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forum Forum index forumBrahmacharya - Enthaltsamkeit - Zölibat forumDie Geschichte des Zölibats

Author : Topic: Die Geschichte des Zölibats  Bottom
 yogi
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 yogi
  Posted 19/06/2008 02:58:00 PM
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Maria Ward 1

Maria Ward (1585 - 1645), geboren in York war eine englische Nonne und katholische Ordensstifterin. Sie gründete 1609 das "Institut der Englichen Fräulein" in Flandern (Flandern ist die niederländisch sprechende Region in Belgien. Als Wallonen bezeichnen sich die französischsprachigen Bewohner der belgischen Region Wallonie.) und wurde zur Wegbereiterin einer besseren Bildung für Mädchen. Zahlreiche Schulen tragen noch heute ihren Namen.

Als Tochter eines Landedelmannes (eine Verschmelzung des niederen Adels mit der schmalen Schicht wohlhabender bürgerlicher Landbesitzer) wuchs Maria Ward in elisabethanischen England zur Zeit der Katholikenverfolgung auf. 1587 ließ Königin Elisabeth I. von England ihre schottische Kusine, die katholische Maria Stuart hinrichten, durch die sie ihre Herrschaft bedroht sah. In ihrer Regierungszeit wurden auch zahlreiche katholische Priester hingerichtet und die Teilnahme an der Messe unter Strafe gestellt. Viele englische Katholiken, darunter die Familie Ward, übten ihren Glauben im Untergrund aus. Maria Ward erlebte, wie drei Verwandte wegen ihres Glaubens hingerichtet, andere inhaftiert und gefoltert wurden. Ihre Großmutter, bei der sie längere Zeit lebte, musste 14 Jahre im Kerker verbringen. 1601 kam Maria zu ihren Verwandten, den Babthorpes, wo der Wunsch nach dem Klosterleben in ihr geweckt wird. So lehnte sie die Heirat mit Edward Neville, der großen Hoffnung der katholischen Partei, ab.

Mittlerweile war 1603, nach dem Tod Königin Elisabeths, der schottische König Jakob auf den englischen Thron gelangt. Der Sohn Maria Stuarts war protestantisch erzogen worden und enttäuschte die Hoffnungen englischer Katholiken auf eine Lockerung der gegen ihre Konfession gerichteten Gesetzgebung. So kam es 1605 zur sogenannten Pulververschwörung in der eine Gruppe fanatischer Katholiken unter der Führung von Guy Fawkes den König, seine Familie und das gesamte Parlament in die Luft sprengen wollten. Nach der Aufdeckung ihrer Pläne wurden alle Katholiken zu einem antipäpstlichen Treueeid gezwungen und von allen Staatsämtern ausgeschlossen.

1606, trat Maria Ward, mit 21 Jahren, in Flandern in das Klarissenkloster St. Omer ein. Sie wurde als Laienschwester zum Almosensammeln ausgesandt, hatte sich aber anderes vorgestellt. Nach Wochen ermöglichte ihr ein Geistlicher den Austritt. Von ihrem Vermögen stiftete sie in Flandern ein eigenes Frauenkloster nur für Engländerinnen, in dem die Ordensregel in ganzer Strenge angewandt wurde. Nach einiger Zeit kam sie zu der Erkenntnis, dass dies nicht ihr Weg sei. Sie verließ das Kloster, ging nach England zurück und vermittelte unter Lebensgefahr illegale Kontakte zwischen Katholiken und Priestern ihres Glaubens. Dafür wurde sie einmal zum Tode verurteilt, kam aber wieder frei.

Eine Gruppe von Mädchen schloss sich Maria Ward an. Gemeinsam gingen sie wieder nach Flandern und nahmen katholische englische Mädchen als ihre Schülerinnen mit. Dort gründete sie 1609 den Orden "Institutum Beatae Mariae Virginis" (IBMV = Institut der Seligen Jungfrau Maria). Gemeinhin wurde der Orden jedoch als "Englische Fräulein" bezeichnet. Mary Ward, die in prophetischer Begabung erkannt hatte, dass gesellschaftliche Entwicklungen in erster Linie durch die damals noch wenig übliche Bildung von Frauen möglich wurden, wollte für ihre Gemeinschaften weder ein klösterliches Leben noch eine Ordenstracht, sondern apostolischen Dienst und öffentliches Wirken. Ihre Spiritualität war durch Ignatius von Loyola und sein Exerzitienbuch zutiefst geprägt. Es gelang ihr zu Lebzeiten nur in wenigen Schritten, ihre Pläne umzusetzen. Die neue Form des Ordens, Frauen ohne Klausur (Die Klausur, von spätlateinisch clausura = Verschluss, ist ein Bereich, den das Ordensmitglied nur mit vorheriger Erlaubnis seines Oberen verlassen darf.) im apostolischen Dienst, erregte auch unter Katholiken Ärgernis, da seine Mitglieder sich in ihrem Institut wie Ordensschwestern verhielten, sich aber gleichzeitig frei in der Stadt bewegten.

Maria übernahm die Ordensregel der Jesuiten. Um ihre Ordensregeln bestätigen zu lassen, ging Maria Ward nach Rom, wo die Schwestern ebenfalls Mädchen unterrichteten. Weil sie aber im Interesse der Seelsorge die Klausur verweigerte, musste sie Rom wieder verlassen und zog zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges nach Deutschland. 1631 löste Paost Urban VIII. das Institut auf; Maria Ward selbst wurde als Ketzerin neun Wochen inhaftiert. Das römische Inquisitionsgericht endete zwar mit ihrer Rechtfertigung, aber ihr Orden blieb aufgehoben. 1639 reiste sie ein letztes Mal in ihre englische Heimat, wo immer noch Katholiken verfolgt wurden. Sie starb 1645 in York.

Die Anerkennung des Ordens der Englischen Fräulein durch den Papst erfolgte erst 1703, mehr als 50 Jahre nach dem Tod seiner Gründerin. 1877 erhielt das Institutum Beatae Mariae Virginis (IBMV) die päpstliche Anerkennung, 1909 erteilte Papst Pius X. die Erlaubnis, Maria Ward als Stifterin des Institutes zu bezeichnen. Erst 1978 übernahm es die Konstitutionen des Ignatius von Loyola, angepasst an die Bedürfnisse eines Frauenordens. Dafür hatte Maria Ward zeitlebens gekämpft. Heute wirken Maria-Ward-Schwestern weltweit in drei verschiedenen, einem römischen, einem irischen und einem nordamerikanischer Zweig. Der irische und der nordamerikanische Zweig haben sich unter dem Namen Loreto-Schwestern wieder vereinigt. In Mitteleuropa ist hauptsächlich der römische Zweig verbreitet.

Seit dem 30. Januar 2004 nennt sich der römische Zweig des Ordens offiziell Congregatio Jesu (CJ). Maria Ward hatte immer gewollt, dass die von ihr gegründete Gemeinschaft den Namen Jesu tragen sollte. Der Name verdeutlicht, dass es sich bei der Congregatio Jesu um den weiblichen Zweig der Societas Jesu, des Jesuitenordens handelt, so wie es Mary Ward immer intendiert hatte. Das Leben der Mitglieder der Congregatio Jesu basiert auf den Exerzitien des Ignatius von Loyola. Die Teilhabe an der Sendung Jesu mitten in die Welt und zu den Menschen, die Hingabe des Lebens für jene, die Hilfe brauchen, der "Dienst für die Seelen", wie es Ignatius nennt und die Verherrlichung Gottes sind die Anliegen der Gemeinschaft. Es geht um die Verfügbarkeit für die Nöte der Zeit und die Anliegen der Weltkirche. Das internationale Institut erwartet deshalb von seinen Mitgliedern die Bereitschaft, überall dort hin zu gehen, wo sich konkrete Aufgaben stellen.

Quelle: Maria Ward  

--Last edited by yogi on 2008-06-19 15:09:20 --

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 yogi
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 yogi
  Posted 20/06/2008 04:38:37 PM
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Maria Ward 2

Die Kirche war nicht so nachsichtig mit Maria Ward (1585 - 1645), einer adligen englischen Klarissennonne197 und einer gebildeten und visionären Erzieherin. 1609 gründete Maria, nach dem Vorbild des englischen Jesuiten Kolleg St. Omer, ein europäisches Netzwerk von Schulen. Alle Lehrer dieser Schule waren Laienfrauen, Mitglieder des Instituts der "Seligen Jungfrau Maria", gemeinhin wurde der Orden jedoch als "Englische Fräulein" bezeichnet. Das Institut etablierte sich in mehreren europäischen Städten. 1631 waren es bereits 300 Institute. Einige dieser Schulen hatten Hunderte von Schülern und mehrere dieser Schulen erlaubten armen Kindern den kostenlosen Schulbesuch.

197Der Klarissenorden wurde um 1212 von der heiligen Klara von Assisi (1193 -  1253), zusammen mit Franz von Assisi, vor den Toren Assisis in Italien gegründet.

"Es scheint, dass die Frauen mehr unternehmen können und sollten als üblich", schrieb Maria. "Wir wünschen uns, entsprechend unseren Möglichkeiten, die Aufgaben der christlichen Nächstenliebe zu übernehmen, die von den Klöstern nicht übernommen werden können."

Mädchen ebenso wie Jungen lernten Religion, Latein, Griechisch, Französich, lokale Sprachen und Mathematik. Mädchen lernten Gobelinstickerei (Handarbeit) und Musik und mit den Jungen zusammen übten sie dramatische Schauspiele in lateinischer Sprache. Im Lehrplan spiegelten sich Marias Ansichten über Frauen wieder. Obwohl sie den Männern Sachkenntnis in den Rubriken Familie und Kirche zugestand, war sie davon überzeugt, dass Frauen in allen anderen Dinge ebenso gut sein konnten.

