins Gefängnis gesperrt; jetzt, da ich ihn als reifen Mann darstelle, werdet ihr mir Schlimmeres antun."

Quellen:

Serge Bramly: Leonardo da Vinci, Hamburg, 1995
Anton Neumayr: Kunst und Medizin. Wien, 1996

Das Zölibat kommt in der medizinischen Literatur stark zum Ausdruck und hat in den Lehrbüchern und Weisheiten der meisten Kulturen ein großes Monopol. Darin sind detaillierte Anweisungen zur Erhaltung des wertvollen, eiweißreichen Ejakulats enthalten.

Das Zölibat findet sich auch in Symbolen. Die meisten westlichen Küchen beherbergen die Schattierungen intensiver, zölibatärer Bewegungen, die versuchte, das samenbewahrende Zölibat anzuregen und die Glut der Sinnlichkeit zu löschen. Wer von uns hat nicht schon einmal Cornflakes und Grahambrot, ein Brot aus fein geschrotetem, ungesiebtem Vollkornweisen (Besonders in Süddeutschland haben sich Grahambrot und -brötchen als Brotsorte aus Vollkornschrot erhalten.), genossen, die von den keusch lebenden John Harvey Kellogg4 und Sylvester Graham5 erfunden wurden, um die Sinnlichkeit abzukühlen und die Gesundheit zu fördern. Wer benutzt keine Wäscheklammern, Besen oder Kreissägen, die erfinderischen Sublimierungen der keuschen Shaker6? Wer kennt nicht das Begrüßungsritual "Peace" (Frieden), ein vertrautes religiöses Friedenszeichen, welches von Zölibatären ins Leben gerufen wurde.

4John Harvey Kellog (1852-1943) war ein amerikanischer Arzt und gilt als Miterfinder (mit seinem Bruder Will Keith Kellog) der (ursprünglich noch ungezuckerten) Cornflakes und Erfinder der Erdnussbutter. Zu seinen Lebzeiten wurde er als Vorkämpfer für Gesundheit und sexuelle Enthaltsamkeit angesehen. Ganz entschieden lehnte er auch die Masturbation ab.

5Sylvester Graham (1794-1851) war ein amerikanischer Prediger und früher Verfechter einer vegetarischen Reformdiät. Graham hielt eine vegetarische Ernährung für ein wirksames Mittel gegen den Alkoholismus, vor allem aber  gegen sexuelle Gelüste.

6Die Shaker sind eine christliche Freikirche in Amerika, die aus dem Quäkertum hervorgingen. Im 18. Jahrhundert wurden sie von Ann Lee, die 1736 als Tochter eines Grobschmieds in Manchester geboren wurde, gegründet. Sie zeichneten sich als Glaubensgemeinschaft durch eine strenge Arbeitsethik und ein zölibatäres Leben aus. Ihre weiteste Verbreitung fanden die Shaker um die Mitte des 19. Jahrhunderts; heute sind sie fast ausgestorben. Die Shaker des 19. und frühen 20. Jahrhunderts handelten an der Börse, galten als versierte Finanzdienstleister und gehörten den Beraterstäben sechs amerikanischer Präsidenten an, darunter denen von Abraham Lincoln und Theodore Roosevelt.

In den heutigen Schulen und Universitäten marschiert das Zölibat unter dem Banner von Schülern und Studenden, die das Gelöbnis "Wahre Liebe kann warten." abgelegt haben. Das Zölibat kündigt sich auch unter den selbsternannten "wiedergeborenen Jungfrauen"7 an. Es lugt durch die hagere Knochigkeit der magersüchtigen Frauen, die hingebungsvoll ihren Körper beherrschen und dem keuschen Handschlag von homosexuellen Männern, die der tödlichen Gefahr des Aids abgeschworen haben.

7In den USA hat die Firma Wait Wear eine Klamotten-Kollektion speziell für junge Menschen, die sich für die Enthaltsamkeit entschieden haben, auf den Markt geworfen. Und das sind nicht nur rosagekleidete Zahnspangen-Teenager aus dem ländlichen Iowa, sondern, glaubt man dem Hersteller, auch junge Erwachsene, Alleinerziehende oder wiedergeborene Jungfrauen (reborn virgins).

Das Zölibat, so verstand ich, ist ein überwältigendes Phänomen, in das die Menschheit immer und überall miteinbezogen ist. Als ich die Parameter meiner Forschung erweiterte, änderte und verfeinerte ich meine Arbeitsdefinition, änderte den Titel und die zugrundeliegende Hypothese, die davon ausging, dass das Zölibat unnatürlich sei und begann genau zu hören, was meine Daten mir erzählten. Mein zweiter ironischer Arbeitstitel "Das Kamasutra der Zölibat" kam der Realität zwar etwas näher, war aber zu weit gesteckt. Je mehr ich las, um so mehr realisierte ich, dass mein Leben zu kurz war, um einen Überblick über das Zölibat vorzulegen, der so umfassend wie die gesammelten Weisheiten des Kamasutra für die Sexualität ist. Ein viel realisierbares Ziel ist es, so viele Erfahrungen wie möglich mit dem Zölibat zu ermitteln, zu deuten und zu beschreiben, wie ich konnte. Dieser Gedanke formte schliesslich dieses Buch.  

--Last edited by yogi on 2008-01-22 12:20:26 --

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  Posted 22/01/2008 11:45:05 AM
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Einführung III

Ich entwarf auch eine Definition des Zölibats, die die regide und wenig hilfreiche Unterscheidung zwischen Zölibat, Keuschheit und Jungfräulichkeit verwarf, die ich als Schlüsselworte in meiner Forschung benutzte. Obwohl sie trockene Wörterbuchunterscheidungen sind, werden sie im Rahmen dieses Buches als gleichbedeutend benutzt. Obwohl ich Langeweile riskiere, zitiere ich aus Webster's Wörterbuch. Keuschheit, die sich auf die Sexualität bezieht, ist die "Enthaltsamkeit von ungesetzlicher sexueller Aktivität: besonders, die von Frauen. Sexuelle Enthaltsamkeit (Kontinenz); Zölibat oder Jungfräulichkeit". Das Zölibat ist "der Stand der Unverheirateten, insbesondere der Menschen, die ein Gelübde abgelegt haben". Die Jungfräulichkeit ist "der Zustand der Jungfernschaft (Mädchenzeit), der Keuschheit und der Altjungfernschaft".

Einst beschrieb die Keuschheit sowohl treue Ehepartner als auch Jungfrauen. Aber dieses Konzept wird nur noch im historischen Sinne benutzt. Ich folge dem heutigem allgemeinem Gebrauch, in dem die Keuschheit und das Zölibat austauschbar sind und die Jungfräulichkeit (Unschuld) Webster's Definition entspricht. Das Zölibat und die Keuschheit sind Enthaltungen von sexuellen Beziehungen, die freiwillig oder unter Zwang, vorübergehend oder für unbestimmte Zeit, praktiziert werden. Diese Definition ist sowohl einfach als auch edelmütig und eher beschreibend anstatt analytisch. Es ist außerdem das nützlichste und moralischste Werkzeug, das ich ersinnen könnte, um den faszinierenden, inspirierenden, beunruhigenden, komplexen und manchmal bizarren Lebensstil der zölibatären Männer und Frauen auf der ganzen Welt, in der Historie, zu beschreiben.

Als ich meine Recherchen abgeschlossen hatte, kristallisierte sich das Hauptthema und die Wahrheiten heraus. Ich begann, die Muster des menschlichen Zölibats wahrzunehmen. Langsam und vorsichtig erdachte ich mir Kategorien, in die ich schließlich mein Material verbindlich und sicher einordnete. Nicht unerwartet dominierte das sexnegative, zölibatbesessene Christentum den ersten Teil dieses Buches. Durch seine heidnischen und jüdischen Essener8 Vorfahren kennzeichnete es wichtige Passagen des zölibatären Weges. Andere Religionen, vornehmlich der Hinduismus, haben sich einzigartige Experimente ausgedacht, die auf ihrem eigenen Verständnis des Zölibats beruhen.

8Die Essener waren eine religiöse Gruppierung innerhalb des Judentums. Sie haben sich vermutlich um 165 v.Chr. gegründet. Die Essener können als Vorläufer späterer Mönchsorden angesehen werden, die es aber im jüdischen Selbstverständnis damals noch nicht gab. Nach den antiken Quellen lebten sie getrennt vom offiziellen Tempeljudentum in klösterlicher Einsamkeit. Sie lebten zölibatär als asketische Ordensgemeinschaft mit Gütergemeinschaft, ähnlich den ägyptischen Therapeuten bei Alexandria, bei denen es auch weibliche Mitglieder gab.

Die Therapeuten waren eine der Mystik zugewandte Gruppe von jüdischen Einsiedlern im Ägypten zu Anfang des 1. Jahrhunderts vor Christus. Sie verschenkten all ihr Habe und zogen sich aus der Familie in die Gärten außerhalb der Städte zurück. Ihre Siedlungen waren oberhalb des mareotischen Sees bei Alexandria. Sie lebten asketisch, vegetarisch, zölibatär und einzeln in Hütten, nur mit dem Nötigsten an Essen und Kleidern versorgt. In ihrer Gemeinschaft waren Männer wie Frauen gleichberechtigt zugelassen. Die Therapeuten gelten mit den Essenern als Vorläufer des christlichen Mönchstums.

Der Name "therapeuta" wird, einer Theorie zufolge, durch Lautverschiebung bei der Übertragung ins Griechische aus dem Sanskrit-Wort "Theravada" (aus dem Hinduismus) hergeleitet. Es spricht einiges dafür, daß diese Mönche in mehreren Wellen aus Taxila (Afghanistan/Pakistan) kamen, dem östlichen Geisteszentrum dieser Zeit. (Quelle: Buddhismus und Christentum )

Das Zölibat ist das christliche Herzstück, die Geburt eines göttlichen Kindes, das auf eine wundersame Weise von einer menschlichen, jungfräulichen Mutter geboren wurde. Die Frage, mit der sich die Religion bereits früh beschäftigte, war die Natur, der Vorgang und die Bedeutung der Geburt. Maria wurde zu einer kontroversen und viel diskutierten Figur. Die christliche Fixierung auf das Zölibat, mit seiner missbilligenden Voreingenommenheit gegen die lustvolle Eva und seiner ideologischen Sterilisation der keuschen Maria, sowie seiner Ablehnung der verheirateten Priester in der katholischen Kirche, die bis ins zwanzigste Jahrhundert anhält, hat Hunderte von Millionen  Menschen begeistert und die westliche Zivilisation mit seinen Idealen und Ideologien geprägt.

Durch die Brille des christlichen Zölibats, sah ich Frauen, die diese Glaubenslehre als ein Werkzeug der Emanzipation ergriffen, um sich selber von der Fron der Ehe und des Kindergebärens befreiten. Zum Zölibat entschlossen, verwandelten sie sich in unabhängige Menschen, die viel reisten. Sie studierten in einer Zeit, in der Bildung ein männliches Vorrecht war, schrieben, predigten und richteten sich häufig, in der Gesellschaft von ebenfalls begeisterten und keuschen Männern und Frauen, ein eigenes Leben ein.  

--Last edited by yogi on 2008-01-22 12:21:02 --

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 yogi
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  Posted 22/01/2008 10:33:48 PM
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Einführung IV

Die ersten von ihnen, waren die beherzten und mutigen Wüstenmütter9, die Zeitgenossen des Heiligen St. Paul10. Die keusche Thekla von Ikonium11 widerstand feindlichen Massen, einem brennenden Scheiterhaufen, Löwen, Bären, Stieren und einem wütenden Ehemann, anstatt sich auf den Geschlechtsverkehr einzulassen. Später im Mittelalter widmeten sich die Beginen12 dem apostolischen (nach Art der Apostel) Leben. Jeden Tag verließen sie diesem Himmel, um sich unter die Armen zu mischen, wie sie es versprochen hatten, um ihnen zu dienen. Sie wollten die Menschen durch ihren zölibatären Eid vor den schädlichen gesellschaftlichen Strömungen schützen. Andere Unternehmungen, religiös, abgeschieden oder nicht abgeschieden, umarmten das Zölibat als Teil ihrer Strategie, um Heiligkeit zu erreichen. St. Katharina von Siena und ihre Namensvetterin Kateri Takakwitha13 (1656-1680), die erste irokesische Heilige (die Irokesen sind nordamerikanische Ureinwohner) gehörten zu den Aufsehenerregenden. Ehrgeizige und wohlgeborene Äbtissinen (Vorsteherin eines Klosters) kontrollierten die Klöster und gründeten fast unabhängige Lehnswesen (Eigentum von Grund und Boden, den man verlieh). Sie wurden zu Zufluchtsorten der Gelehrsamkeit. Eine verheiratete Laien-Frau, die verwirrte aber engagierte Margery Kempe, kämpfte mit der Sexualität, bis sie die Keuschheit in ihrer Ehe erreichte. Dies trug wesentlich zu ihrer posthumen (nach dem Ableben) Seligsprechung bei.

9Wüstenmütter: An der Schwelle zum 4. Jahrhundert scharen sich in der ägyptischen Wüste immer mehr Menschen um die Einsiedler der heiligen Antonius und Pachomius, unwiderstehlich angezogen von ihrer radikalen Christusnachfolge in Armut und Enthaltsamkeit. Die ersten klösterlichen Gemeinschaften entstehen. Das Leben und die Lehre der großen Wüstenväter sind gut erforscht. Bislang unbekannt ist dagegen das geistliche Vermächtnis der Frauen, die zur gleichen Zeit, oft nur einen Steinwurf entfernt, ein Leben in Einsamkeit und Gebet führen. Eine herausragende Rolle für das weibliche monastische (mönchische) Leben spielte der Heilige Hieronymus. Um ihn herum bildeten sich asketische Zirkel von aristokratischen hochgebildeten Frauen wie die Heilige Marcella und die Heilige Paula, und zwar zuerst in Rom und später in Palästina. Dieses Phänomen hat den christlichen Osten und Westen nachhaltig beeinflusst und inspiriert.

10St.Paul: Paulus von Theben (222-341) war ein christlicher Heiliger und nach der Legende erster ägyptischer Einsiedler und Wüstenvater. Die historische Existenz des Paulus von Theben ist allerdings umstritten. Der Rückzug der "Wüstenväter" in die Wüste begann im 3. und 4. Jahrhundert nach Chr. durch Menschen, die während der Christenverfolgung und auch noch später die Dörfer und Städte Ägyptens verließen und sich vor allem in der Sketischen Wüste, den Wüsten Nitra und Kellia, aber auch in den Wüsten Palästinas und Syriens niederliessen.

11Thekla von Ikonium: Es wird allgemein angenommen, daß Thekla von Ikonium die Tochter eines angesehenen Bürgers aus Iconium (heute: Türkei) war und durch die Predigten des Heiligen Paulus bekehrt wurde. Aus derselben Ursache schlug sie die eheliche Verbindung aus, welche sie mit einem wohlgestalteten, reichen und angesehenen Jünglinge eingehen sollte. Die Legende berichtet ferner, Thecla habe sich, gerührt von den Worten und Reden des Apostels Paulus, der neuen Lehre angeschlossen. Sie verließ das elterliche Haus, um Paulus, der im Geiste der damaligen Zeit gleich nach seinem ersten Auftreten als. Zauberer verdammt worden war, in seinem Kerker aufzusuchen. Hier warf sie sich vor ihm nieder, küßte seine Ketten und horchte mit stillem Entzücken auf die Gott verherrlichenden Reden des heiligen Mannes. Endlich nach langem vergeblichem Forschen entdeckte Theoelia, Thecla's Mutter, ihren Aufenthalt und zeigte ihn dem Präfecten an, welcher nun den Apostel und Thecla vor seinen Richterstuhl rief. Kaum hatte die Menge Kunde von dieser Begebenheit erhalten, als sie das einstimmige Geschrei erhob: »er ist ein Zauberer, bringt ihn zum Tode!«

Diesem Rufe schloß sich Theoelia, Theclas Mutter, in abergläubischer Verblendung an, ja sie verlangte sogar das Todesurteil ihrer Tochter. Der Richter gebot den Heiligen Paulus mit Ruten zu peitschen und aus der Stadt zu jagen; Thecla ward zum Feuertode verurteilt. Schon hatte sie ihr letztes Gebet verrichtet und den Scheiterhaufen bestiegen; von allen Seiten loderten die Flammen empor und keine Rettung schien mehr möglich: da erzitterte die Erde, ein furchtbares Gewitter entlud seine Donner und seine Blitze und der Scheiterhaufen wurde zerstört! Unversehrt, wie von Engeln geschützt, stand die wunderbar Gerettete unter der erschrockenen Menge. Sie verließ nun ihre Vaterstadt und suchte den Apostel auf, der sie taufte und mit sich nahm. In Antiochien (Türkei) verurteilte man die Jungfrau, wilden Tieren ausgesetzt zu werden; allein diese verloren in ihrer Nähe alle Wildheit und legten sich schmeichelnd zu den Füßen der Frommen nieder. Das umstehende Volk sah dieses ungewöhnliche Schauspiel mit staunender Bewunderung, selbst der Richter ward gerührt und schenkte Thecla die Freiheit.

Quelle: Die Heilige Thecla

12Beginen hießen im 12. bis 14. Jahrhundert die Mitglieder religiöser Gemeinschaften, die zwischen Ordensgemeinschaften und Laien angesiedelt waren. Lambert le Begues stiftete 1180 in Lüttich (Belgien) das erste Beginenhaus. In einem ihm gehörenden großen Garten in der Nähe der Stadt ließ er eine nicht kleine Anzahl einzelner Häuschen erbauen, die er Jungfrauen und Witwen ohne Unterschied des Standes und Vermögens unter der Bedingung zu Wohnungen gab, dass sie keusch und züchtig, arbeitsam und verträglich zusammen lebten. In der Mitte des Gartens ließ er eine kleine Kirche für seine Pfleglinge bauen. Seine Beginenhäuser aber vermehrten sich nach dem Lütticher Vorbild ungemein schnell, nicht allein in Lüttich, sondern auch in den ganzen Niederlanden, in Frankreich und Deutschland.

Alleinstehende Frauen und Witwen, ungeachtet des Vermögens oder des Standes, schlossen sich zu religiösen Gemeinschaften zusammen, ohne jedoch einer Ordensgemeinschaft anzugehören. Die Beginen legten nur ein Gelübde auf Zeit ab, das in der Regel jährlich erneuert wurde. Im Gegensatz zu den Ordensschwestern in den Klöstern war es den Beginen gestattet, wieder aus der Gemeinschaft auszuscheiden, ihr Vermögen mitzunehmen, zu heiraten und ein bürgerliches Leben zu führen. Aus diesem Grunde lebten in der Blütezeit des Beginenwesens nur ältere Frauen in den Beguinenhäusern, und es wurde zu einer feststehenden und durch päpstliche Bullen sanktionierte Regel, dass eine unverheiratete Frau nicht vor dem 40. Lebensjahr Begine wurde.

Quelle: Beginen

13Kateri Tekawitha (1656-1680) war eine Indianerin, die in Kanada lebte und nach ihrem Übertritt zum christlichen Glauben durch Selbstgeißelungen in jungem Alter starb. Sie lehnte mehrfach eine Heirat ab und gelobte Jungfräulichkeit. Kateri wurde im Jahr 1656 in der Mohawk-Siedlung Ossernenon im heutigen amerikanischen Bundesstaat New York als Tochter eines irokesischen Häuptlings und einer christlichen Algonkin (Algonkin = Indianerstamm) geboren. Während die vorherige Generation noch ganz nach alten Traditionen lebte, wurde während der Jugend Kateris durch Missionare und Siedler das Leben der Indianer stark verändert. Fast ihre ganze Familie starb durch Pocken, während Kateri überlebte. Mehrfach lehnte sie eine Verheiratung ab und entschied sich gegen den Willen ihrer Verwandten für das Christentum. 1676 wurde sie getaufte. Nach ihrer Taufe wurde Tekakwitha wegen ihres Glaubens heftig von heidnischen Stammesgenossen verfolgt: Man beschimpfte, verspottete und verfluchte sie, warf nach ihr mit Steinen und bedrohte sie mit Tomahawks. Medizinmänner und Zauberer bezichtigten sie als Hexe. All dies konnte sie jedoch nicht von ihrem Glauben abbringen.

Am 25. März 1679, dem Fest Mariä Verkündigung, legte die 22-Jährige das Gelübde der ewigen Jungfräulichkeit ab. Im „Dorf des Gebetes", wie Caughnawaga auch hieß, führte Katerí ein Leben, das von strenger Buße und ständigem Gebet erfüllt war. Täglich ging sie bereits morgens um vier Uhr zur Kirche. Tagsüber unterbrach sie mehrfach die Arbeit, um zu beten. Abends suchte sie wieder die Kirche auf und verließ sie erst zu vorgerückter Stunde. Außerdem fastete sie streng und unterzog sich schmerzhaften Bußübungen. Durch asketische Lebensweise und Selbstgeißelungen geschwächt, starb sie am 17. April 1680 im Alter von nur 24 Jahren. Nach ihrem Tod verschwanden innerhalb von zehn Minuten ihre Pockennarben (sie erkrankte bereits als Kind an den Pocken, bekam dadurch starke Pockennarben im Gesicht und wurde stark kurzsichtig). Auch andere Wunder, zahlreiche Gebetserhörungen und Heilungen sind bezeugt. 1880 wurde für Katerí Tekakwitha ein Monument aus Marmor in Form eines Sarkophags errichtet.

Quellen:
Katarina Tekakwitha
Kateri Tekakwitha  

--Last edited by yogi on 2008-01-22 22:35:47 --

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 yogi
  Posted 23/01/2008 11:43:09 AM
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Einführung V

Die religiösen Männer dagegen, nahmen das Zölibat als eine kontuierliche Schlacht gegen die unerbittliche Sinneslust, gegen die Versuchung und gegen die ungebetenen Erniedrigungen des nächtlichen Samenverlustes wahr. Das tiefempfundene Gebet des ernsthaften und selbstsüchtigen römischen Philosophen und Kirchenlehrers Augustin von Hippo "Herr, gib mir Keuschheit und Enthaltsamkeit, aber noch nicht jetzt." verdeutlicht das Dilemma. Keuschheit brachte den Männern weit weniger Belohnungen als den Frauen, weil sie bereits gesellschaftliche Macht hatten. Als schmerzhafte Konsequenz erlebten sie das Zölibat mehr als ein Verhungern, als eine Geisel, eine Unterwerfung.

Zwei der erfolgreichsten öffentlichen zölibatären Experimente betrafen die nordamerikanische Arbeiterklasse: Mother (Mutter) Ann Lee's "Shakers" im 18. und 19. Jahrhundert, gefolgt von Father (Vater) Devine's14 "Peace-Movement" (Friedensbewegung) im 19. und 20. Jahrhundert. Beide nahmen das Zölibat als Eckpfeiler ihrer religiösen Gemeinschaften. Ihre strikte Einhaltung ermöglichte es ihnen, die Diskriminierung der Frauen und die Rassentrennung aufzuheben. Der Shakerismus errichtete Strukturen, die alle Menschen gleich behandelte und akzeptierte weibliche Führung, weiße ebenso wie schwarze. Father Devine, der farbige Sohn eines befreiten Sklaven, präsidierte über Männer und Frauen, weiße und schwarze und heiratete eine weiße Kanadierin (Mother Divine), die ebenso keusch lebte wie er. Mutter Ann's und Father Devine's gemeinsame Visionen und ihre erfolgreichen Experimente mit keuschen Gemeinschaften, erwiesen die Macht des Zölibats über die meist fest verwurzelten Normen ihrer Gesellschaft. Am bemerkenswertesten ist, dass sie Rassentrennungen zwischen den Geschlechtern ablehnten. Eine enorme Leistung.

14Father Devine (Göttlicher Vater), mit bürgerlichem Namen George Baker, war ein afro-amerikanischer religiöser Führer der Jahre 1907 bis 1965. Man könnte ihn als einen Vorläufer Martin Luther King's betrachten. Er gründete die "Peace-Movement" und formulierte eine religiöse Doktrin, die mehr und mehr Einfluss überwiegend unter der schwarzen amerikanischen Bevölkerung gewann. Er setzte sich für die afro-amerikanische Bevölkerung ein und kämpfte gegen die Rassentrennung in den Vereinigten Staaten. In den 1930er Jahren ließ er sich in Harlem nieder. Die Mitglieder seiner Bewegung kauften Hotels in der Stadt, um daraus „Heavens“ (Himmel) zu machen, worin die Ärmsten während der Weltwirschaftskrise Unterkunft finden und sich Arbeit suchen konnten. Nach den Krawallen 1935 wurde die Bewegung mehr und mehr politisch. Er widersetzte sich immer stärker der Rassentrennung. 1940 organisierte er eine Petition gegen die Lynchjustiz, die 250.000 Unterschriften sammelte. 1942 ließ sich Vater Divine in Philadelphia nieder, wo er bis zu seinem Tod blieb.