"Wo sind wir anderen Kreaturen gegenüber minderwertig, dass man uns als "nur Frauen" bezeichnet? Was denken die Menschen, wenn sie "nur Frauen" sagen? Denken sie, dass wir in allen Dingen den Männern unterlegen sind? Ich wage es kühn zu behaupten, dass dies eine Lüge ist."

Maria dachte, dass Frauen ebenso außerhalb eines Klosters keusch und religiös  leben, ihre eigene Äbtissin wählen, ihre Tätigkeiten in anständiger und bescheidener Kleidung ausführen könnten, anstatt in einer strengen Ordenstracht und dass es sinnvoll ist, nicht hinter Klostermauern, sondern mitten unter den hilfsbedürftigen Menschen zu arbeiten.

Dies war aus der Sicht der Kirche ein gefährlicher Standpunkt. Deshalb griff sie sowohl die herausfordernde Maria als auch das "Institut der seligen Jungfrau Maria" an. Papst Urban VIII. verbot 1631 durch eine Bulle die "Englischen Fräulein" und ihre Gründerin Maria Ward wurde unter dem Verdacht der Häresie neun Wochen inhaftiert. Papst Urban VIII. verfügte am 13. Januar 1631 in der Bulle „Pastoralis Romani Pontificis“ die Schließung sämtlicher Niederlassungen der „Englischen Fräulein“. Die etwa 300 lehrenden Schwestern wurden nach England zurückgeschickt.

Am 7. Februar 1631 wurde Maria Ward im Münchener Paradeiserhaus, wo sie seit 1626 lebte und 1627 eine Mädchenschule eröffnet hatte, von dem Dekan Dr. Jakob Golla (1568–1648) und zwei Begleitern im Namen der römischen Inquisition verhaftet und in eine Zelle des Klarissenklosters „Am Anger“ in München gebracht. Man bezichtigte Maria als Häretikerin, Schismatikerin und Rebellin gegen den Heiligen Stuhl. Die Inquisition hatte damals das Recht, die Folter anzuwenden. Auf eine Verurteilung folgte meistens der qualvolle Feuertod. Mitte März 1631 litt Maria Ward unter starken Kopfschmerzen und Lähmungserscheinungen, Ende März erhielt sie die heilige Kommunion und Anfang April die Krankensalbung, die zu jener Zeit erst in Todesgefahr gespendet wurde. Sie starb aber nicht, sondern durfte Mitte April 1631 ihr Gefängnis wieder verlassen und ins Paradeiserhaus zurückkehren, wo sie weiter eine Gefangene der Inquisition blieb.

Hier ein Auszug aus der päpstlichen Bulle von 1631:

"Es haben sich gewisse Damen unter dem Namen Jesuitinnen zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen, die, durch keine Klausurgesetze gebunden, nach Belieben herumwandern, Arbeiten ausführen, die dem Geschlecht und der geistigen Schwäche, der fraulichen Bescheidenheit und besonders der jungfräulichen Schamhaftigkeit nicht im geringsten angemessen sind. ... Um solch verwegenes Treiben in die Schranken zu weisen, haben wir angeordnet, dass sie bis in die Wurzeln auszureißen und zu vertilgen seien. Wir löschen sie aus, geben sie immerwährender Unterdrückung preis, beseitigen sie völlig aus der heiligen Kirche Gottes, vernichten sie und schaffen sie ab, und es ist unser Wille und unser Befehl, dass sie von allen Christgläubigen als unterdrückt, ausgelöscht, ausgerissen, zerstört und abgeschafft angesehen und gehalten werden."

Im Spätherbst 1631 unternahm Maria Ward auf Befehl der Inquisition ihre dritte Reise nach Rom, wo sie erst im Frühjahr 1632 eintraf, weil die Pest in Bologna sie wochenlang aufgehalten hatte. Papst Urban VIII. empfing sie bald danach bei einer Audienz als „seine verlorene Tochter". Wenige Monate später bescheinigte die Inquisitionsbehörde Maria und ihren Gefährtinnen die Rechtgläubigkeit. Nach einiger Zeit konnten Maria Wards Schwestern in Rom sogar Mädchen unterrichten und englische Exilanten betreuen.

Damals litt Maria immer öfter unter Nierenkoliken, gegen die es wenig Abhilfe gab. Im September 1637 verließ sie mit drei Begleiterinnen wieder Rom und hielt sich zunächst in London auf. Wegen des Bürgerkrieges wich sie 1643 in das Dorf Heworth in der Grafschaft York aus. Obwohl Maria Ward zu Lebzeiten die päpstliche Anerkennung ihres Stiftungswerkes versagt blieb, war sie keineswegs verbittert. Sie starb am 30. Januar 1645 im Alter von 60 Jahren in tiefen innerem Frieden in Heworth und wurde auf dem Friedhof von Osbaldwick bei Heworth zur letzten Ruhe gebettet. Ihre Gefährtinnen machten in England, München und Rom weiter.

Quelle: Ernst Probst: Superfrauen

1703, mehr als 50 Jahre nach dem Tod Maria Ward's, bestätigte Papst Klemens XI. die Regeln des Instituts. 1749 legte Papst Benedikt XIV. die rechtliche Existenz und Autorität der Generaloberin fest: „Lasset die Frauen durch Frauen regieren“. Er verbot jedoch, Maria Ward als die Stifterin des Instituts zu bezeichnen. Erst Papst Pius X. rehabilitierte Maria Ward 1909, ohne die Bulle von 1631 zu widerrufen und. erlaubte, die Gründerin bei ihrem Namen zu nennen. Papst Pius XI. leitete 1931 ihren Prozess zur Seligsprechung ein.

Die Bezeichnung "Maria Ward-Schwestern" kam in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts (1970) in Umlauf und war auch ein Bekenntnis der Ordensangehörigen zu ihrer lange Zeit diffamierten Gründerin. Nach einem langen Prozess beschloss die Generalkongregation der Schwestern 2002 die vollständige Übernahme der Ordensregeln des Heiligen Ignatius, ausgenommen die spezifischen Anweisungen für Priester. Vor einem Jahr (2004) wurde dies zusammen mit dem Namenswechsel auch vom Vatikan anerkannt. Seit dem 30. Januar 2004 nennt sich der römische Zweig des Ordens offiziell Congregatio Jesu (CJ).

Die Behandlung Maria Wards durch die Kirche war eine Lektion für alle zölibatären und frommen Frauen. Waren sie unabhängig, stark, weltoffen, ehrgeizig und visionär, dann waren sie verdächtig. Dies wurde durch das Schicksal der keuschen Beginen bestätigt. Ihre Motive wurden in Frage gestellt, ihre sozialen Leistungen missachtet, ihre Erfolge verachtet, ihre Gemeinschaften zerschlagen oder ins Kloster gesperrt. Ironischerweise produzierten gerade die Klöster die Konsequenzen, die die Kirche so fürchtete und die die unklösterlichen Schwestern so konsequent vermieden. Dies werden wir sehen, wenn wir das Schicksl der unwillig ins Kloster eingesperrten Frauen betrachten.  

--Last edited by yogi on 2008-06-20 16:45:14 --

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  Posted 21/06/2008 10:40:31 AM
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Die Bräute Christi

Nicht alle frommen Frauen, die ihr Leben der Keuschheit, der Spiritualität und dem Dienst an Gott und den Mitmenschen widmeten, waren für ein apostolisches Leben bei den Beginen und anderen Schwestern geeignet. Für einige hatte die Askese eine magische Anziehungskraft, weil sie zu Extremen führte und kombiniert mit dem Beweis der göttlichen Bevorzugung, konnte es zur Heiligkeit führen. Für manch eine religiöse und zölibatär lebende Frau, die besonders ehrgeizig war, hatte dieser spirituelle Weg unendlich mehr Anreiz, als der einer gefügigen Mutterschaft in einer folgsamen Ehe.

Einige entschlossene Frauen schwelgten geradezu in asketischen Marathonkämpfen. Sie fasteten bis zum Verhungern, demütigten ihren Körper, besiegten ihre Sinne und erdachten sich so abscheuliche Erniedrigungen, dass sie sicher sein konnten, dass einige sie kopieren würden. Keine Begine oder gewöhnliche Nonne würde im Traum daran denken, eitriges Krebsgeschwür zu trinken oder das Waschwasser von verfaulten Lepra-Gliedmaßen.

Das Erreichen der Heiligkeit war ein ernsthaftes Anliegen. Nur 3.276 Menschen, die von Beginn der Christenheit bis zum 15. Jahrhundert gelebt hatten, wurden heilig gesprochen. Zwischen 1350 und 1500 gab es nur 87 Heiligsprechungen. Zugunsten der Frauen verbesserte sich im gleichen Zeitraum das Mann-zu-Frau-Verhältnis bei der Heiligsprechung von fünf zu eins auf etwa zweieinhalb zu eins. von 1350 bis 1500, und diese Statistik ist am sachdienlichsten hier, überholten die Laienfrauen die Männer, obwohl eine größere Zahl kirchlicher Männer den männlichen Heiligen einen deutlichen Vorsprung vor den Ordensfrauen gab. Für angehende weibliche Heilige war diese Ära die vielversprechenste überhaupt.

Die Heiligsprechung war in diesem Zeitalter die große Herausforderung, die mit den Olympischen Spielen oder dem Nobelpreis der heutigen Zeit verglichen werden kann. Für Frauen, die sich gewöhnlich in der Arbeit oder in der Mutterschaft abschufteten, war das Ziel, die beste Praktizierende der Religion zu sein, sehr ansprechend, insbesondere für die hoch intelligente Perfektionistin und italienische Mystikerin Katharina von Siena (1347 - 1380), deren kurzes und pralles Leben ihr für alle Ewigkeit die Heiligkeit bescherte.  

--Last edited by yogi on 2008-06-21 10:47:27 --

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 yogi
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 yogi
  Posted 22/06/2008 11:55:50 AM
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Katharina von Siena 1

Katharina von Siena wurde am 25. März 1347 als Katharina Benincasa in der italienischen Toskana in der Stadt Siena geboren. Sie war das 24. Kind von insgesamt 25 Kindern des verarmten aber unternehmungslustigen Adeligen Giacomo di Benincasa und seiner Frau Lapa di Puccio di Piagente, die ihren Lebensunterhalt als Wollfärber verdienten. Sie war außerdem die Zwillingsschwester der kränkelnden Giovanna, die ihre Mutter Lapa einer Amme198 übergab, während sie die gesündere Katharina selber zu Hause stillte. Ihre Schwester Giovanna starb schon bald, während Katharina mit der Muttermilch gemästet wurde. Ein ganzes Jahr stillte ihre Mutter sie, länger als alle anderen Kinder, bis sich die Milchabsonderung einstellte.

198Im eigentlichen Sinn des Wortes wird jede Frau zur Amme, sobald sie stillt. Erst im übertragenen Sinn des Wortes gilt das Wort Amme für Frauen, die ein fremdes Kind gegen Bezahlung an die Brust legen.

1348, das Jahr in dem Katherina entwöhnt wurde, schlug die Beulenpest in vollem Umfang in Italien zu. Katherinas Familie wurde verschont, aber der Terror und die Panik die herrschten, beeinträchtigte jeden. Litt Katharina sehr darunter? Wahrscheinlich nicht, aber sie war immer sehr sensibel, weil ihre Mutter sie immer wieder daran erinnerte, dass sie ein besonderes Kind war, auserwählt zu leben, während ihre Schwester Giovanna gestorben sei. Bereits als Kind fastete sie wie ein frommes kleines Mädchen. Sie genoss ihre Kindheit, lachte und spielte oft draußen. Im Alter von fünf Jahren kniete sie sich auf der Treppe nieder und sagte ein Ave Maria auf jeder Treppenstufe, bis hinauf zu ihrem Schlafzimmer. Sie verehrte Euphrosyne199, eine legendäre Jungfrau, die der Ehe entkam, indem sie als Mann verkleidet in ein Kloster eintrat.

199Euphrosyne, Heilige und Jungfrau aus Alexandrien, † etwa 470 n.Chr.. Um der Vermählung zu entgehen, so berichtet die Legende, verließ Euphrosyne, die Tochter reicher und vornehmer Eltern aus Alexandrien, als Mann verkleidet, das Elternhaus, um, da es kein Nonnenkloster in der Gegend gab, in ein Mönchskloster in Alexandrien einzutreten. Dort stellte sie sich als der Eunuche Ismaragdos vor und lebte dort 38 Jahre als Mönch. Erst kurz vor ihrem Tod offenbarte die Heilige das Geheimnis ihrem Vater. Überzeugt von seiner Tochter, verbrachte der Vater die letzten 10 Jahre seines Lebens im selben Kloster, in der Zelle seiner Tochter.

Mit sechs oder sieben Jahren hatte Katherina Visionen von Jesus und anderen Heiligen. Jahrelang meditierte sie darüber, was das wohl zu bedeuten hatte. Sie und ihre Freunde gründeten eine Art Club, indem sie sich selbst mit verknoteten Seilen geißelten. Es war Katherinas Frömmigkeit, die sie zu diesem Treiben anstiftete. Aber in diesem zarten Alter nahmen ihre Eltern davon noch keine rechte Notiz.

Als Katharina ins jugendliche Alter kam, begann ihre Mutter sie auf die bevorstehende Weiblichkeit vorzubereiten. Sie schminkte ihr Gesicht, trug Makeup auf, lockte ihr die Haare und färbte sie blond. All dies geschah natürlich in Vorbereitung auf die unvermeidbar bevorstehende Heirat. Als Katharina 14 Jahre alt war, vergegenwärtigte sie eine visionäre Hochzeit mit Christus, eine glorreiche Zeremonie an der auch die Jungfrau Maria, Johannes der Evangelist, der Apostel Paulus, der heilige Dominikus (1170 - 1221), der Gründer des Dominikanerordens, und sogar König David (er lebte etwa 1000 v.Chr.), der zweite König Israels und Juda's (Juda war ein historisch verbürgtes antikes Königreich im Süden Israels.), teilnahmen. Sie alle sangen Psalmen zu dieser Hochzeit. Jesus trug seinen eigenen Ring und streifte ihr zärtlich einen mit Perlen und Diamanten besetzten Goldring über den Finger. "Von nun an sind wir unabänderlich miteinander verlobt, bis wir uns in einer glorreichen himmlischen Hochzeit ewig verbinden", sagte Jesus zu ihr. "Wenn du persönlichen Kontakt mit mir wünscht, dann ist es dir erlaubt, mich zu sehen und dich meiner zu erfreuen." Überwältigt von diesem Ereignis, schwor die vierzehnjährige Braut Christis ewige Jungfräulichkeit.

Mit fünfzehn Jahren war Katharinas Welt erschüttert. Ihre vergötterte ältere Schwester Bonaventura starb bei der Entbindung. Bald darauf starb auch ihre Schwester Giovanna, die nach ihrer toten Zwillingsschwester benannt wurde. Sie fühlte sich schuldig, denn wieder einmal durfte sie leben, während andere starben. Ihre religiöse Überzeugung wurde immer stärker. Dann begann sie mit der Askese, die mit 33 Jahren zu ihrem Tod führen sollte. Dies war auch das Alter, in dem Jesus starb. Sie fastete und aß nichts mehr außer Brot, rohem Gemüse und trank Wasser. Inzwischen konzentrierten sich ihre Eltern vollkommen auf sie, denn alle anderen Kinder waren gestorben. Weil Katharina die schwierige Situation der Familie erkannte, dachte sie darüber nach, zu heiraten, um der Familie in dieser schwierigen Zeit zu helfen. Gab es eine bessere Wahl als Bonaventura's Witwer ? (der Ehemann ihrer verstorbenen älteren Schwester Bonaventura)

Aber Katharina konnte ihrern Schwager, einen obszönen Korsen, nicht leiden und verabscheute die Idee einer Heirat. Trotzig berief sie sich auf das Versprechen der Jungfräulichkeit und auf ihre mystische Vermählung mit Christus. Wütende Kämpfe, die sie mit ihren Eltern führte, verstärkten nur ihre Entschlossenheit, der Hochzeit mit diesem unmoralischen Mann zu widerstehen. Sie fand einen Verbündeten, einen sympathischen Priester, der ihr Vorschlug, ihre Aufrichtigkeit Christus gegenüber zu prüfen, indem sie ihre langen blonden, gelockte Haare abschnitt. Begeistert ließ sie sich die Haare schneiden, so dass ihr unscheinbares Gesicht der schönen Haarpracht beraubt war.  

--Last edited by yogi on 2008-06-22 12:04:47 --

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 yogi
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 yogi
  Posted 23/06/2008 09:29:35 AM
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Katharina von Siena 2

Katharinas Familie wurde wütend. "Du gemeines Mädchen, du hast dir die Haare abgeschnitten. Warum möchtest du nicht das tun, was wir uns wünschen", fragte ihre Mutter. "Deine Haare werden wieder wachsen und selbst wenn dein Herz brechen sollte, wirst du einen Mann heiraten müssen." Die Familie nahm Katherina ihre Privilegien. Der gravierenste Verlust war ihr Schlafzimmer, welches ihr Stunden der Selbstgeißelung, nächtliche Mahnwachen, intensive Gebete und Meditationen erlaubten. Jetzt sollte sie sich das Schlafzimmer mit ihrem Bruder teilen, bis sie wieder zu Sinnen kam und sich an den Hausarbeiten beteiligte.

Katherina akzeptierte diese Entscheidungen gefasst und diente ihrer Familie, als ob es Christus' Entscheidung wäre. Sie stellte sich vor, ihre Eltern wären Maria und Joseph, die Eltern Jesus, und die lärmende Horde ihrer Brüder, die heiligen Apostel. Diese Sichtweise ermöglichte es ihr, ihre Hingabe weiterhin ungehindert fortzusetzen. Nach mehreren Monaten machte sie eine erstaunliche Ankündigung. "Ich werde niemals heiraten", sagte sie. "Ihr verschwendet nur eure Zeit, wenn ihr versucht, mich dazu zu zwingen. Ich werde mich eurem Wunsch nicht beugen. Ich möchte Gott gehorchen und nicht den Männern."

"Gott behütet dich, süße Tochter", äußerte sich schließlich ihr Vater Giacomo. "Tu, was du willst und wie der Heilige Geist dich leitet." Katherina zog wieder in ihr eigenes Schlafzimmer ein, wo sie sich einer noch strengeren Askese unterzog als jemals zuvor. Sie geißelte sich dreimal täglich. Jede Sitzung dauerte eineinhalb Stunden. Sie quälte sich mit einer eisernen Kette, die sie fest um ihre Hüfte gebunden hatte. Sie sprach nur, um zu beichten und schlief nur eine halbe Stunde jede zweite Nacht und das auf einem kurzen Holzbrett. Sie aß kein Brot mehr und hatte schon bald die Hälfte ihres Körpergewichts verloren.

"Tochter, ich sehe dich schon sterben", jammerte ihre Mutter Lapa. Ihre Angst um Katharinas Verschlechterung des Gesundheitszustandes führte sie nahezu in den Wahnsinn. "Ohne Zweifel wirst du dich selber töten. Wehe mir! Wer hat mich meiner Tochter beraubt?"