Abgesehen von ihrer universellen religiösen Dimensionen, ist die Macht des Samens ein stets wiederkehrendes Thema. Die Dringlichkeit der Erhaltung dieser lebenswichtigen Flüssigkeit oder "Lebenskraft" hat die verschiedenen Denker, wie die griechischen Ärzte, die Hindu-Weisen , die Leichtathletik-Trainer und die moralischen Reformer dazu geführt, sich zum Ideal des Zölibats zu bekennen. Sie gaben das Versprechen, dass die Vitalität, die Energie und die intellektuelle Leistung mit der Bewahrung des kostbaren Samens erhalten bleiben. Der französische Schriftsteller Honoré de Balzac traf es am prägnantesten, als er in postkoitaler (nach dem Geschlechtsverkehr) Traurigkeit sagt: "Dort geht ein anderer Roman!"  

--Last edited by yogi on 2008-01-23 11:55:49 --

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  Posted 24/01/2008 03:39:28 PM
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Einführung VI

Das Zölibat ist auch ein beherrschendes Thema, wenn man einen Zustand erreicht, in dem man direkt mit Geistern kommunizieren kann. Schamanen15 und Vodoo-Priester und Priesterinnen müssen kurzfristige Enthaltsamkeit während ihrer Ausbildung und während ihres Handelns praktizieren. Das Zölibat erhöht ihr Bewusstsein und ihre Sensibilität und beschwichtigt die eifersüchtigen Götter.

15Die Mazateken, ein mexikanischer Stamm auf dem Rio Negro (Nebenfluss des Amazonas), erlegte ihren Schamanen (Medizinmännern) das Zölibat auf, weil sie glaubten, dass die Medizin wirkungslos sein würde, wenn sie durch einen verheirateten Mann verabreicht wird. In ihrer Autobiographie "Botin der heiligen Pilze", schreibt die im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca bei den Mazateken lebende Schamanin, María Sabina (1894–1985), dass sie bereits mit vierzehn Jahren heiratete, aber enthaltsam lebte, da eine Weise enthaltsam leben sollte.

Quelle: Schamanismus in Südmexiko

Die wichtigste Aufgabe der vestalischen Jungfrauen bestand darin, Rom's heiliges Feuer zu behüten. Dieses Feuer war die Seele der Nation und verlangte von den Jungfrauen, dass sie sich mindestens dreißig Jahre lang zur Jungfräulichkeit verpflichteten und ihre Pflichten mit ungeteilter Treue, Hingabe und Aufmerksamkeit erfüllen. Die Inkas, die ein ähnliches System hatten, erforderten eine lebenslange Jungfräulichkeit ihrer Acllas16, Priesterinnen, die ihr Leben dem Sonnengott geweiht hatten. Sie kamen in der Regel aus den Reihen der eroberten Völker und waren wichtige Mitwirkende in der imperialen Politik und der Versöhnung.

16Acllas waren junge Mädchen des Adels oder von außergewöhnlicher Schönheit, die für vier Jahre ausgebildet wurden. Danach hatten sie die Möglichkeit Mamaconas zu werden oder einen Inkaadligen zu heiraten. Mamaconas waren eine Art Nonne. Sie lebten in Tempelheiligtümern und widmeten ihr Leben dem Sonnengott Inti. Sie lebten ein Leben in Keuschheit und dienten den Inkas (dem herrschenden Adel) und den Priestern.

Die Acllas waren auserwählte Frauen und standen im Dienste des Sonnengottes und des Inka. Nur die qualifiziertesten wurden bereits mit fünf Jahren ausgewählt und erhielten eine sehr spezielle Ausbildung. Sie lebten im Haus der Aclla in Cusco (Hauptstadt von Peru), erlernten unter der Aufsicht einer „Äbtissin“ Haushaltsführung, Kochen, die Zubereitung von Getränken, Gesang und Musik. Sie widmeten den größten Teil ihrer Zeit dem Weben von allerfeinsten Luxustextilien für den Sapa Inka (Inkaherrscher) und die Priester. Im zehnten und dreizehnten Lebensjahr mussten sie sich einer erneuten Auswahl stellen. Hatten sie den Apo Panac (Herr der Schwestern) dabei nicht überzeugt, kehrten sie zu ihrer Familie zurück. Die übrigen erlernten die Gebete und Kulthandlungen des Sonnenkults, lebten in strenger Keuschheit und wurden bei Geschlechtsreife vom Sapa Inka an Adelige, Krieger, Würdenträger und Ingenieure verschenkt, denen sie durch ihre hausfraulichen und handwerklichen Fähigkeiten, aber auch durch ihre weibliche Anmut zu dienen hatten. Nur diejenigen, die sich zu völliger Keuschheit verpflichteten und "Intip Chinan" genannt wurden, trugen ein weißes Ordensgewand und einen "Pampacune" genannten Schleier und assistierten bei religiösen Zeremonien. Ihre Jungfräulichkeit gehörte zu den höchsten Tabus der Inkas, deren Verletzung den Tod des Verführers, wie der Verführten samt den Verwandten, dem Heimatdorf und seinem Curaca (Fürsten), selbst aller Pflanzen und Tiere zur Folge hatte. Einzig der Inka selbst durfte diese Jungfrauen „minnen“ (lieben). Man kann sich daher ausmalen, welch ungeheuren Tabubruch die Spanier begingen, als sie die Sonnenjungfrauen in der Annahme, sie seien eine Art Tempelhuren, während der Conquista (Eroberung) vergewaltigten.

Die Priester lebten in Tempeln und anderen bedeutenden religiösen Heiligtümern. Sie erfüllten auch Funktionen als Wahrsager, Zauberer und Medizinmann. Der Titel des obersten Priesters von Cusco lautete "Villac Umu" bzw. "Huillac Umu". Er war regelmäßig ein Bruder oder Vetter des Inka, der nicht heiraten durfte, keusch leben musste und ein asketisches Leben führte. Er musste vegetarisch  leben, durfte nur Wasser trinken und fastete häufig bis zu acht Tage hintereinander. Seine Autorität stand in Konkurrenz zu der des Sapa Inka (Inkaherrscher). Zum Zeichen seiner Würde trug er eine goldene Kopfbedeckung, die durch ein Bild der Sonne geschmückt war.

Quelle: Inka

Das Zölibat hatte eine andere Gestalt, wenn sie von nichtreligiösen, aber nicht zwangsläufig unreligiösen, Frauen praktiziert wurde. Um die "natürliche" Ordnung herauszufordern, verhielten sie sich subversiv, unterwürfig und ergeben. Jeanne d'Arc und die Häuptlingsfrau Biawacheeitchish (1790-1830) der Krähen-Indianer (die berühmte Kriegerin aus dem Stamme der Absarokee hatte mehrere erfolgreiche Kriegszüge angeführt), wählten einen weiblichen Weg und führten ein Leben als Kriegerin. Im 19. Jahrhundert verherrlichten britische Frauen die Jungfernschaft. Sie lebten in unabhängiger Abgeschiedenheit und vergassen ihre Karriere. Florence Nightingale, Tochter einer wohlhabenden britischen Familie, widerstand dem unerbittlichen Druck der Familie, verschmähte die Bewerber und die Ehe für die Jungfräulichkeit, um die beschämende und bescheidene Krankenpflege zu einem der weltweit edelsten Berufe zu machen. In Albanien und Indien schworen ländliche Frauen, die man in der heutigen westlichen Welt als Transsexuelle bezeichnen würde (Transsexuelle fühlen sich einem anderen Geschlecht zugehörig), ein lebenslanges Zölibat. Sie trugen Männerkleidung, führten einen männlichen Lebensstil und wurden Bauern. Königin Elizabeth I. von England bewahrte ihre Keuschheit lebenslänglich von Leidenschaften und Liebeleien und widerstand dem ständigen Drängen der Ratsherren, zum Wohle der Nation zu heiraten. So wurde sie zu eine der hervorragensten Monarchen.

Das Zölibat hat auch andere freundliche und weniger dramatische Formen. Es wird benutzt, um die Fruchtbarkeit für nachfolgende Schwangerschaften bei stillenden Frauen zu fördern. In einigen Gesellschaften nehmen alternde Frau das Zölibat öffentlich an, um dadurch das Ende ihrer Fähigkeit oder Bereitschaft, weitere Geburten zu erdulden, zu signalisieren. Allerdings ist das Zölibat nicht immer so erhebend. Vor allem verleiht der große Wert, den die meisten Gesellschaften auf die Jüngfräulichkeit der Braut legen, dem Zölibaz eine ausgesprochen hässliche Seite. Die "goldenen Lotusfüße" der kleinen chinesischen Mädchen werden nicht mehr gebunden und Keuschheitsgürtel sind rostige Museumskuriositäten, aber weibliche Genitalverstümmelungen (Beschneidungen), bei denen die weiblichen Geschlechtsteile (Klitorisvorhaut, Klitoris, Schamlippen) teilweise oder ganz entfernt werden und mittelöstliche (Bezeichnung für den indischen Subkontinent und daran angrenzende Länder) Ehrenmorde sind immer noch abscheuliche Beispiele, die ein fortwährendes Szenarion blutiger Verzweiflung beschreiben. Auch heute noch fallen täglich etwa 6.000 Mädchen der Beschneidung zum Opfer und Ehrenmorde beendes das Leben vieler junger Frauen, alles im Namen der sexuellen Reinheit.  

--Last edited by yogi on 2008-01-24 15:41:02 --

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  Posted 25/01/2008 11:27:39 AM
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Einführung VII

Selbstverständlich ist diese grausam überwachte Jungfräulichkeit fast ausschließlich ein Markenzeichen der Braut. Die meisten Männer, mit Ausnahme der Azteken (Mexiko) und Engas (Papua-Neuguinea) müssen keine jungfräulichen Bräutigamme sein. Diese Ungleichheit ergibt sich aus dem unterschiedlichen Moralkodex, der die Sexualität von Männern und Frauen sehr unterschiedlich bewertet. Dieser unterschiedliche Moralkodex ist so tief und weit verbreitet, dass er seit Jahrhunderten die Prostitution im Namen des Zölibats ermutigt und rechtfertigt. St. Augustinus17, der stets fähig war, sich mit den freizügigen Männern zu identifizieren, faßte das Argument auf diese Weise zusammen: "Entferne die Prostitution und du besudelst die Welt mit Sinneslust." Er und andere einflussreiche Moralisten, religiöse und bürgerliche, haben die Hurerei als ein erforderliches Ventil sexgeiler Männer betrachtet, das sie von den verführerischen Jungfrauen ablenkt, die sie später heiraten, um Kinder zu zeugen.

17St. Augustinus (Augustinus von Hippo, 354-430 n.Chr.) war ein algerischer Philosoph und Kirchenlehrer, Bischof von Hippo Regius (heute: Annaba, Algerien), Algerien war damals eine römische Provinz

Häufig wird Männern und Frauen das Zölibat auch unfreiwillig auferlegt: Gefangenen; den russischen und kanadischen Lehrern des 19. Jahrhunderts; Millionen von Chinesen, die in der repressiven maoistischen Zeit in Arbeitslagern waren; ungeliebten arabische Frauen, die in eine polygyne Ehegemeinschaft (ein Mann, mehrere Frauen) einheirateten und in der Liebe und im Bett nicht zu den Favoritinnen ihres Ehemannes zählten. Millionen chinesischer Junggesellen sind zum Zölibat verurteilt, weil die Politik der "Ein-Kind-Familie" dazu führt, dass massenweise weibliche Föten und Säuglinge getötet werden. Dies führt zu einem massiven Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern.