Aber Katharina hatte noch Jahre vor sich, bevor sie sich zu Tode hungerte und sie entschloss sich, diese Zeit als Schwester in dem dritten Orden der Dominikaner (einem dominikanischen Laienorden) zu verbringen. Die Mitglieder dieses Ordens gaben das Versprechen, die Gelübte vollwertiger Ordens-Brüder und -Schwestern abzulegen, aber sie lebten nicht in einem Kloster und nicht unter der strengen Leitung einer Klostergemeinschaft. Aber sie waren religiös und nicht weltlich und sie verzichteten bei ihrer Berufung auf jede Möglichkeit der Heirat.

Arme Lapa! Ihre Mutter schickte sie in der verzweifelten Hoffnung zu einem Kurort, dass das Heilwasser sie heilen würde. Stattdessen schlich sich die einfallsreiche Katharina in den verbotenen Teil des Pools und verbrühte sich selbst mit dem kochenden schwefelhaltigem Wasser, welches, verdünnt und gekühlt, alle anderen heilte.

Zurück in Siena, nörgelte Katharina mit ihrer Mutter, bis ihre Mutter schließlich zustimmte, dass Katharina endlich zu den Ordensschwestern gehen konnte. Zur Freude ihrer Mutter aber weigerten sich die Schwestern Katharina aufzunehmen. Eine zu junge Jungfrau auf dem Pfad der keuschen Rechtschaffenheit war eine ungelegene Novizin, denn die Schwestern bevorzugten reifere Witwen. Katharina war am Boden zerstört. Sie bekam hohes Fieber und entstellende Geschwüre. Ihre Mutter war erschrocken. Katharina, manipulativ wie eh und je, nutzte die Gelegenheit, um ihre Forderung für die Zulassung zu den "Schwestern der Buße"200 durchzusetzen. Andernfalls, so drohte sie, würden Gott und der heilige Dominikus (der Gründer der Dominikaner), die sie für ihre heilige Arbeit benötigten, sie dafür hart bestrafen. Mit 12 Jahren sollte Katharina verheiratet werden, weigerte sich jedoch und trat mit 16 gegen den Willen ihrer Eltern in den Dritten Orden der Dominikaner ein. Sie widmete sich intensiv der Pflege von Kranken und der Armenfürsorge sowie dem Gebet.

200Menschen, die Bindung suchen, brauchen gewisse Strukturen. Dies erkannte der Ordensmeister der Predigerbrüder, der spanische Bischof Munio von Zamora. Er gilt als Gründervater der Dominikanischen Laien. Er verfasste und erließ im Jahr 1285 die "Regel für die Brüder und Schwestern von der Buße des heiligen Dominikus". Unter der Leitung der Patres ließen sich die Mitglieder des "III. Ordens", so der damalige Name der Laiengemeinschaften, in Vorträgen und Exerzitien unterweisen, nahmen am Gebetsleben der Predigerbrüder teil und übten Werke der Barmherzigkeit.

In gleichem Maß, wie die Predigerbrüder in den 6oer Jahren des 20. Jahrhunderts begannen, die Beziehungen der einzelnen Ordenszweige untereinander neu zu ordnen, entließen sie die Schwestern und Brüder des III. Ordens in größere Freiheit und Eigenverantwortlichkeit. Fortan sprechen die Dominikaner nicht mehr vom ersten, zweiten und dritten Orden, sondern von Brüdern (Patres), Schwestern und Laien. Zusammengefasst nennt man alle drei Zweige des Ordens seit dem Symposiurn von Bologna im Jahre 1983 die "Dominikanische Familie".

Quelle: Dominikanische Laiengemeinschaft  

--Last edited by yogi on 2008-06-23 09:39:41 --

Meditation   Brahmacharya
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 yogi
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 yogi
  Posted 24/06/2008 10:58:15 AM
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Katharina von Siena 3

Katharinas Mutter, Lapa, ging diesmal ehrlichen Herzens zum Kloster und erbat für ihre Tochter die Aufnahme als Novizin. Die Schwestern hörten ihr zu. Dann aber warnten sie, wenn Katharina zu hübsch sei, dann könnte dies einen sexuellen Skandal heraufbeschwören. Aber Katharina war nicht so hübsch, wofür Lapa ausnahmsweise dankbar war. Kommen sie und überzeugen sie sich selbst, flehte sie die Nonnen an. Eine Jury aus weisen und verwitweten Nonnen begleitete die verzweifelte Mutter bis an das Bett ihrer Tochter, wo sie Katharina als geeignet, ehrlich und fromm beurteilten. Sie gaben nach und akzeptierten sie. In Tagen erholte sich Katharina und trug das schwarz-weiße Ordenskleid.

Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass Katherina gegen den Willen ihrer Mutter in das Kloster eintrat. Hierzu sagt das Ökumenische Heiligenlexikon :

Der Zwist mit der Mutter endete nach drei Jahren, als der Vater über Caterinas Kopf eine weiße Taube schweben sah und daraufhin bestimmte, man solle sie in Ruhe lassen. Als ihr Gesicht durch Pockennnarben entstellt wurde, lebte sie nur noch zurückgezogen zu Hause. Sie ernährte sich von Kräutern und Wasser, fastete wochenlang, betete und übte sich im Schweigen, geißelte sich blutig und schlief wenig. 1363 trat Caterina in ihrer Heimat gegen den Willen ihrer Eltern in den Dritten Orden der Dominikaner in Siena ein und lebte dort zunächst weiter in asketischer Strenge gegen sich selbst. Nach einer Vision (1367 erlebte sie die Vermählung mit Christus als Vision) gab sie ihr zurückgezogenes Leben auf und widmete sich mit äußerster Hingabe der Pflege von Kranken und Armen im Pilgerhospiz (Sterbebegleitung) "Ospedale della Scala" und im Leprosenheim (Lepraheim) S. Lazzaro.

Katharina hat vielleicht niemals die höheren Standards eines Klosters erreicht, den Aufenthaltsort adliger, kultivierter und gebildeter Frauen, aber ihre bescheidene Geburt hatte nichts damit zu tun, dass sie sich für den Dritten Orden der Dominikaner, den Laienorden, entschied. (Wahrscheinlich aber hätte sie ein Kloster wegen ihrer niederen Geburt gar nicht aufgenommen.) Sie wollte nicht in ein Kloster und sich der Disziplin einer beaufsichtigenden Mutter Oberin unterwerfen. Dies war nicht, weil sie die Unbilden einer religiösen Gemeinschaft fürchtete. Ganz im Gegenteil, die Askese, die sie sich selber erwählte, war so radikal, dass sie vermutlich kein Kloster toleriert hätte. Lebte sie nicht in einem Kloster, dann konnte sie ihr Leben so gestalten, wie sie es für richtig hielt.

Nun bändigte Katharina radikal das bischen Fleisch, welches noch von ihrem mageren Körper übriggeblieben war. Sie vertraute dabei hauptsächlich auf das heilige Abendmahl (die Hostie) als Nahrung. Dabei trank sie gewöhnlich nur kaltes Wasser und kaute bittere Kräuter. Sie erkrankte buchstäblich am Essen. Sie erlitt Magenkrämpfe, die so schmerzhaft waren, dass ihr Beichtvater schrieb: "Alles was sie zu sich nahm, kam auf dem gleichen Weg wieder heraus." Katharina's Kau-und-Spuck-Technik schlug manchmal fehl und ein Bissen, zum Beispiel eine einzelne Bohne, gelangte in den Magen. Dann erbrach sie alles wieder, was sie zuvor gegessen hatte. Sie tat dies nicht absichtlich, aber sie entwickelte die quälende Gewohnheit Stengel vom Fenchel und anderen Pflanzen hinunterzuschlucken, so dass sich die Magenkrämpfe einstellten und sie alles wieder ausspie. (Die große Heilige Teresa of Avila benutzte einen Olivenzweig aus demselben Grund.)

Heutzutage wäre Katharina in ein Krankenhaus, in eine Klinik für Essgestörte, eingeliefert worden und sie wäre vermutlich zwangsernährt worden. Aber es ist fraglich ob man ihr dort hätte helfen können. Auch im vierzehnten Jahrhundert wurde ihr Verhalten weithin kritisiert. Sie wurde als heimliche Esserin beschimpft und verleumdet und als Hexe verurteilt. Gleichzeitig "verstanden" ihre Beichtväter und Bewunderer sie und verehrten sie als Heilige, die Gottes Befehl gehorchte. Eines Tages begann Katharina gegen den Gestank des verrottenden Fleisches aufzubegehren. So groß war ihre Abscheu, dass sie es als moralisches Dilemma betrachtete, welches sie zu lösen hatte. Das Empfinden von Hunger und Lust war bereits lange gewichen, aber wie, fragte sie sich, konnte sie diese Art der körperlichen Empfindung besiegen? Die Antwort lag darin, dass sie eine Tasse voll des stinkenden Eiters schröpfte und es hinunter schluckte. Bei Zeit-Online ist zu lesen, dass Katharina von Siena den Eiter ihrer Patienten trank.  