In der Geschichte wurde manchen Männern das Zölibat auch brutal durch die Chirurgie auferlegt und zwar durch Kastration (Entfernung der Hoden) oder Entfernung der männlichen Genitalien. Eunuchen wurden für verschiedene Zwecke benötigt. Sie dienten oft in Harems, wo frustrierte Frauen nicht von genital gesunden Männern überrascht werden sollten. Im byzantinischen und osmanischen Reich füllten sie administrative und militärische Posten aus, kontrollierten sehr viel Geld und die Schicksale ganzer Völker. Die wichtigste Qualifikation für solche Traumjobs war die Unfähigkeit zur Fortpflanzung. Diese Anforderungen konnten unkastrierte Männer, die eine Familie hatten, nicht erfüllen. Eunuchen konnte auch deshalb vertraut werden, weil keine Intrigen ihrer Söhne befürchtet werden mussten, da sie keine hatten.

Als im 19. Jahrhundert eine Opernmanie über Europa hinwegfegte, gab es verschiedene verstümmelte Opfer: kleine Jungen, die in die lieblichsten Soprane vergewandelt wurden, die jemals eine Bühne geschmückt haben. Der Preis dieser bartlosen, volltönenden, immer übellaunigen und wütenden Kastraten, war die dauerhafte sexuelle Unfähigkeit. Aber in der fieberhaften Suche nach musikalischer Perfektion zählte das nicht. Anderswo, in Indien und Pakistan, legen sich Männer freiwillig unter das Messer, um Hijras18 zu werden. Die Hijras sind Unterhaltungskünstler, die traditionell das Gelübde des Zölibats ablegen. Sie geben vor, weder eine weibliche noch eine männliche Identität zu besitzen und leben in zölibatären Gemeinschaften zusammen.

18Die Hijras leben meistens in eigenen, recht disziplinierten Gemeinschaften und nicht wie gewöhnliche Frauen in der indischen Gesellschaft. Sie unterziehen sich meistens einer rituellen Kastration und Penektomie (die Entfernung des Penis) oder streben sie wenigstens an, da sie nur dann als ganz von ihrer Schutzgöttin "Bahuchara Mata" angenommen und damit selbst zu einer wirksamen Segnung oder Verfluchung anderer fähig gelten. Mitglieder dieser Gruppe bilden der hinduistischen Gesellschaft entsprechende Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaften, denen ein Guru vorsteht. Diese muss für die materiellen und spirituellen Bedürfnissen ihrer Schülerinnen Sorge tragen und hat dafür ein Anrecht auf deren Einnahmen und Loyalität.

Beim entscheidenden Ritual versammeln sich zahlreiche Hijras meistens in einem Hinterhof um die zu kastrierende Person. Dieser werden Hodensack und Penis abgeschnürt und dann mit einem Messer in einer bogenförmigen Bewegung abgeschnitten. Die versammelte Menge ruft im hinduistischen Kontext derweil Muttergottheiten an und fleht für das Gelingen, im muslimischen Kontext werden insbesondere Sufi-Heilige um Beistand gebeten. (Rund die Hälfte der Hijras sind Muslims.) Nach dem Schnitt wird ein kleines Holz- oder Metallröhrchen in den Harnleiter eingefügt damit dieser beim Schließen der Wunde geöffnet bleibt. Die Wunde wird nicht sofort abgedeckt damit das Blut den Rest der Männlichkeit symbolisch hinausspült, teilweise wird dies auch als rituelle Menstruation angesehen. Schließlich wird heißes Öl über die Wunde gegossen und eine Kompresse mit Heilkräutern angelegt um den Heilungsprozess zu beschleunigen. Die zurückbleibenden Narben sind allerdings zumeist groß und entstellend. Wundinfektionen kommen häufig vor. Eine Geschlechtsanpassung findet hierbei nicht statt und ist auch nicht beabsichtigt, etliche Hijras haben nach dieser Kastrationsform Probleme mit der Kontrolle des Harnhaltens.

Da das Kastrationsritual offiziell verboten ist, jedoch von der lokalen Polizei meistens geduldet wird, bewegen sich die Beteiligten dabei in einer Grauzone und für die betroffene Hijra besteht erhebliche Lebensgefahr. Problematisch sind hierbei insbesondere die mangelhaften hygienischen Zustände bei der Kastration und bei den "Operationsinstrumenten", es fehlt an medizinisch-chirurgische Kenntnisse, zudem kann beim Auftreten von Komplikationen in den seltensten Fällen medizinische Nothilfe in Anspruch genommen werden. Einerseits reicht das Geld selten für eine Krankenhausbehandlung und die nötigen Bestechungsgelder können aufgrund des meldungspflichtigen Vorfalls auch nicht aufgebracht werden.

Traditionell verdienen Hijras ihren Lebensunterhalt durch Tanzen und Segnungen auf Hochzeiten, bei Hauseinweihungen und nach der Geburt von Söhnen. Diese Quelle von Geld und Anerkennung ist zwar immer weniger ertragreich und kann kaum mehr eine Hijra-Gemeinschaft ernähren, bleibt aber identitätsstiftend. Nur wenige andere Berufe stehen den Hijras offen und viele arbeiten daher als Prostituierte. Dabei gibt es einige Parallelen zu den antiken Galloi19 des Kybele-Kultes.

Quelle: Hijra
Hijra, das dritte Geschlecht

19Die Galloi waren kastrierte Priester und Tempeldiener der phrygischen (anatolischen) Kultur. Sie kastrierten sich selbst nach orgiastisch gesteigerter Raserei während der feierlichen Zeremonien für die Göttin "Kybele" mit einem scharfen Stein, mit Messern und Beilen. Diese öffentlich durchgeführte Verstümmelung hatte den Zweck, die Zuschauer zu erschrecken und zu Spenden zu bewegen. Dem Theologen Lukian (250-320) zufolge zogen die Galloi in Hierapolis (eine antike griechische Stadt in Phrygien, gehört heute zur Türkei) nach der Kastration in der Stadt umher: Sie erhielten weibliche Kleider und Schmuck aus dem Haus, in das sie die abgeschnittenen Genitalien hineinwarfen. Nach der Kastration durften die Galloi sich ausschließlich von dem Fleisch der Opfertiere ernähren. Nach Augustinus von Hippo war der Glaube verbreitet, dass die Kastration den Galloi besonderes Glück nach dem Tod bescheren konnte. Das Ritual der Selbstverstümmelung der Galloi blieb zunächst auf den anatolischen (vorderasiatischer Teil der Türkei) und kleinasiatischen Kulturkreis (zu 97 Prozent türkisches Staatsgebiet) der Muttergottheit begrenzt.

Quelle: Galloi  

--Last edited by yogi on 2008-07-03 10:36:27 --

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  Posted 26/01/2008 06:15:15 AM
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Unglaublich! es ist immer wieder erschreckend zu lesen, wozu Menschen im politischen oder spirituellen Wahn in der Lage sind. Ich frage mich, wie sich die Kastration auf den Erleuchtungsprozess auswirkt. Ich habe schon von buddhistischen Mönchen gelesen, die ihre Genitalien mit großen steinen zerquetschen bzw. abtrennen, damit ihnen ihre Libido nicht mehr im Wege steht!
Sollte der Erleuchtungsprozess tatsächlich zum größten Teil auf physiologischer Basis durch Sublimierung der sexuellen Energie bzw. der Rückresorbtion von speziellen Hormonen, die in den Keimdrüsen des Mannes produziert werden, stattfinden, so beschneiden sich die im obigen Text genannten Adepten ja mit ebensolchen brutalen Handlungen fundamental auf ihrem Erleuchtungsweg.
Den Göttern mögen solche drastischen Taten ja gefallen, aber "Mutter Natur" wird sich schon etwas dabei gedacht haben, Menschen mit diesen Organen ausgestattet zu haben (nicht nur im Sinne der Fortpflanzung, sondern auch als ein immanentes Erleuchtungspotential).

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  Posted 26/01/2008 09:05:37 AM
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Quote :

asamsaktha wrote : Unglaublich! es ist immer wieder erschreckend zu lesen, wozu Menschen im politischen oder spirituellen Wahn in der Lage sind. Ich frage mich, wie sich die Kastration auf den Erleuchtungsprozess auswirkt. Ich habe schon von buddhistischen Mönchen gelesen, die ihre Genitalien mit großen steinen zerquetschen bzw. abtrennen, damit ihnen ihre Libido nicht mehr im Wege steht!
Sollte der Erleuchtungsprozess tatsächlich zum größten Teil auf physiologischer Basis durch Sublimierung der sexuellen Energie bzw. der Rückresorbtion von speziellen Hormonen, die in den Keimdrüsen des Mannes produziert werden, stattfinden, so beschneiden sich die im obigen Text genannten Adepten ja mit ebensolchen brutalen Handlungen fundamental auf ihrem Erleuchtungsweg.
Den Göttern mögen solche drastischen Taten ja gefallen, aber "Mutter Natur" wird sich schon etwas dabei gedacht haben, Menschen mit diesen Organen ausgestattet zu haben (nicht nur im Sinne der Fortpflanzung, sondern auch als ein immanentes Erleuchtungspotential).




Zumindest bei den Hijra scheint es sich offensichtlich "nur" um eine Penisamputation (Penektomie) zu handeln, bei der die Hoden nicht amputiert werden. Ob durch die Penisamputation das sexuelle Empfinden wirklich verschwindet, da habe ich so meine Zweifel. Ich könnte mir vorstellen, dass nach der Penisamputation Orgasmen und nächtliche Pollutionen immer noch möglich sind. Schliesslich muss ja auch das Urinieren möglich sein.  

--Last edited by yogi on 2008-01-26 09:09:00 --

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  Posted 26/01/2008 10:55:36 AM
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Quote :

Zumindest bei den Hijra scheint es sich offensichtlich "nur" um eine Penisamputation (Penektomie) zu handeln, bei der die Hoden nicht amputiert werden. Ob durch die Penisamputation das sexuelle Empfinden wirklich verschwindet, da habe ich so meine Zweifel. Ich könnte mir vorstellen, dass nach der Penisamputation Orgasmen und nächtliche Pollutionen immer noch möglich sind. Schliesslich muss ja auch das Urinieren möglich sein.




Sofern sie solche Prozeduren überhaupt überleben! Ich möchte nicht wissen wieviele Menschen bei solchen Eingriffen elendig Infektionen erliegen. Außerdem zieht eine Kastration in den meißten Fällen eine Inkontinenz nach sich und erschwert damit den Menschen das Leben noch weiter (von seelischen Qualen, die folgen können, ganz zu schweigen).
Und überhaupt, wie soll der Samen in "Ojas/ Spirituelle Energie" umgewandelt werden, wenn dieser nicht mehr produziert werden kann?

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  Posted 26/01/2008 01:19:17 PM
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Quote :

Und überhaupt, wie soll der Samen in "Ojas/ Spirituelle Energie" umgewandelt werden, wenn dieser nicht mehr produziert werden kann?




Wenn "nur" der Penis amputiert wird, können die Hoden ihre Funktion aufrecht erhalten. Der Hodensack wird ja nicht amputiert. So verstehe ich jedenfalls die Penektomie. Ausserdem versehen die übrigen Sexualdrüsen (Samenleiterampulle, Samenbläschen, Vorsteherdrüse (Prostata), Cowpersche Drüse (Bulbourethraldrüse) und die Littredrüsen) weiterhin ihren Dienst.  

--Last edited by yogi on 2008-01-26 13:42:02 --

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  Posted 26/01/2008 01:30:05 PM
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Einführung VIII

Frauen wurden ebenfalls zu drastischen Opfern des Zölibats. Das unerhörteste war das hungrige und  hoffnungslose Leben der Hindu-Witwen und der jungen Mädchen, die als kleine Kinder mit wesentlich älteren und fremden Männern verheiratet wurden20. Die einzige Alternative für die Witwen war ein früher und feuriger Tod, oft unfreiwillig, da die Söhne und andere männliche Verwandten die Witwe in den brennenden Scheiterhaufen ihres toten Ehemannes stießen.

20Das Unicef-Foto des Jahres 2007 bringt das Leben der Kinderbräute deutlich zum Ausdruck. Der Bräutigam Mohammed wirkt wie ein alter Mann, die Braut, das Mädchen Ghulam, ist gerade einmal elf Jahre alt. Die Aufnahme ist Teil einer Fotoserie über Kinderheiraten, die die Fotografin in den vergangenen zwei Jahren in Afghanistan, Nepal und Äthiopien fotografiert hat.