--Last edited by yogi on 2008-06-24 11:29:44 --

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  Posted 25/06/2008 11:22:05 AM
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Katharina von Siena 4

Kein Hauch von sexuellen Skandalen befleckte ihr Leben, trotz oder wegen der ständigen Anwesenheit ihres Beichtvaters, dem italienischen Dominikanermöch Pater Raimund von Capua201, der persönlich vom Papst auserwählt wurde, um sie zu leiten und zu überwachen. Katharina hatte nie den Wunsch zu heiraten. Eine junge Frau ihrer sozialen Stellung, würde außerdem kaum an Sex in einem anderen Zusammenhang denken. Die ewigen Schwangerschaften ihrer Mutter, der Tod ihrer Schwester Bonaventura bei der Entbindung und der Tod vieler ihrer Geschwister, musste ebenfalls Katharinas Auffassung von der Ehe beeinflusst haben. Der Sex konnte viel schneller töten als der Hunger und dabei gab es keine Unterstützung, welcher Art auch immer, für die Opfer. Katherinas Magersucht merzte alle streunenden Emotionen der Sexualität aus und machte sie zu einer "Eunuchin des Himmelreichs" (Matthäus 19,12). Sie war gewissermaßen eine zielbewusste Zölibatärin, die freudig ihren Sex für eine glorreiche Belohnung in einer unendlich besseren nächsten Welt opferte.

2011369 lernte Caterina das Lesen, um die Bibel studieren zu können. Ab 1370 schrieb sie Briefe an hochgestellte Persönlichkeiten, die sie mitunter drei verschiedenen Sekretären gleichzeitig diktierte. 1374 musste sie ihre Visionen und ihr ungewöhnliches Verhalten vor dem Ordenskapitel der Dominikaner in Florenz rechtfertigen, konnte jedoch alle Bedenken ausräumen und durfte fortan in offiziellem Auftrag der Kirche reisen und predigen. Als geistlicher Führer wies ihr das Generalkapitel des Ordens Raimund von Capua zu, der später auch ihre Biographie verfasste.

Katharinas extravagante Askese tötete nicht nur jede sexuelle Lust in ihrem ausgehungerten Körper, sondern sie tötete sie fast selbst. Mehrere Male hörte ihr geschwächtes Herz vorübergehend auf zu schlagen. Als dies einmal geschah, glaubte sie Christus gesehen zu haben, der ihr Leben dadurch rettete, indem er sein eigenes heiliges Herz gegen ihr Herz eintauschte202. Später frohlockte sie, dass Jesus oft ihren Körper von der Erde holte und dass sich ihre Seele in perfekter Vereinigung mit Gott befände. (Das Gefühl, in perfekter Harmonie mit Gott zu sein, halte ich, abgesehen von den gesundheitlichen Beeinträchtigungen, aufgrund der extremen Askese, sogar für sehr wahrscheinlich.) Jede Erotik, die noch in ihrem kranken Körper verblieb, wurde in spirituelle Energie für Jesus Christus umgewandelt.

202Der Tausch der Herzen zwischen Jesus und Katharina geschah allerdings während der Vermählung Katharinas mit Jesus, die sie als Vision erlebte. Das Ökumenische Heiligenlexikon sagt dazu:In einer mystischen Vision erlebte sie 1367 ihre Vermählung mit Christus und tauschte ihr Herz mit ihm; den Ehering (der für andere unsichtbar war) sah sie ihr Leben lang an ihrem Finger.

Katharina's brennender Ehrgeiz war es, zu predigen. Sie spürt immer mehr, dass ihre Berufung über die Pflege der Armen und Kranken hinausging. Sie musste predigen, sich politisch engagieren. Sie führte Gespräche, unternahm Reisen zu Konfliktparteien, schrieb aufrüttelnde Briefe und scheute sich nicht, ihre Botschaft von der barmherzigen Liebe Gottes und die damit verbundenen Aufgaben und Pflichten auch an den höchsten Stellen (Papst Gregor IX.) vorzutragen. In allem, was sie tut und sagt, ist sie erfüllt von dem, was sie erfahren hat: Christus ist in ihr und drängt durch sie in die Welt. Ihre politischen Briefe beginnen alle mit einer Predigt.

Mit einer unglaublichen Energie, die man der unterernährten Katharina gar nicht zugetraut hätte, stürzte sie sich in die Lobbyarbeit. Ihre Themen waren Frieden und Reformen in der Kirche. Sie setzte sich dafür ein, dass der Papst nach Rom zurückkehrte. (Von 1309 bis 1377 regierten sieben Päpste in Avignon in Frankreich.) Und sie setzte sich für einen Kreuzzug gegen die Moslems ein. Katharina betrachtete, wie viele vor ihr, den Tod unter dem Kreuzbanner als heilige Sache, als Martyrium. Doch verraten ihre damit verbundenen Ziele kein macht-politisches Kalkül. Ihr ging es um die Bekehrung der Ungläubigen. Ein Kreuzzug sollte dem heiligen Land und den dort ansässigen Moslems den „wahren“ Glauben bringen. Der Papst müsse  „das Banner des heiligen Kreuzes gegen die Ungläubigen aufrichten.“ Dann könne er „das Blut des Lammes den armen Heiden reichen.“

Pater Werner Schmid, Moderator der "Gemeinschaft vom heiligen Josef" erklärt Katharina von Siena's Einstellung zum Kreuzzug wie folgt:

Ein letzter geheimnisvoller und eher befremdender Zug im Leben Caterinas sei noch kurz erwähnt: Ihr entschiedener Einsatz für einen neuen Kreuzzug. Sie will den Kreuzzug aus mehreren Gründen: Erstens: damit der heilige Ort (Jerusalem) unseres süßen Erlösers den Händen Satans entrissen wird, damit die Ungläubigen wie wir am Blut des Gottessohnes teilnehmen könnten, „da sie doch wie wir im Blut erlöst wurden“.  Zweitens: damit die Kämpfe in Italien aufhören. Denn es ist unerträglich, daß hier Christen gegen Christen kämpfen. Was dadurch am heiligen Leib der Kirche geschieht, ist eine Beleidigung Gottes. Und drittens ist sie überzeugt: Wenn auch die äußere Schlacht im Heiligen Land ergebnislos sein sollte, die innere Schlacht geht trotzdem siegreich aus, da durch den Einsatz für Christus im Vergießen des eigenen Blutes Leben gewonnen ist. Und darauf allein kommt es Caterina an. Sie denkt in allem nur aus der Sicht der Ewigkeit.

Diese Sichtweise, die uns Menschen so schwer verständlich ist, hat ihr Gott selbst einmal in einer Vision kundgetan (sie schrieb das ihrem Beichtvater in einem Brief). Gott zeigte ihr dabei das Schicksal eines Sünders, indem er zu Caterina sprach: „Du sollst wissen, um ihn vor der Verdammnis zu retten, in die er, wie du gesehen hast, gefallen war, habe ich für ihn diesen Unglücksfall zugelassen, damit er mit seinem Blut in meinem Blut das Leben habe. Denn er hatte die Ehrerbietung meiner süßen Mutter gegenüber nicht vergessen. So habe ich also bei ihm das, was die Unwissenden für Grausamkeit halten, nur aus Barmherzigkeit zugelassen.“

Die heilige Birgitta von Schweden dachte über den Kreuzzug übrigens ganz anders. In einem Brief an Papst Gregor XI. schrieb sie, daß „Christus nicht will, daß der Papst Banden gottloser Krieger zu seinem Grab (in Jerusalem) schickt.“

Quelle: Katherina von Siena

Katharina war eine dynamische und furchtlose Rednerin und Lobbyistin, sie hielt Vorträge und schalt Führer auf allen Ebenen. Den Verfall der Integrität des Klerus kritisierte Caterina nachhaltig: "Was Christus am Kreuz erwarb, wird mit Huren vergeudet!" Sie schalt selbst den Papst. Sie rief ihn auf, die kirchlichen Ungerechtigkeiten zu beenden oder zurückzutreten und jemand anders die Arbeit machen zu lassen. Katharinas Ruf wuchs allmählich. Sie wurde international als eine politische und kirchliche Autorität bekannt und sie diskutierte mit den führenden italienischen Staatmännern des vierzehten Jahrhunderts.  

--Last edited by yogi on 2008-06-25 11:24:31 --

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  Posted 26/06/2008 10:41:32 AM
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Katharina von Siena 5

Katharina war nicht nur eine sehr bekannte Person der Öffentlichkeit. Sie verrichtete ihre private Arbeit ebenso gut: als "Mama"203 gegenüber ihren Schülern, die sie als "Söhne" bezeichnete, als Krankenschwester gegenüber den sterbenden Patienten in öffentlichen Krankenhäusern und als spirituelle Beraterin der Gefangenen, die auf ihre Hinrichtung warteten. Als ein Gefangener im Sterben "Jesus, Katharina" stammelte, stand sie so nah bei ihm, dass sein Blut auf ihre Robe spritzte. Später freute sie sich, dass seine Seele ihre Ruhe gefunden hatte und konnte es nicht übers Herz bringen, sein Blut abzuwaschen.

203Immer mehr Mystiker, Fromme, Geistliche und Laien, Männer und Frauen, scharten sich um sie, sie fühlten sich als "famiglia", "Familie", Caterina wurde von ihnen "mamma", "Mutter" genannt.

Katharina behielt ihre todbringende Askese bis zu ihrem dreiunddreißigsten Lebensjahr bei. Bei der Pflege von Pestkranken steckte sie sich 1374 an, ließ sich aber nicht von ihrem Tun abhalten. Dann war sie bereit für einen glorreichen Tod und für die Vereinigung mit ihrem Ehemann, der ebenfalls mit dreiunddreißig Jahren starb. Katharina hatte seit Jahren gewusst, dass sie sterben würde und hatte diesen Augenblick als eine Vollendung ihrer persönlichen Mission geplant und ersehnt. Ihre Askese hatte sie jenseits der Todeserfahrungen getragen, so dass sie selten vom Hunger nach Nahrung und noch weniger vom Sex ergriffen wurde. Sie praktizierte eine sensible Balance, um ihre Sinne zu betäuben, ohne sie auszulöschen. Sie wollte ihren Todeszeitpunkt genau bestimmen und im gleichen Alter wie ihr Ehemann, Christus, sterben. (Dies halte ich allerdings für eine gewagte Annahme.)

Nachdem Katharina an Hunger gestorben war, forderten ihre Bewunderer fast gleichzeitig ihre Heiligsprechung. Sie hatte erreicht, was sie anstrebte, nämlich die heiligste der heiligen Frauen zu sein, als Braut Christi in strenger Keuschheit zu leben, ihrem Körper die Nahrung zu verweigern und ihm dem Willen unterzuordnen.

Intelligent, einfallsreich, mutig, ausgefallen und engagiert, war Katharina die Quintessenz einer erfolgreichen Braut Christi. Die Konkurrenz war hart. Colomba von Rieti204 geißelte sich mit aufgespießten Ketten, die sie um ihre Hüften und ihre Brust trug. Ihr Oberkörper war bereits durch ein kratziges Haarhemd, dass sie trug, wund gescheuert und mit Blasen bedeckt. Angela of Foligno trank Wasser, indem ein Leprakranker sein faulendes Fleisch gebadet hatte. Und Brigitta von Schweden (1303 - 1373), die Christus nach dem Tod ihres Ehemannes geheiratet hatte, glich Katharina. Sie arbeitete ebenso als Diplomatin und kritisierte den schwedisch-norwegischen König und den Papst. Schließlich verfolgte Brigitta ihr eigenes Ziel: den Brigittenorden für Nonnen, eine feministische Phantasie, der von Frauen geleitet und von einfachen, spartanischen und vernünftigen Regeln bestimmt wird. Der Brigittenorden, der auch als Erlöserorden bezeichnet wird, lebt nach den Regeln des heiligen Augustinus von Hippo (354 - 430) und ist ein Doppelorden für Nonnen und Mönche, der überwiegend aus Nonnen besteht, die ursprünglich von Priestermönchen seelsorgerisch betreut wurden. Die Männer leben jedoch von den Klosterfrauen getrennt.

204Colomba (Angela) von Rieti (1467 - 1501): Angela Guardagnoli, Tochter einer armen Familie, musste schon mit 12 Jahren ihren Lebensunterhalt selbst besorgen. Sie verehrte Maria und machte die heiligen Eucharistie zum Mittelpunkt ihres Lebens. Im Alter von 19 Jahren schloss sie sich dem "Dritten Orden der Dominikaner" in ihrer Heimatstadt an und nahm den Ordensnamen Colomba an. Herzog Ercole I. von Ferrara bewunderte Colomba und richtete für sie und ihre Gefährtinnen einen neuen Konvent (Kloster) in Perugia ein. 1488 ging Colomba nach Perugia und sammelte im neuen Konvent "St. Katharina" Frauen, die ein strenges Leben im Geiste der Katharina von Siena führten, um sich damit deutlich von der Unmoral und religiösen Gleichgültigkeit ihrer Zeit zu unterscheiden. Trotz ihrer Jugend wurde Colomba zur Priorin gewählt.

1494 wurde Perugia vom Städtekrieg heimgesucht. Colomba bot sich als Geisel an, um die Stadt von der Plage zu befreien, und schlug vor, die Stadt der Katharina zu weihen. In der Haft wurde Colomba gefoltert. Den schließlich erreichten Frieden schrieb man der Frömmigkeit der Stadt und ihrer Fürbitte zu. Colomba wurde, möglicherweise durch die italienische Fürstin Lucrezia Borgia, in Rom verleumdet, sie habe ihre Unschuld hingegeben. Deshalb verlor sie ihr Amt als Priorin. Nach einigen Monaten stellte sich ihre Unschuld heraus und sie wurde rehabilitiert. Auch wurde ihr vorgeworfen, sie habe öffentlich gepredigt, was den Frauen und Nicht-Priestern nicht erlaubt war. Papst Alexander VI. besuchte die inzwischen im Ruf der Heiligkeit stehende Colomba 1499. Zu seinen Füßen erlebte Colomba wunderbare Visionen. Colomba erhielt ob ihrer Glaubenstreue den Beinamen "die zweite Katharina". Ihr Kloster wurde 1870 aufgelöst.

Quelle: Colomba von Rieti

Diese Frauen waren die Stars des Mittelalters. Durch übermenschliche Anstrengungen und eine sorgfältige Strategie erzielten sie Erfolg, Macht und Einfluss, was für die meisten Frauen, die sich der Heirat und der Mutterschaft verschrieben hatten, unvorstellbar erschien. In den meisten Fällen war eine extreme Askese und das Zölibat, welches durch eine mystische Heirat mit Christus verherrlicht wurde, der gemeinsame Nenner. Vom 13. bis zum 17. Jahrhundert lebten etwa 30 Prozent der italienischen heiligen Frauen asketisch. Ihr abgemagerter, sexloser Körper gewährleistete die irdische Keuschheit, während sie alle erotischen Regungen in die Vision einer Heirat mit Christus sublimierten. Ihr Zölibat, welches sie sorgfältig bewahrten, war die wesentliche Voraussetzung, auf welchem diese triumphierenden asketischen Frauen ihre atemberaubende und erfolgreiche Karriere bauten.  

--Last edited by yogi on 2008-06-26 10:57:21 --

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  Posted 27/06/2008 09:31:30 AM
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Hildegard von Bingen 1

Die Ausnahme von der Regel der übertriebenen Askese war Hildegard von Bingen (1098 - 1179), die auch als Sybille vom Rhein205 bekannt ist, die geliebte Äbtissin des 12. Jahrhunderts. Als aristokratische, fromme, brillante, gelehrte, wissbegierige und mitfühlende Äbtissin eines Benediktiner-Frauenklosters überwachte Hildegard ihre Schwestern und schrieb ungeheuer viel. Sie hielt eine umfangreiche Korrespondenz und veröffentlichte bedeutende Arbeiten über ihre Visionen206, über medizinische Themen, Naturgeschichte und über das Leben verschiedener Heiligen. Hildegard erwies sich auch als Dramaturgin, Dichterin und Komponistin und verfasste Texte und Melodien zu 77 Liedern und das Singspiel "Ordo Virtutum", (Spiel der Kräfte), in dem sie den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse in 35 dramatischen Dialogen zur Darstellung bringt.

205Hildegards Eltern waren die Edelfreien Hildebert und Mechtildis. (Aus den Edelfreien entwickelte sich im Laufe des 12. Jahrhunderts der hohe Adel.) Als zehntes Kind der Eltern sollte sie ihr Leben der Kirche widmen (ein Zehnter an Gott). Darum schickten die Eltern ihre achtjähriges Tochter zu ihrer Verwandten, der Äbtissin Jutta von Sponheim, in das Benediktinerkloster Disibodenberg in Gegend von Kreuznach, wo sie erzogen wurde. Hildegard war immer wieder krank, kaum fähig zu gehen, oft auch durch Sehbehinderungen eingeschränkt. Nach dem Tod der Äbtissin wurde Hildegard 1136, mit 38 Jahren, zur neuen Äbtissin gewählt. Vom Jahre 1141 an (mit 43 Jahren) trat sie, die bereits als fünfjähriges Kind die Farbe eines Kalbes im Leibe der Mutter geschaut hatte, auch schriftstellerisch als Seherin, als „Sibylle vom Rhein“ auf.

206Hildegard war überzeugt, dass ihr die visionäre Begabung von Anfang an gegeben worden sei: "Bei meiner ersten Gestaltung, als Gott mich im Schosse meiner Mutter durch den Hauch des Lebens erweckte, prägte er dieses Schauen meiner Seele ein." Anfänglich war sie von ihren Schauungen befremdet. Sie merkte, dass andere nicht das sahen, was sie sah. "In meinem dritten Lebensjahr sah ich ein so grosses Licht, dass meine Seele erbebte, doch wegen meiner Kindheit konnte ich mich nicht darüber äussern Und bis zu meinem 15. Lebensjahr sah ich vieles, und manches erzählte ich einfach, so dass die, die es hörten, sich sehr wunderten, woher es käme und von wem es sei. Da wunderte ich mich auch selbst. Darauf verbarg ich die Schau, die ich in meiner Seele sah, so gut ich konnte. Ich schämte mich sehr, weinte oft und hätte häufig lieber geschwiegen, wenn es mir möglich gewesen wäre. Denn aus Furcht vor den Menschen wagte ich niemandem zu sagen, was ich schaute."

Sie sträubte sich innerlich dagegen, die Schauungen niederzuschreiben, weil sie sich für zu ungelehrt hielt. 1141, mit 43 Jahren, hörte sie eine himmlische Stimme. "Ich sah einen sehr grossen Glanz. Eine himmlische Stimme erscholl daraus. Sie sprach zu mir: "Gebrechlicher Mensch, Asche von Asche, Moder von Moder, sage und schreibe, was du siehst und hörst! Doch weil du schüchtern bist zum Reden, einfältig zur Auslegung und ungelehrt, das Geschaute zu beschreiben, sage und beschreibe es nicht nach der Redeweise der Menschen, nicht nach der Erkenntnis menschlicher Erfindung, noch nach dem Willen menschlicher Auffassung, sondern aus der Gabe heraus, die dir in himmlischen Gesichten (Geschichten) zuteil wird."

Nicht nur die theologischen Werke habe sie in der Schau empfangen, sondern auch vieles von ihrem natur- und heilkundlichen Wissen sei ihr in Visionen geschenkt worden, auch in ihren Briefen offenbare sie Gottes Wort, bekundete Hildegard. Hildegard legte Wert darauf, dass sie ihre Visionen in wachem Zustand und nicht "in der Bewusstlosigkeit der Ekstase" empfangen habe. In ihren Gesichten sah sie manchmal auch ein Licht, das sie lebendiges Licht nannte. "Solange ich es schaue, wird alle Traurigkeit und alle Angst von mir genommen, so dass ich mich wie ein einfaches junges Mädchen fühle und nicht wie eine alte Frau."