Welches Leid indische Kinderbräute oftmals erleiden mussten, beschreibt Rosalind Miles in ihrem Buch "Weltgeschichte der Frau":

"Einem indischen Mädchen stand die Last der Mutterschaft schon früh bevor. Neun Monate nach Beginn der Pubertät. Ihre Eheschließung lag weit zurück (die Kinder wurden schon mit fünf oder sieben Jahren verheiratet) und der kluge Gatte hatte seine Kindbraut schon lange an regelmäßigen Geschlechtsverkehr gewöhnt. Von der ersten Blutung an schlief er mit ihr, um ihre "ersten Früchte" kosten zu können. Aber unter diesen Umständen gelang es dem Ehemann nicht häufig, auch die Ernte einzufahren. Solche Kinderehen entlarvten sich allzu oft als raffinierter Massenmord an Mädchen. Millionen dieser jungen Ehefrauen starben jährlich an Unterleibsverletzungen oder an der Niederkunft. Noch 1921 hielt eine offizielle Volkszählung der britischen Regierung statistisch fest, dass in den vorausgegangen zwölf Monaten 3.200.000 Kindbräute in Indien gestorben waren.

Britische Armeeärzte berichten über die Umstände:

1. Neun Jahre alt. Tag nach der Hochzeit. Linker Oberschenkelknochen verrenkt, Becken völlig zerdrückt, Fleisch hing in Fetzten herab.

2. Zehn Jahre alt. Konnte nicht stehen. Starkes Bluten, tiefe Fleischwunden.

3. Neun Jahre alt. So stark zerfetzt, dass sie chirurgisch kaum noch zu heilen war. Ihr Mann hatte noch zwei andere Frauen und sprach ausgezeichnetes Englisch.

4. Sieben Jahre alt. Lebte beim Ehemann. Starb nach drei Tagen unter großen Qualen.

5. Etwa zehn Jahre alt. Kroch auf Händen und Knien zum Krankenhaus. Konnte seit ihrer Hochzeit nicht mehr aufrecht stehen.

Das Zölibat hat aber auch viel sanftere Varianten, z.B. wenn es von den Menschen praktiziert wird, die sich unsicher fühlen, ihre unkonventionelle Sexualität auszuleben. Hierzu zählen homosexuelle Männer wie Leonardo da Vinci (Homosexualität stand unter Strafe), pädophile Männer wie der britische Schriftsteller, Mathematiker und Fotograf Lewis Caroll (1832-1898), Exzentriker, wie der englische Schriftsteller, Maler, Kunsthistoriker und Sozialphilosoph John Ruskin (1819-1900) und der untröstliche Liebhaber Sir Isaak Newton (dem seine Verlobte davongelaufen war). Das Zölibat kann außerdem eine heilende Wirkung für die Opfer von sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung haben. Sie gibt ihnen Zeit und Raum, die Probleme, die die Sexualität bei ihnen hervorruft, zu verarbeiten. Heute, in Zeiten von Aids, nehmen einige Menschen das Zölibat als Instrument des physischen Überlebens, so wie manche Menschen im syphilis-durchsetzen sechzehnten Jahrhundert auf Sex verzichteten. Wenn der Sex sich plötzlich in Form eines Totenkopfes präsentiert, erscheint das Zölibat wie ein Schutzengel.

Körperliche Bedingungen können ebenso Impotenz und damit ein ungewolltes Zölibat verursachen. Das umfangreiche Blei in Rom's berühmten Aquädukten, so progressiv es in der Technologie war, so zerstörerisch war es für die männliche Sexualität, ließ den römischen Dichter Ovid (43 v.Chr.-18 n.Chr.) über das Versagen seines Penis zu folgender ironischer Lyrik hinreißen: er sei so "schlapp wie der Salat von gestern". Magersucht, die meist Frauen betrifft, hat genau denselben Effekt. Es laugt die Stärke des abgemagerten Körpers aus und lässt die sexuelle Energie dahinschwinden. Aber im Gegensatz zu Ovid, sind Karen Carpenter21 und ihre mageren Genossinnen keine verzweifelten Beobachter ihrer schwindenden Sexualität. Ihre Brust und ihre Hüften verschwanden allmählich ebenso, wie ihre sexuelle Begierde.

21Karen Carpenter war der weibliche Teil des amerikanischen Popduos "The Carpenters", das sie zusammen mit ihrem Bruder Richard bildete. The Carpenters hatten ihren musikalischen Höhepunkt um 1970. Karen starb am 4. Februar 1983 an Magersucht.

Das Zölibat, das im menschlichen Leben allgegenwärtig ist, spiegelt sich auch in der Literatur wieder und zwar nicht nur in den Romanen der Gattung Impotenz. Der englische Dichter und Staasphilosoph John Milton (1608-1674), der russische Schriftsteller Leo Tolstoi (1828-1910) und die britische Schriftstellerin und Verlegerin Virginia Woolf (1882-1941) schrieben darüber. Ebenso tat es der amerikanische Romanautor John Irving, dessen Mutter von Garp (aus dem Roman: "Garp und wie er die Welt sah") nur ein, wenn auch fruchtbares, Abgleiten vom Zölibat hatte, weil sie sich ein Kind wünschte. Sogar Vampire, deren Liebe blutrot ist, sind keusch. Im Laufe der Jahrhunderte hat das Zölibat nichts von seiner Faszination verloren. Neben den immer jüngeren sexuell aktiven Kindern, nehmen ebenso die "Power Virgins" (Starke Jungfrauen) von "True Love Waits" (Wahre Liebe Wartet22) und andere keusche Jugendbewegungen zu. Im Rahmen meiner Forschung habe ich mir das Einführungspaket von "True Love Waits" zuschicken lassen. Es beinhaltet ein stilvoll dekoriertes T-Shirt (Foto ), welches ich manchmal beim Fahrradfahren trage. Ich wundere mich jedesmal, wenn einer der Passanten die ungewöhnliche Nachricht des T-Shirts bemerkt. (es gibt auch "True Love Waits" Ringe und Armbänder: Jewelry4Christians )

22"Wahre Liebe Wartet" ist die deutsche Sektion der internationalen christlichen Keuschheitsbewegung "True Love Waits". "True Love Waits" wurde 1993 in den USA von evangelischen Protestanten gegründet. Es arbeiten aber auch Katholiken und Mitglieder anderer christlicher Religionen mit. Von den zahlreichen Vereinigungen amerikanischen Ursprungs, die voreheliche Keuschheit propagieren, ist "Wahre Liebe Wartet" die einzige, die auch im deutschsprachigen Raum einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat.

"Wahre Liebe Wartet" propagiert gegenüber Jugendlichen und jungen Erwachsenen völlige sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe, die sie mit dem christlichen Postulat der ehelichen Treue begründet, das auch für (noch) nicht Verheiratete gilt. Sexualität vor dem Zeitpunkt der Eheschließung wäre somit Ehebruch gegenüber dem künftigen Ehepartner, selbst dann, wenn der voreheliche Sexualpartner später geheiratet wird, da die Ehe zum Zeitpunkt der sexuellen Handlung noch nicht gültig bestand. Alle Mitglieder unterschreiben eine so genannte „Verpflichtungskarte“, deren Text lautet: „Mit Gottes Hilfe verspreche ich ab heute vor Gott, mir selbst, meiner Familie, meinen Freunden und meinem zukünftigen Ehepartner, bis zum Tag meiner Heirat sexuell enthaltsam zu leben.“ In Deutschland hat die Aktion nach eigenen Angaben etwa 10.000 Anhänger im Alter von etwa 16 Jahren bis Anfang 20.

Quelle: Wahre Liebe Wartet

In der Tat beschränkt sich das Interesse für das Zölibat nicht nur auf die jüngere Generation. Auch die mittlere oder ältere Generation wendet sich zunehmend dem Zölibat zu. Dies geschieht zur Erreichung persönlicher Autonomie, aus spirituellen Gründen, wegen der Verbindung zu Gott, zur Natur und aus vielen anderen Gründen. Einige erklären sich als "Reborn Virgins" (Wiedergeborene Jungfrauen). Andere loben den Reichtum, den das Zölibat ihrer Beziehung, einschließlich ihrer Ehe, verliehen hat. Wie die keuschen Ehemänner und Ehefrauen in den ersten christlichen Jahrhunderten, wie der italienische Mönch und Ordensgründer Franz von Assissi und seine geliebte Begleiterin, die Heilige St. Klara (Klara von Assissi) , finden diese Männer und Frauen im Zölibat Frieden und Erfüllung. Es befreit sie von Besitzdenken und Eifersucht.  

--Last edited by yogi on 2008-01-26 15:33:28 --

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 asamsaktha
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  Posted 27/01/2008 09:09:42 AM
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Ich weiß nicht, ob dies schon in der Abhandlung erwähnt worden ist, aber da wäre noch die recht bekannte Selbstverstümmelung der hinduistischen Sadhus zu erwähnen. Der Schwellkörper des Penisses wird durch Dehnübungen oder das Anbringen von Gewichten so stark geschädigt, dass eine normale Erektion nicht mehr möglich ist.
Diese "Errungenschft" stellen die Sadhus auch häufig Touristen zur Schau, wenn sie sich große Felsbrocken an ihre Genitalien hängen und diese dann längere Zeit hochheben/ umherschwingen, etc.
Meiner Erinnerung nach zählt das zu den Tapas (Askeseübungen) und ist nur eine von vielen anderen "Körpermodifikationen", die die Lust zerstören sollen und die Opferbereitschaft der Sadhus demonstrieren.

 yogi
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  Posted 27/01/2008 10:44:21 AM
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Quote :

asamsaktha wrote : Ich weiß nicht, ob dies schon in der Abhandlung erwähnt worden ist, aber da wäre noch die recht bekannte Selbstverstümmelung der hinduistischen Sadhus zu erwähnen. Der Schwellkörper des Penisses wird durch Dehnübungen oder das Anbringen von Gewichten so stark geschädigt, dass eine normale Erektion nicht mehr möglich ist.
Diese "Errungenschft" stellen die Sadhus auch häufig Touristen zur Schau, wenn sie sich große Felsbrocken an ihre Genitalien hängen und diese dann längere Zeit hochheben/ umherschwingen, etc.
Meiner Erinnerung nach zählt das zu den Tapas (Askeseübungen) und ist nur eine von vielen anderen "Körpermodifikationen", die die Lust zerstören sollen und die Opferbereitschaft der Sadhus demonstrieren.




Ja, du hast recht, so etwas gibt es:

Hier habe ich zunächst einmal ein Bild, das die Selbstkasteiung durch einen 40 kg schweren Stein zeigt.

Es gibt Beispiele ritueller Penisverlängerungen, die sich auf der ganzen Welt finden lassen. Zwei bekannte Beispiele stammen aus Indien und Afrika. Die Sadhus (Die Sadhus sind hinduistische Mönche, die das weltliche Leben aufgegeben haben und sich einem strengen religiösen und asketischem Leben verschrieben haben.) der Naga-Sekte, eine umherziehende Gruppe von heiligen Männern, die zu Fuss kreuz und quer durch Indien wandern, dehnen ihren Penis durch den Einsatz von schweren Steinen. Sie erreichen Penislängen von bis zu 18 Zoll (etwa 46 cm). Diese Bemühungen haben einen rein spirituellen Zweck. Die Sadhus haben kein Interesse am Sex und schädigen ihren Penis absichtlich unheilbar, um spirituelle Erleuchtung zu erlangen.

Der afrikanische Stamm der Karamojong, aus dem Nordosten Ugandas, sind für ähnliche Penisverlängerungen bekannt. Von früher Jugend an, hängen sie eine stets anwachsende Zahl von kreisförmigen Steinen an das Ende ihres Penis und im Laufe einer Reihe von Jahren erreichen sie Penislängen, die mit denen der indischen Sadhus vergleichbar sind. Um ihre imposanten und unpraktischen Anhängsel besser zu handhaben, binden die Karamojong ihren Penis zu einem Knoten. Es ist anzumerken, dass sowohl die Karamojong und die Sadhus unglaubliche Penisgrößen erreichen. Aber sie fügen ihrem Penis einen dauerhaften Schaden zu, der nicht mehr geheilt werden kann. Solche extremen Praktiken führen zu Nerven- und Gewebeschäden, die eine normale Erektionsfähigkeit verhindern. Diese Beispiele geben einen Einblick in die Penisverlängerung. Durch eine kontrollierte und angemessene Nutzung können auch maßvolle Penisverlängerungen ohne die Gefahr einer Verletzung erreicht werden.