Quelle: Hildegard von Bingen 1

Man nannte die wohl größte Mystikerin Deutschlands ehrfurchtsvoll "Tischgenossin Gottes". Im Vorwort zu ihrem Hauptwerk "Liber Scivias" (Wisse die Wege des Herrn.), führt Hildegard aus: "Im Jahre 1141 der Menschwerdung Jesu Christ, als ich zweiundvierzig Jahre und sieben Monate alt war, sah ich ein überaus stark funkelndes Licht aus dem geöffneten Himmel kommen. Es durchströmte mein Gehirn, mein Herz und meine Brust ganz und gar, gleich einer Flamme, die jedoch nicht brennt, sondern erwärmt. Es erglühte mich so, wie die Sonne einen Gegenstand erwärmt, auf den sie ihre Strahlen ergießt. Und plötzlich hatte ich die Einsicht in den Sinn und die Auslegung des Psalters, des Evangeliums und der anderen Schriften des Alten und Neuen Testamentes."

"Die heilige Gottheit kann keiner je begreifen, nicht einmal berühren mit seinem Verstand, so hoch er ihn auch emporrecken mag. Gott ist höher als alles", schrieb sie knapp hundert Jahre, bevor der Philosoph und Dominikanermönch Thomas von Aquin207 (1225 - 1274) genau dies in unübertroffener Meisterschaft versuchte, bis auch er nach einer mystischen Erfahrung ein Jahr vor seinem Tod dieses Bemühen einstellte.

Quelle: Hildegard von Bingen 2

207Kleine Randnotiz zu Thomas von Aquin: Mit fünf Jahren wurde er in das Kloster Monte Cassino (138 km südöstlich von Rom) geschickt. 1244 trat er mit 19 Jahren gegen den Willen seiner Verwandten in Neapel in den Dominikanerorden ein. Daraufhin hielt ihn seine Familie ein Jahr lang im Schlossturm gefangen und versuchte ihn umzustimmen, aber nicht einmal ein Mädchen, das sie ihm brachten, vermochte das. Er hat sie verjagt. Der Sage nach soll er erst durch einen vorgetäuschten Überfall freigekommen sein.

Quelle: Thomas von Aquin  

--Last edited by yogi on 2008-06-27 09:34:34 --

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  Posted 27/06/2008 03:25:03 PM
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Hildegard von Bingen 2

Hildegard von Bingens Ansichten zur Sexualität

Die Frau wurde dieser Vorstellung nach für die Liebe des Mannes geschaffen, um dann durch diese Liebe Söhne (Töchter) zu zeugen. Doch darf dies nicht so verstanden werden, als ob Hildegard jede Form der Geschlechtlichkeit in der Ehe bzw. generell gut hieße. Hildegard hat eine klare Forderung an einen legitimen Geschlechtsakt. So „wie die menschliche Natur lehrt, soll der Mann in der Kraft seiner Glut und mit dem Lebenssaft seines Samens seiner Gattin gegenüber den rechten Weg suchen, in Selbstbeherrschung und aus dem Verlangen nach Nachkommenschaft.“ Auch wenn es sich um ein Zitat aus Hildegards Buch "Scivias" (Wisse die Wege des Herrn.) handelt, beruft sich Hildegard auf die „menschliche Natur“. Für Hildegard gibt es zusammengefasst vier Kriterien, die den Geschlechtsakt als Gott gefällig legitimieren.

   * Erstens muss der Akt in der Ehe stattfinden.

   * Zweitens ist gegenseitige Liebe vorauszusetzen.

   * Drittens soll der Willen zur Kindeszeugung und nicht der Wunsch zur Lust die Absicht des Vollzugs beherrschen. Dies bedeutet auch, dass die Vereinigung nicht gestattet ist, wenn die Frau zum Beispiel an den „Absonderungen ihres Blutflusses leidet“, da dann der „Same ausfließt, und dieser so ausgegossene Same zugrundegeht“.

   * Das vierte Kriterium umfasst eher die Art und Weise des Geschlechtsaktes. Dieser soll nämlich in  „ehrenhafter Selbstbeherrschung“ vollzogen werden.

Nun stellt sich immer noch die Frage, wie genau sich hier die Lust einfügen soll. Ist die Frage nach der Sünde in diesem Kontext eine Frage nach der Lust? Noch einmal im Rückblick auf die vier Kriterien für den legitimierten Geschlechtsakt, kann die Frage um die Lust lediglich innerhalb dieser vier Kriterien diskutiert werden, denn Geschlechtlichkeit außerhalb dieser vier Kriterien ist als nicht gottgewollt und sündhaft abzulehnen, und muss daher in die Betrachtungen nicht einbezogen werden.

Im Einklang mit dem momentanen Forschungsstand ist davon auszugehen, dass Hildegard die Lust positiv bewertet, solange sie innerhalb einer rechten Vereinigung von Mann und Frau zustandekommt. Trotz allem bleibt bei der Lust eine immer drohende Gefahr. Die Lust ist es, die dem Teufel als Einfluss auf den Menschen dient und hinter welcher dieser ständig lauert. Hildegard war der Meinung, der „Mensch hat etwas an sich, das die alte Schlange immer verfolgt. Was ist das? Die Begierde des Fleisches, welcher der boshafte Feind im Hintergrund liegend auflauert.“

Was sagte Hildegard von Bingen zur Enthaltsamkeit und zum Zölibat?

Auch Hildegard lebte natürlich als Ordensfrau in sexueller Enthaltsamkeit und Ehelosigkeit. Wie bei den Ausführungen über die Ehe schon angedeutet, ordnete Hildegard die Laien, und somit auch die Eheleute, dem Rang der Priester nach. An dieser Stelle soll nun noch etwas genauer betrachtet werden, wie Hildegard die Ehe im Hinblick auf das Zölibat, die sexuelle Enthaltsamkeit und in einem weiteren Schritt auch die konkrete Nachfolge Jesu einordnet und bewertet.

Doch weiter soll das Augenmerk nun auf die Frage des Stellenwertes der Enthaltsamkeit liegen. Hildegard beruft sich in der "Scivias" auf den Menschensohn, der in einer Vision selbst spricht. Dieser vergleicht sich selbst mit einer Blume des Feldes. Denn er sei ohne eine Vereinigung mit einem Mann aus einer Jungfrau geboren. Der Mensch aber wurde in den Sünden der Verderbnis geboren. Weiterhin sagt der Menschensohn: „Ich verleihe dir, angesichts meines Vaters in Jungfräulichkeit mit mir Gemeinschaft zu haben.“

Da Hildegard, wie schon erwähnt, die Ehe in den Ständen der Kirche nicht an oberster Stelle stehen hat, bleibt nun die Frage nach dem Anspruch an die Priester. Das beinhaltet auch die Frage einer möglichen Jesusnachfolge. Hildegards Ansprüche an einen Priester überträgt sie aus alttestamentlichen Reinheits- und Kultvorstellungen auf die Priester ihrer Zeit. Sie postulierte ein reines Priestertum. Da „er (Christus) in unversehrter jungfräulicher Keuschheit Fleisch annahm, deshalb müssen auch die keusch sein, welche ihm dienen möchten. Den fleischlichen Begierden in den Werken der Zeugung von Kindern ist er (der Priester) nämlich entzogen und kann deshalb so nüchtern und unbefleckt jenes Brot darbringen, das zum Heil der Menschen auf den Altar gelegt wird.“ Hildegard geht es hier also um die kultische Reinheit, das Werk des Priesters soll unbefleckt bleiben. An anderer Stelle wird dies noch deutlicher. Da ist von den „reinen Herzen und Händen“ die Rede. Diese bringen das heilige Opfer auf den geweihten Altar. Der Begriff der reinen Hände steht für die geschlechtliche Enthaltsamkeit. Hildegard fordert also, und zwar durch die Autorität Gottes, welche sie ja in den Visionen in Anspruch nimmt, dass die Priester rein sein müssen.

Quelle: Hildegard von Bingen

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  Posted 28/06/2008 12:47:37 AM
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Hildegard von Bingen 3

Wie Catherina von Siena und Birgitta von Schweden eineinhalb Jahrhunderte später, war diese "arme kleine Frau", wie Hildegard sich selber bezeichnete, überaus einflussreich auf Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft: auf Möche, Bischöfe, den Papst, auf Kaiser, Könige und Königinnen. Sie züchtigte den heiligen römischen Kaiser Friedrich Barbarossa als einen Verrückten, weil er chismatische Päpste208 unterstützte und verfluchte einen Mönchsorden wegen der finanziellen Streitigkeiten als "Söhne des Teufels". Nach Aufstellung des dritten Gegenpapstes durch Kaiser Barbarossa bezog Hildegard in einem Brief an ihn eindeutig Stellung, bekannte sich zu Papst Alexander III. und schrieb freimutig: "Gib acht, dass der höchste König dich nicht zu Boden streckt!" Einen Großteil ihrer Lehren hatte sie in Visionen empfangen. Somit war Gott, und nicht Hildegard, für den Inhalt verantwortlich.