The facts about penis stratching (Die Fakten über Penisverlängerungen)

Im Laufe der Geschichte haben viele Kulturen den Penis gestreckt, um ihn zu vergrößern. Die Sadhus, die heiligen Männer Indiens, die peruanischen Cholomecs und die Indianer Papua-Neuguineas (nord-östlich von Australien) erreichen durch rituelle Penisverlängerungen eine Penislänge von 22 Zoll (etwa 51 cm). Es gibt zahlreiche andere kulturelle Beispiele dieser Penisverlängerungen.

How penis stretching works (Wie die Penisverlängerung funktioniert)


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  Posted 27/01/2008 10:11:07 PM
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Göttliches heidnisches Zölibat

In antiken Griechenland war die voreheliche Keuschheit solch eine wesentliche Anforderung an die Bräute, dass die jungen Frauen gleich nach der Pubertät in die Ehe gedrängt wurden, um jedes sexuelle Abgleiten auszuschließen. Aber unter dem Pantheon (das Pantheon ist ein allen Göttern geweihter Tempel) der Gottheiten, hielten drei starke, einflussreiche und ehrgeizige Göttinnen eine lebenslängliche Wachsamkeit über ihre Jungfräulichkeit. Hestia personifizierte Bescheidenheit und Häuslichkeit. Athena and Artemis erweiterten jedoch das Zölibat in einen unabhängigen Lebensstil, der sonst nur den Männern erlaubt war. Für die Frauen war das Zölibat ein mächtiges Instrument, das sie aus der traditionellen Rolle befreite. Es war, in der Tat, die einzige Möglichkeit der Flucht aus der Schinderei und Abhängigkeit von Ehemann, Vater oder Brüdern, die alle anderen griechischen Frauen erwartete. (Im römischen Patheon wurden Hestia, Athene und Artemis als Vesta, Minerva und Diana verehrt.)

Griechischer Mythos: Athena, Artemis and Hestia

Ewigkeiten, nachdem sich die olympischen Götter des antiken Griechenlands einander bestürmt und belästigt, geliebt und gehasst, gerächt und verfolgt hatten und die Sterblichen sie verehrt, gefürchtet und respektiert haben, besitzen sie immer noch eine gewaltige Ausstrahlung. Sie deuten sich in unserer Literatur an und dominieren unsere Metaphern. Sie sind Bezugspunkte für die Philosophie, Mathematik, Medizin und Religion. Für die frühen Christen, die das Erbe der griechisch-römischen Welt antraten, war der Pantheon der Götter und Göttinnen eine gotteslästerliche Ketzerei und ein grundlegender Fehler. Sie betrachteten sie als gefährlich für die intellektuellen und kulturellen Rahmenbedingungen, für die Reformen und Herausforderungen, für die sie kämpften.

Das Pantheon hat ein Dutzend Akteure, die sich zu gleichen Teilen zwischen den Göttern und Göttinnen aufteilen. Keiner der Götter war auch nur im mindesten keusch: Zeus (röm.: Jupiter), der Führer; Apollo, der Sonnengott, und auch der Gott der Schönheit, Jugend, Poesie, Musik, Prophetie und des Bogenschießens; Ares (röm.: Mars), der Kriegsgott; Hermes (röm.: Merkur), der Bote und Gott der Diebe und Kaufleute; Poseidon (röm.: Neptun), der Gott des Meeres und Hephaistos (röm.: Vulkan), der Gott des Feuers und des Metallhandwerks. Alle waren heißblütige Männer, die zwischen Himmel und Erde verführten, vergewaltigten und befruchteten. Das himmlische Zölibat, wie seine irdische Entsprechung, wurde den Göttinnen überlassen.  

--Last edited by yogi on 2008-01-27 22:16:59 --

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  Posted 28/01/2008 04:44:46 PM
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Athena, Artemis und Hestia II

Die drei wichtigsten Göttinnen, Athene (Minerva), die Göttin des Krieges, der Weisheit und des Handwerks; Artemis (Diana), die Göttin der Jagd und der Tiere und Hestia (Vesta), die Göttin der Feuerstellen, waren engagierte Jungfrauen und hatten alleine die Macht, Aphrodite (Venus), der Göttin der Liebe und der sexuellen Begierde zu widerstehen. Eine vierte Göttin Hera (Juno), Zeus' Frau und Schutzpatronin der Ehe, war eine halbe Jungfrau, eine keusche Frau, die jährlich ihre Jungfräulichkeit durch ein reinigendes Bad in der Quelle Canathus erneuerte.

Zeus' erste Frau war die weise Metis. Als sie schwanger wurde, täuschten andere Gottheiten Zeus mit dem Orakel, dass Metis einen Sohn gebären würde, der seinen Vater verdrängen würde, um König über Götter und Menschen zu werden. Zeus ließ sich von dieser Panikmache beeindrucken und beschloss Metis zu beseitigen, indem er sie verschlang, als sie mit Athene schwanger war. Bald darauf aber wurde er so stark von Kopfschmerzen geplagt, dass der mitfühlende Hephaistos auf Zeus' Befehl Zeus mit einer Axt den Kopf spaltete, um die Schmerzen zu lindern. Aus Zeus' Stirn entsprang die Göttin Athene mit weit hallendem Schlachtruf, in voller Rüstung und mit einem spitzen Wurfspeer bewaffnet. Ein zweites Kind, ein Sohn, mit dem Metis gleichzeitig schwanger war, wurde nicht befreit und blieb ungeboren. Das Orakel hat sich also nicht erfüllt.

Und was war Athena für eine Göttin! Sie hatte eine unnahbare, reservierte Schönheit, durchbohrende Augen und ein sachliches Kostüm: einen goldenen Helm, einen enormen Speer und ein flatteriges Schild. In ihrer Rolle als jungfräuliche Kriegerin, als Expertin für Strategie und Disziplin, war sie ständig gezwungen, im Krieg zwischen den Griechen und den Trojanern23 einzuschreiten. Sie ritt und schritt mit kriegerischen Geschrei im Nahkampf über Schlachtfelder, sammelte die griechischen Soldaten und versteinerte die Trojaner. Athena war eine todbringende Kämpferin und ihr Tempel, ein reines, kaltes und weiß-marmoriertes Gebäude, das, wie Athena selbst, als Pantheon der Jungfrauen bekannt ist, beherrscht Athen.

23Die Trojaner bezeichnet in der griechischen Mythologie und Geschichte die Bewohner des antiken Troja. Troja ist eine Stadt des Altertums im Nordwesten der heutigen Türkei. Troja ist identisch mit dem Hügel Hisarlık in der türkischen Provinz Çanakkale.

Wie alle griechischen Gottheiten, ist Athena weit davon entfernt, perfekt zu sein. Als sie einst mit ihrer Freundin Pallas in einem Turnier kämpfte, zerstritten sich die beiden Frauen. Als Pallas den Arm hob, um Athena zu schlagen, tötete die Göttin unbedacht die Angreiferin, um anschließend ihre Hastigkeit bitter zu bereuen. In einem anderen Beispiel moralischer Unvollkommenheit, war sie so rasend eifersüchtig auf Arachne's24 auserlesene Wandteppiche, dass sie ihr Gesicht mit dem Buchsbaum-Schiffchen des Webstuhls zerschmetterte und sie provozierte, sich selber aufzuhängen. Athena aber belebte sie wieder, verwandelte sie in eine Spinne und ließ sie ein endloses Spinnennetz weben.

24Arachne ist die Schutzgöttin der Spinner, Weber und Handwerker. Als Arachne behauptete, die Göttin Athene in der Webkunst zu übertreffen, verwandelte Athene sie in eine Spinne.

Athena hatte eine Reihe von Fähigkeiten, die es so schwer machen, sie zu beschreiben, anders als bei einer Renaissance-Frau. Sie wurde wegen ihrer Weisheit in politischen und häuslichen Angelegenheiten geehrt. Athena konnte gut mit Pferden umgehen und war eine erfahrene Trainerin. Sie kannte sich gut mit Schiffen und Streitwagen aus und erfand die Flöte. Als Athena allerdings in einem Gewässer ihr vom Flötenspiel verzerrtes Gesicht sah, warf sie die Flöte verärgert fort, weil sie ihr hübsches Gesicht entstellte. Athena ist auch die Schutzgöttin der Kunst und des Kunsthandwerks.  

--Last edited by yogi on 2008-01-28 16:54:52 --

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  Posted 29/01/2008 02:47:11 PM
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Athene, Artemis und Hestia III

Athena's Jungfräulichkeit, die integraler Bestandteil ihrer Existenz ist, ist unantastbar. Sie mag eitel, eifersüchtig, engherzig und rachsüchtig sein, aber nie für eine Sekunde würde sie ihre persönliche Festung, ihre Jungfräulichkeit, verlassen.

  • Keine Mutter hat mich geboren. Ich verehre den Mann in allen Dingen, außer in der Ehe. Ja, mit ganzem Herzen bin ich meines Vater's Kind,

ruft Athena, die Tochter des olympischen Zeus, als sie vollerblüht, in voller Rüstung, dem Haupte ihres Vaters entsprang. Sie hatte niemals in der Dunkelheit der Gebärmutter gebrütet. Als ihr Bruder Hephaistos sie sexuell angriff, während sie in seiner Schmiede stand und neue Waffen bestellte, wehrte sie ihn wütend ab, so dass er auf ihren Oberschenkel ejakulierte. Athena schabte den abscheulichen Samen in der Nähe von Athen auf den Boden und befruchtete damit Mutter Erde. Dadurch wurde Erichthonios, der schlangenfüßige Sohn des Hephaistos, geboren. Plötzlich aber erweichte die streitsüchtige Göttin und entschied sich, das Kind selber aufzuziehen. Sie war ein unerbittliche Kriegerin, die ihre Jungfräulichkeit mit ihrem Leben verteidigte. Aber bei dem Anblick eines wimmernden Säuglings, wurde sie, die selber mutterlos war, zum Ingegriff der Mütterlichkeit.

Athene war sich auch sehr bewusst, dass ihre Nacktheit sie sexuell verletztbar machte. Ihren glänzenden Körper war das letzte Bild, das der Prophet Teiresias sah, als er sie unachtsam beim Baden in einer Quelle beobachte. Er war geradezu von ihrer Schönheit geblendet. (Später entschädigte sie dieses, indem sie ihm das Geschenk der Prophezeiung und des Hellsehens machte.)25

25Die niederen Instinkte verachtete Athena. Unzucht und Unkeuschheit wurden von ihr schwer geahndet. So wird erzählt, daß Teiresias, der Seher aus der Ödipus-Sage, in seiner Jugend die Göttin beim Bade belauschte und etwas sah, was er nicht sehen durfte. Athena strafte ihn darauf mit Blindheit, verlieh ihm aber auf Bitten seiner Mutter, der Nymphe Chariklo, die Fähigkeit des Hellsehens.

Diese Vorfälle und andere, hatten damit zu tun, dass sie der Keuschheit solch einen großen Wert beimaß. Es bedeutete aber nicht, dass sie eine Abneigung gegen Männer hatte. Aus diesem Grunde wies sie auch alle diejenigen ab, die sich danach sehnten, sie zu heiraten. Sie bevorzugte sogar die Männer gegenüber den Frauen und unterstützte mehrere Helden. Sie hatte immer eine liebevolle und friedvolle Beziehung zu ihrem Vater, Zeus, aufrechterhalten. Athena führte ein wundersames und aberteuerliches Leben. Sie war furchtlos, mutig und listig wie ein Krieger; subtil, klug und witzig wie eine Ratgeberin; ehrgeizig, temperamentvoll und ungestüm mit Konkurrenten, vor allem mit Frauen. Sie verteidigte ihre Sexualität wie eine Kriegerin mit körperlicher Gewalt, aber schmolz beim Anblick eines Babys in Zärtlichkeit dahin. Bei all dem, ging sie ihren eigenen Weg.

Artemis, die Tochter des Zeus und Leto (Zeus hatte insgesamt 36 Frauen), hatte viel mit ihrer Halbschwester Athena gemeinsam. Ebenso wie Athena hatte sie bereits als Kleinkind die Jungfräulichkeit verehrt. Als sie sich auf dem Knie ihres Vaters Zeus wiegte, durchdrang ihn eine Welle der Zuneigung und spontan fragte er sie, welche Geschenke er ihr machen sollte. "Schenk' mir meine Jungfräulichkeit für immer," antwortete sie augenblicklich.

  • Und gib mir Pfeil und Bogen und eine Tunika26 mit einer bestickten Zierleiste, die bis zu den Knien reicht, so dass ich damit wilde Tiere töten kann. Und gib mir sechzig Töchter des Okeanos27 für meinen Chor, alle neun Jahre alt, alle jungfräulich, aber ungegürtet; und gib mir zwanzig Nymphen28 des Amnisus29 als Dienerinnen, die meine Stiefel gut pflegen, und, wenn ich nicht mehr auf Luchs und Hirsch schieße, mich rasch begrenzen. Und lass mich alle Berge zählen... denn selten geht Artemis hinunter in die Stadt.

26Die Tunika bestand ursprünglich aus zwei rechteckigen Stoffstücken, von denen das hintere etwas länger war als das vordere, und wurde nur auf den Schultern zusammengehalten. Beliebter war die an der Schultern und an den Seiten zusammengenähte Tunika. Sie war aus weißer Wolle gefertigt und anfangs ohne Ärmel. Später wurden kurze, nicht bis an die Ellbogen reichende Ärmel üblich. Sie wurde über den Hüften durch einen Gürtel zusammengehalten und reichte bei Männern bis unter die Knie herab, bei Frauen bis zu den Knöcheln.

27Okeanos ist der griechische Meeresgott. Mit seiner Schwester und Gattin Tethys zeugte er die Flussgötter, Meeres- und Quellnymphen, die Okeaniden, von denen die Gewässer abstammen. Später trennten sich die beiden. Hätten sie dies nicht getan, würden sie noch immer Quellen und Flüsse zeugen, so dass die Welt aus den Fugen geriete.

28In der griechischen Mythologie sind Nymphen weibliche Gottheiten niederen Ranges, welche als Personifikation von Naturkräften überall auftreten und teils als Begleiterinnen höherer männlicher und weiblicher Gottheiten, teils als selbständig wirkend gedacht wurden. Auffällig ist hierbei der Reiz und die überwältigende Schönheit, die von ihnen ausgeht. Sie sollen sich mit jedem eingelassen haben, der ihren Weg kreuzte.

29Amnisus (Amnisos) ist der Flussgott der Insel Kreta in der griechischen Ägäis.  

--Last edited by yogi on 2008-01-29 15:32:37 --

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  Posted 30/01/2008 12:24:56 AM
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Athena, Artemis und Hestia IV

Fast wie ein nachträglicher ironischer Einfall, fügte Artemis hinzu, dass ausgerechnet Frauen in den Wehen sie ständig anrufen würden, da sie als Schutzgöttin der Geburt für die Geburtswehen der Frauen verantwortlich gemacht wird. Artemis Denken und Wünschen entsprang nicht der Laune eines Kindes. Von Beginn an war sie ebenso unabhängig und selbstbewusst wie Athene. Das Leben, für das sie sich entschieden hatte, war streng jungfräulich. Der erste Anhaltspunkt hierfür war ihre Nachfrage nach vielen unschuldigen Mädchen als Begleiterinnen. Im Gegensatz zu Athene war Artemis eine wachsame und vorsichtige Jungfrau und sie verlangte von ihren Anhängerinnen das Zölibat. Atemis inspirierte auch die Amazonen30, die sowohl Athena als auch Artemis verehrten und ihnen glichen, da sie Bogenschützinnen waren und männliche Gesellschaft verachteten.

30Amazonen im engeren Sinne ist der Name, den die Griechen einem in den Mythen matriachalisch (frauenzentriert = Frauenherrschaft) organisierten, angeblich in Anatolien und am Ostufer des Schwarzen Meeres (Kaukasus) lebenden Volk gaben.

Atemis war unbarmherzig gegenüber den Männern. Sie war nicht imstande, ihre starren Regeln für die Männer anzupassen. Das beste Beispiel dafür ist ihre Vernichtung Orion's (Orion ist der griechischen Mytologie ein Jäger) für eine versuchte Vergewaltigung. (Das Schicksal des tragischen Hippolytus, dem Sohn der Amazone Hippolyte, die in Euripides' Tragödie "Hippolytus" verewigt ist, wird weiter unten beschrieben.31) Als der Riese Tityus versuchte, seine Mutter zu vergewaltigen, verschworen sich Artemis und ihr Zwillingsbruder Apollo, um ihn zu ermorden. Artemis kannte auch gegenüber den Frauen kein Mitgefühl. Als ihre Lieblingsjungfrau Callisto in der Schwangerschaft einen dicken Bauch bekam, nachdem Zeus sie verführt hatte, verwandelte Artemis sie in eine Bärin und setzte eine Meute Hunde auf sie an. Nur durch Zeus' Eingreifen gelangte Callisto in den Himmel. Dadurch vereitelte Zeus Artemis Pläne des blutigen Tods der einst jungfräulichen Callisto.

31Hippolytus ist in der antiken Mythologie ein Sohn des Theseus und der Amazone Hippolyte. Seine Stiefmutter Phaidra (die Ehefrau des Theseus) versuchte erfolglos, Hippolytus zu verführen. Als dies nicht gelang, verleumdete sie ihn bei ihrem Ehemann. Theseus verfluchte daraufhin seinen Sohn bei Neptun, der dafür sorgte, dass Hippolytus einen tödlichen Unfall erlitt. Aus Kummer über Hippolytus Tod nahm sich Phaidra das Leben. Aesculap aber erweckte den um seiner Keuschheit willen Ermordeten Hippolytus vom Tode.

Artemis' Beziehungen zu Frauen konzentrierten sich primär auf ihren Lebenszyklus der Menstruation, auf den Verlust der Jungfräulichkeit, auf die Geburt eines Kindes und auf den Tod. Alle beinhalten Schmerzen und Blutungen. Dies ist der Preis, den Artemis den Frauen zwang zu bezahlen, wenn sie die Jungfräulichkeit aufgaben. Als Schutzpatronin der Geburt, forderte sie noch mehr, nämlich den großen Schmerz der Geburtswehen. Artemis' andere Hauptbeschäftigung, als Göttin der Jagd, war es, die Wälder und Berge nach wilden Tieren zu durchstreifen, um die Gesellschaft der Männer zu vermeiden. Wenn sie jedoch Jäger traf, dann verbündete sie sich mit ihnen gegen die Tiere. Ihre Schönheit, Unerreichbarkeit und ihr geheimnisvolles Wesen bewirkten, dass der Fluss(gott) Alpheios sich in sie verliebte und ihr durch Griechenland folgt. Alphaios beschloss, sie während eines nächtlichen Festes zu überraschen, das Artemis mit ihren Gespielinnen in der Gegend feiern wollte. Die Göttin jedoch, die von seinen Absichten erfahren hatte, traf ihre Vorkehrungen. Sie selbst und all ihre Freundinnen, die zu dem Fest kamen, hatten sich das Gesicht mit einer dicken Lehmschicht bedeckt, so das Alpheios nicht herausfinden konnte, welches der Mädchen denn nun Artemis war und unverrichteter Dinge wieder von dannen zog.  

--Last edited by yogi on 2008-01-31 08:40:32 --

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  Posted 31/01/2008 08:43:58 AM
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Athena, Artemis und Hestia V

Ein noch größeres Schicksal widerfuhr einem jungen Mann namens Aktaion, der sich gegen einen Felsen lehnte und dabei bemerkte, wie Artemis in einem nahen Strom badete. Wäre er geflohen, bevor sie ihn bemerkte, dann würde er vielleicht noch leben. Artemis aber war so wütend darüber, dass er vielleicht mit dem Anblick ihrer Nacktheit prahlen würde, dass sie ihn in einen Hirsch verwandelte. Seine eigenen Hunde rissen ihn augenblicklich auseinander und verzehrten ihn. Im Gegensatz zu der geselligen Athene, bevorzugte Artemis die Einsamkeit. Sie war allerdings immer von einer Vielzahl von Nymphen umgeben. Sie hatte antagonistische (der Antagonist ist ein Widersacher oder Gegner) Beziehungen mit jungen Frauen als auch Männern, was ihre Stiefmutter Hera zu dem Spott veranlasste: "Zeus hat dich zu einem Löwen unter den Frauen gemacht und dir die Erlaubnis gegeben, sie zu deinem Vergnügen zu töten." Sie zwang Agamemnon, den König von Mykene, seine erstgeborene Tochter, Iphigenie, zu opfern, um einen günstigen Wind für die Weiterfahrt32 seiner Flotte im Krieg gegen Troja zu bekommen. Mit ihrem Zwillingsbruder Apollo tötete sie alle zwölf Kinder der sterblichen Niobe, die geprahlt hatte, dass sie mehr Kinder als Artemis' Mutter Leto hätte.

32Artemis bestrafte Agamemnon, weil er einen Hirsch in ihrem heiligen Hain (kleiner Wald) getötet und sich gerühmt hatte, er sei, verglichen mit der Göttin, der bessere Jäger: Dafür verhinderte Artemis zu Beginn des Trojanischen Krieges die Weiterfahrt der griechischen Flotte unter Agamemnons Kommando nach Troja, indem sie bei Aulis (antike griechische Hafenstadt) eine Windstille bewirkte. Der Seher Kalchas weissagte, dass Agamemnon seine Tochter Iphigenie der Göttin zur Sühne opfern müsse, um seine Fahrt fortsetzen zu können.

Artemis schrille Keuschheit, ihre hauptsächliche Beschäftigung mit der Jagd, ihr wütender Stolz und die Brutalität ihrer Rache, ließ sie so unabhängig und eigenwillig wie Athene erscheinen. Sie galt als unerbittlicher Gottheit, die seit der Kindheit über weibliche Schwächen die Schultern zuckte. Ihre Jungfräulichkeit war ebenso heftig wie ihr Zorn und verwandelten Zeus' kleines Mädchen in eine überragende Göttin, mit einem Mangel an weiblichen Qualitäten.

Die einzige keusche Göttin, die ein Vorbild für die weiblichen griechischen Werte ist, ist Zeus' Schwester Hestia. Wie die guten griechischen Frauen blieb Hestia zu Hause. Sie kümmerte sich als Göttin des Herdfeuers um die Herd- und Opferfeuer auf dem Olymp33. Ihr Leben war Routine. Es gab keine Aufregung, keine Kriege, keine Konflikte oder Abenteuer. Aber sie wurde in ganz Griechenland als Göttin der familiären Feuerstellen verehrt.

33Der Olymp ist das höchste Gebirge Griechenlands. In der griechischen Mythologie ist der Olymp der Berg der Götter. Der Olymp galt als Wohnstätte der Götter, als göttlicher Palast, wo man zu Beratung und Schmaus zusammenzukommen pflegte und in dem es genau zwölf Wohnungen für die zwölf olympischen Götter gibt. Sie entsprechen den zwölf Monaten und den zwölf Tierkreiszeichen. Diese zwölf Götter sind: Zeus, Hera, Poseidon, Demeter, Hermes, Athena, Ares, Aphrodite, Apollon, Artemis, Hephaistos und Hestia.

Hestias einzige Abweichung von der eintönigen Vorhersagbarkeit war die Ablehnung der Bewerber wie Poseidon and Apollo. Homer erzählt ihre Geschichte liebevoll: Hestia war nicht bereit, zu heiraten. Sie hatte beim Haupte ihres Bruders Zeus geschworen, für immer Jungfrau zu bleiben, was sich auch erfüllte. Zeus gab ihr statt der Ehe eine große Ehre, indem er ihr einen Platz in der Mitte des Hauses zuwies, der ihr viel Macht verlieh.

In allen Tempeln der Götter hat sie einen Ehrenplatz und unter den Menschen nimmt sie den ersten Platz unter den Göttinnen ein. Ironischerweise wurde Hestia die Göttin des Familienlebens und damit auch für die Werte, die für die Gründung der Familie stehen: die Zeugung der Nachkommenschaft.

Athene, Artemis und Hestia sind eine enorm beeindruckendes Trio, deren Jungfräulichkeit ihnen eine Freiheit erlaubt, der für Unkeusche undenkbar ist. Athena und Artemis wagten sich in die männlichen Domänen des Krieges und der Jagd und mit ihrer großen physischen Stärke, die durch Waffen, Geschick, Entschlossenheit und Mut unterstützt wurden, beherrschten sie ihre Welten. Athena überwachte die Städte, Artemis die Landschaften und Hestia das Familienleben.

Die Parallelen und Unterschiede zwischen den Göttinnen und den realen griechischen Frauen sind offensichtlich. Die Jungfräulichkeit wurde von grundlegender Bedeutung für die Braut, wenn auch nicht für den Bräutigam. Aber ein lebenslanges Zölibat wurde selten als eine gute Sache angesehen. Hestia's Junggesellinnentum war sehr faszinierend. Die Griechen verstanden es aber wahrscheinlich nicht als eine Herausforderung an die traditionelle Frauenrolle, sondern als eine Notwendigkeit, um die Stabilität der Welt und der Götter zu erhalten. Verheiratete Frauen wurden immer mit dem Herd des Ehemannes in Verbindung gebracht. Darum bestand für Hestia die einzige Möglichkeit, zu Hause und auf dem Olymp zu bleiben darin, auf eine Ehe zu verzichten.

Athene und Artemis zahlten den Preis ihrer Sexualität, für das enorme Privileg, ein männliches Leben führen zu dürfen. Sie verzichtete auf Ehe und Mutterschaft, das einzig akzeptable Leben menschlicher Frauen. Sie leisteten außerdem entschlossen Widerstand gegen Vergewaltigungen, ein häufig anzutreffendes Schicksal der Frauen, die von männlichen Göttern geliebt wurden.

Reale Frauen bewunderten die Göttinen wegen ihrer Freiheit von sexueller Leidenschaft und vor allem wegen der Freiheit von den Männern. Es inspirierte sie, machte die Göttinnen zu vertrauenswürdigen Geschöpfen, die sie bewunderten und verehrten. Das Zölibat brachte den realen Frauen aber keine Belohnung, außer der harten Arbeit und der höhnischen Kommentare der Brüder oder Väter, die sie verpflegen mussten. Hatten die Frauen jedoch irgendwelche Illusionen, Athena oder Artemis nachzuahmen, dann gab der "weise" Sokrates den Rat: "Mache sie zu deiner Sklavin." Die Hoffnungslosigkeit ihrer eigenen Situation muss die überwältigende Freiheit der Göttinnen jedoch vielen Frauen als sehr begehrenswert erschienen sein. Für reale Frauen aber blieb die Lektion, dass Jungfräulichkeit der Unabhängigkeit entspricht, eine Angelegenheit, die nur die Göttinnen betraf.  

--Last edited by yogi on 2008-01-31 13:11:52 --

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  Posted 01/02/2008 02:18:54 PM
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Mystische Jungfrauen

Die griechische Mythologie zeigt eine Faszination für Jungfrauen, manchmal in Verbindung mit Gottheiten, manchmal mit anderen Sterblichen. Hierzu gehören Jägerinnen, flüchtige Jungfrauen, vergewaltigte Jungfrauen, Prophetinnen, Priesterinnen, geopferte Jungfrauen und sogar drei männliche Jungfrauen. Die meisten dieser Geschichten beschäftigten sich mit den Versuchen der Aufrechterhaltung der Keuschheit gegen die falschen Intrigen der libidinösen Götter, die den hübschen, verführerischen und unwilligen Jungfrauen erlegen sind.

Die Geschichte der jungfräulichen Jägerin Atalanta's ist dabei die spektakulärste. Nach der Geburt wird Atalante vom enttäuschten Vater, Iasos, der sich einen männlichen Erben gewünscht hat, ausgesetzt. Artemis schickt ihr eine Bärin zu Hilfe, die das Kind säugt. Dann wächst Atalanta bei Jägern auf. Es ist daher nicht überraschend, dass Atalanta wie ein jungenhaftes Mädchen aufwuchs. Sie war eine Jägerin, eine ausgezeichnete Schützin und eine Athletin, die routinemäßig über männliche Konkurrenten triumphierte, sogar im Ringen. Sie war eine schöne Jungfrau und ebenso keusch wie Artemis. Einst erschoss sie zwei Zentauren34, die versucht hatten, sie zu vergewaltigen.

34Zentauren sind in der griechischen Mytologie betont männliche und lüsterne Pferdemenschen. Meistens werden diese Chimären (Mischwesen aus Mensch und Tier) mit dem Kopf und den Schultern eines Mannes und dem Körper und den Beinen eines Pferdes dargestellt.

Atalanta's Ruhm verbreitete sich bis zu ihrem Vater Iasos. Der war jetzt stolz auf die Leistungen Atalanta's, erkannte sie als seine Tochter an und beschloss, sie zu verheiraten. Atalante, die immerwährende Jungfräulichkeit geschworen hat, stellt die Bedingung, der zukünftige Gatte müsse sie im Wettlauf besiegen. Sie würde den ersten, der sie besiegte heiraten und alle Verlierer töten. Atalanta war so schön, dass viele junge Männer gegen sie antraten. Aber natürlich verloren sie alle, obwohl sie allesamt nackt waren, während Atalanta durch ihre Kleidung und manchmal durch ihre Waffen behindert war.

Ein gerissener junger Mann, Melanion, aber machte gemeinsame Sache mit Aphrodite um Atalanta zu überlisten, weil er sie im Wettlauf nicht überholen konnte. Als sie zusammen liefen, ließ er drei goldene Äpfel als Geschenk für Atalanta zu Boden fallen. Atalanta bückte sich, um die Äpfel aufzuheben. So konnte Melanion den Wettlauf für sich entscheiden. Das war das Ende der Jungfrau Atalanta, die unverzüglich verheiratet und entjungfert wurde. Der neuvermählte Bräutigam war so verliebt, dass er Atalanta in einem Tempel liebte und dabei Aphrodite schändete. Aprodite war darüber sehr wütend und verwandelte das junge Paar in Löwen. (Es gibt auch andere Versionen, wie es Atalanta nach dem verlorenen Wettlauf erging.)

Die Bergnymphe Daphne, war ebenfalls, wie die Göttin Artemis und Diana, eine jungfräuliche Jägerin. Sie hielt ihre Jungfräulichkeit für einem hohen Preis aufrecht. Daphne liebte die Jagd tief im Wald. Dabei trug sie um die Stirn ein Haarband, um ihr wallendes Haar zu bändigen. Als ihr Vater sie bat, zu heiraten und ihm Enkelkinder zu schenken, flehte sie ihn an: "Erlaube mir, lieber Vater, für immer eine Jungfrau zu sein". Dennoch verliebte sich der Königssohn Leukippos in sie. Er verkleidete sich in Mädchenkleidung, um sich bei Daphnes Bergfest in ihre Gesellschaft einzuschleichen. Aber Apollo, der Gott des Lichts, des Frühlings, der sittlichen Reinheit und Mäßigung sowie der Weissagung und Künste, fühlte sich ebenfalls zu Daphne hingezogen. Er war eifersüchtig und da ihm die Gabe der Prophezeihung gegeben war, wusste er, dass sich Leukippos unter die Bergnymphen geschlichen hatte. Darum riet er den Nymphen, nachts zu baden, damit sie auch sicher gingen, dass jeder in ihrer Gesellschaft eine Frau sei. Da Leukippos sich weigerte, seine Kleidung abzulegen, entkleideten ihn die Nymphen. Als Daphne seine Genitalien sah, tötete sie ihn.

In einem anderen Daphne-Mythos wetteifern Apollo und Eros, der Liebesgott, um Daphnes Aufmerksamkeit. Als Apollo Eros verspottete, rächte sich dieser, indem er einen goldenen Liebespfeil auf Apollo und einen bleiernen auf Daphne abschoß. Apollo verliebte sich unsterblich in Daphne, während diese für Apollo's Liebschaft unempfänglich wurde. "Sieh' an, wer dich liebt", bedrängte Apollo die geliebte Daphne. "Ich bin kein Bergbauer und kein ungehobelter Schafhirte, der die Herde bewacht". Ungerührt entfloh Daphne seinen unnachgiebigen Nachstellungen. Ihre Kleidung, die sich normalerweise an ihrem Körper schmiegte und ihr Haar, flatterten dabei hinter ihr her. Apollo aber folgte ihr, so dass sie seinen Atem in ihrem Nacken spürte.

"Hilf mir", flehte sie ihren Vater, den Flussgott Peneisos, an. "Verändere mich und zerstöre meine Schönheit, die mich so begehrenswert macht". Sofort wurde ihr der Wunsch erfüllt. Ihre Glieder verhärteten und Baumrinde bedeckte ihre Brüste, die Haare verwandelten sich in Blätter und ihr reizendes Gesicht wurde zur Krone eines Lorbeerbaums. Sie verlor ihre Menschlichkeit, aber ihre Jungfräulichkeit blieb für immer erhalten.

Nemesis' (Nemesis ist die Rachegöttin.) Flucht vor ihrem Bewunderer Zeus enthält mehrere Metamorphosen (Verwandlungen). Sie sprang ins Wasser und wurde zum Fisch. Zeus folgte ihr als Biber. Sie sprang ans Ufer und verwandelte sich in ein wildes Tier. Aber Apollo verwandelte sich in ein schnelleres Tier. Dann stieg Nemesis als Wildgans in den Himmel auf. Apollo aber bestieg sie als Schwan. Dadurch ging ihre Jungfräulichkeit verloren. Aus dem Ei, welches sie legte, schlüpfte die Vegetationsgöttin Helena.

Die griechischen Götter waren sehr lüstern und viele der Vergewaltigungen, die sie begangen, geschah durch listige Verwandlung. Zeus verwandelte sich in einen Stier, um die Tochter des phönizischen35 Königs, Europa, weit hinaus auf das Meer zu tragen. Dann verwandelte er sich in einen Adler und entjungferte sie. Apollo tat dasselbe, um Dryope, die Tochter des Königs Eurytos, zu verführen. Zuerst verwandelte er sich in eine Schildkröte, mit der sie spielte, dann in eine Schlange, die sie vergewaltigte. Poseidon, der Gott des Meeres, setzte noch einen drauf. Die Königstochter Alkidike liebte den Flussgott Enipeus. Poseidon nahm die Gestalt des Enipeus an, täuschte sie so und zeugte mit ihr die Zwillinge Pelias und Neleus.

35Die Phönizier waren ein semitisches (jüdisches) Volk der Antike und lebten hauptsächlich im Bereich des jetzigen Libanons und Syriens an der Mittelmeerküste.

Eine der drei männlichen mystischen Jungfrauen (der männliche Gegenbegriff zur Jungfrau ist der Jüngling) war Narziss, der schöne Sohn des Flussgottes Kephisos. Er war so attraktiv, dass sowohl Männer als auch Frauen nach ihm lüsteten. Narziss aber verschmähte sie alle. Der Sage nach wies der vielfach Umworbene auch die Liebe der Nymphe Echo zurück. Deshalb appelierte die verbitterte Nymphe an Nemisis, nach anderen Quellen an Aphrodite, Narziss dergestalt zu bestrafen, sich in sein eigenes, im Wasser gespiegeltes Abbild, zu verlieben. Eines Tages setzte er sich an den See, um sich seines Spiegelbildes zu erfreuen, woraufhin durch göttliche Fügung ein Blatt ins Wasser fiel. Durch die erzeugten Wellen wurde sein Spiegelbild getrübt. Schockiert von der vermeintlichen Erkenntnis, er sei hässlich, starb er. Nach seinem Tode wurde er in eine Narzisse verwandelt.

Die Mythen sind wegen ihrer Seifenopern, wegen ihres Einfallsreichtums, ihrer verdrehten Verschwörungen und endlosen Wiederholungen des gleichen Themas, bemerkenswert. Und sie enden, wegen der sexuellen Anziehungskraft eines Gottes zu einer Jungfrau und wegen der Abwehr seines Annäherungsversuchs durch das jungfräuliche Gelöbnis, fast immer mit einer Niederlage für die Jungfrau. Dies sind keine erhebenden Geschichten, sondern vielmehr eine verwirrte Aufzeichnung der göttlichen und menschlichen Interaktion im Reich der Sinne. Die Götter waren dabei die letzten, die Wert auf die Keuschheit legten. Sie jagden die Jungfrauen, in der Hoffnung, sie zu verführen. Die Jungfrauen kämpften tapfer, aber in der Regel erfolglos. Darum ist dieses Kapitel der Mythologie mit gefallenen Jungfrauen übersät, die der göttlichen Taktik und den göttlichen Waffen unterlagen.  

--Last edited by yogi on 2008-02-01 20:37:54 --

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Sexualität und Spiritualität
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