208Von 1159 bis 1164 gab es zu Papst Alexander III. (Rolando Bandinelli) den Gegenpapst Viktor IV. (Octaviano de Monticelli). Bei der Papstwahl am 7. September 1159 war Octaviano de Monticelli der Kandidat von Kaiser Friedrich Barbarossa. Nachdem Octaviano de Monticelli bei der Wahl seinem Kontrahenten Rolando Bandinelli unterlegen war, der sich als Papst Alexander III. nannte, ließ er sich von bewaffneten Anhängern zum Papst ausrufen und empfing am 4. Oktober 1159 unter dem Schutz des Kaisers die päpstlichen Weihen. Obwohl Alexander III. in der Folge ins Exil nach Frankreich fliehen musste, gelang es Viktor IV. nicht, sich außerhalb des von Barbarossa beherrschten Imperiums Anerkennung zu verschaffen. Viktor IV. starb 1164 in Lucca, wodurch das Schisma (die Kirchenspaltung) allerdings nicht beendet war. Vielmehr versuchte Kaiser Friedrich Barbarossa mit weiteren Gegenpäpsten (Paschalis III.: 1164 - 1168, Kalixt III.: 1168 - 1178, und Innozenz III.: 1179 -1180) den Widerstand gegen Alexander III. fortzusetzen.

Papst Alexander III. amtierte vom 7. September 1159 bis zum 30. August 1181 als Oberhaupt der Römisch-Katholischen Kirche. Fast zwanzig Jahre rang er mit dem deutschen Kaiser Friedrich I. Barbarossa und dem englischen König Heinrich II. um die weltliche Vormachtstellung des Papsttums.

Hildegards öffentliche Beratung in Briefen enthielt einen sanften Tadel an der heiligen aber übermäßig asketischen Elisabeth von Schongau. Ihr Rat, den sie in Form ihrer Visionen mittteilt, kam allerdings zu spät, da Elisabeth kurz darauf starb. Körper sind wie Felder, schrieb Elisabeth. Ebenso wie unzeitgemäße Regengüsse oder Vernachlässigungen die Ernte ruinieren können, können überzogene Anstrengungen den Menschen ruinieren.

"Der Teufel, dieser pechrabenschwarze Vogel, fügte sie hinzu, ist auf Beute nach Sündern und Menschen, die von erotischen Wünschen geplagt werden. Er plagt sie, indem er sie drängt, auf dem Körper herumzutrampeln. Dies hat Sorgen, Leid und  Tränen ohne Maß zur Folge." Seine teuflischen Suggestionen sagen, dass dieses Verhalten die Sünde sühnen würde. In der Tat warnte Hildegard, dass die übermäßige Askese nur den Körper schwächt, die Gesundheit ruiniert und die Lust auf's Leben, sowie die Lust an der Spiritualität, nimmt, denn das ist genau das, was der Teufel beabsichtigt. Dies war natürlich ein Kritikpunkt, den Hildegard ansprach und man fragt sich, ob Hildegards schonungslose Warnung die sterbende Elisabeth berührte.

Was für ein provokativer Blick auf die zügellose Askese! Und Hildegard, die von Herzen nur eine Entbehrung, nämlich das Zölibat, befürwortete, hatte noch mehr schlechte Nachrichten. Sie sagte, die Opfer dieser galloppierenden Askese machten sich der Sünde des Stolzes schuldig, da sie dachten, sie wären besser, als andere gute Menschen. Aber die großen Asketen, wie Catherina von Siena, haben die Schriften Hildegards entweder nicht gelesen oder ihren Rat nicht berücksichtigt, da der Wunsch dieser previligierten und hochgebildeten Intellektuellen, übermächtig war, die Heiligkeit zu erreichen. Aber auch für viele weniger previligierte Frauen schien die exhibitionistische Praxis der selbst auferlegten körperlichen Misshandlung, die bestmögliche Vorgehensweise.  

--Last edited by yogi on 2008-06-28 12:49:59 --

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  Posted 29/06/2008 10:56:50 AM
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Die heilige Irokesin Kateri Tekakwitha 1

Die spektakulärste aller Bräute Christi aus der Neuen Welt, ist die Irokesin Kateri Tekakwitha, die auch als Katharina oder Katerina Tebakwitha bekannt ist. Sie wurde Jahrhunderte nach ihrem Tod als römisch-katholische Heilige gefeiert und als hypnotisierende tragische Heldin in einem Buch des kanadischen Sängers und Schriftstellers Leonard Cohen beschrieben, der ihre Biographie in seinem Buch "Beautiful Loosers" veröffentlichte. Katerí Tekakwitha kam im April 1656 als erstes Kind des Mohawks-Häuptlings Tsonitowa (Großer Biber) und dessen Frau Kahonta (Wiese) in der Siedlung Ossernenon, heute Auriesville im US-Bundesstaat New York (USA), zur Welt. Weil sie geboren wurde, als die Sonne aufging, erhielt sie den Kosenamen „Joragode“ (Sonnenschein).

Kateri's Mutter, Kahonta, gehörte ursprünglich einem Stamm der Algonkin209 an und hatte mit ihren Eltern in einer Siedlung am Sankt-Lorenz-Strom in Kanada gewohnt. Sie wurde in früher Jugend zur Waise und danach von einer französischen Familie katholisch aufgezogen. Als Zwölfjährige geriet sie bei einem Überfall in die Gewalt der Mohawks, arbeitete dann als Sklavin210 im Haushalt des Kriegers, der sie gefangen genommen hatte, und wurde mit 19 Jahren die Frau des Häuptlings Tsonitowa. Am 17. April 1680 starb Katerí Tekakwitha im Alter von nur 24 Jahren in Caughnawaga. Nach ihrem Tod verschwanden innerhalb von zehn Minuten ihre Pockennarben, die ihr Gesicht seit einer Pockenepedemie im Alter von 4 Jahren entstellten.

209Die Algonkin sind verschiedene Indianerstämme, die zwischen den beiden kanadischen Provinzen Ontario und Quebec leben. Als die Algonkin im Jahr 1603 den ersten Kontakt mit den europäischen Siedlern aus Frankreich hatten, bestand ihre Bevölkerungszahl aus schätzungsweise 6.000 Menschen. Heute leben etwa 8.000 Algonkin in Kanada in zehn verschiedenen Stämmen, neun davon in Québec, einer in Ontario.

Quelle: Algonkin

210Bei den Irokesen war die Behandlung von Gefangenen sehr grausam und zeigt deutlich südlichen (mexikanischen) Einfluß. Bevorzugt wurden junge Männer, aber auch Frauen und Kinder gefangen genommen. Man war bemüht, so viele Gefangene zu machen, wie nur irgend möglich. Die Gefangenen wurden gewaltsam ins Dorf getrieben und wer nicht mehr mithalten konnte, wurde getötet. Im Dorf bildeten die Bewohner zwei Reihen, ähnlich wie der Spießrutenlauf der Preußen, und ließ die Gefangenen hindurchlaufen. Man schlug mit aller Kraft mit Stöcken auf sie ein. Im Anschluß wurden die Gefangenen an die Frauen verteilt, die zuvor einen Angehörigen zu beklagen hatten. Die gefangenen Kinder wurden in den Stamm aufgenommen, hingegen wurden Frauen und alte Männer wie Sklaven gehalten. Ob ein Mann sterben sollte oder am Leben blieb, entschieden die Matronen (die älteren Clanmütter). Ein Mann der am Leben blieb, wurde in den Stamm integriert und der ehemalige Stamm nahm es ihm nicht einmal übel. Wer sterben sollte, wurde auf grausamste Weise zu Tode gefoltert, nicht um sich an dieser Folterung zu erfreuen, sondern aus religiösen Gründen. Der zum Tode Verurteilte, wurde Areskoi geopfert, dem Geist des Krieges und der Jagd (dem Kriegsgott), vielleicht auch der Sonne. Gab es keinen männlichen Gefangenen, so opferte man eine Frau. Man brachte dem Opfer Achtung entgegen. Der Brauch einen Menschen zu opfern und ihn vor der Opferung zu bewirten, stammt aus dem Süden, genauer aus Mexiko. Es ist jedoch nicht nachvollziehbar, warum die Irokesen eine solche Folterung vornahmen.

Die Folterung der Irokesen war ihr Brauch und geopfert wurden Algonkin und Weiße. Von den Algonkin wurde diese Folterung aus Rache ausgeübt, wenn sie einen Irokesen fangen konnten. Die Irokesen waren sehr gefürchtet und man haßte sie. Ihr schlechter Ruf wurde später auf alle Indianer übertragen. Die Irokesen-Stämme lagen noch vor 500 Jahren in ständigen Streitigkeiten, was sie daran hinderte Ligen oder Allianzen zu bilden. Es kam jedoch vor, dass zwei oder mehrere Stämme sich verbündeten, aber eine solche Verbindung war immer nur von kurzer Dauer. Das dies so war, liegt bestimmt an der Blutrache. Wurde ein Mann getötet, so mußte ein Mann vom Stamm sterben, der ihn tötete, selbst wenn es unbeabsichtigt geschah. Wenn die Irokesen unterwegs waren ein Nachbardorf anzugreifen, wurde ihr Dorf in ihrer Abwesenheit von Algonkin-Stämmen überfallen und dem Erdboden gleich gemacht.

Quelle: Die Indianer Nordamerikas

Als Kateri vier Jahre alt war, dezimierte eine Pockenepedemie211 ihr Dorf und infizierte ihre ganze Familie. Dabei starben ihre Eltern und ihr jüngerer Bruder. Kateri erholte sich, aber die Krankheit entstellte ihr Gesicht und schädigte ihre Sehkraft. Einige Monate nach dem Ende der Pockenepidemie verließen die Mohawks im Sommer 1660 Ossernenon und errichteten auf der Anhöhe Ganawage („An den Wasserwirbeln“) nahe des Mohawk-Flusses eine Siedlung. Im neuen Wigwam streckte die halb blinde Jarágode oft die Arme vor, um nicht anzustoßen, und tastete sich voran. Deswegen nannte ihr Stiefvater sie scherzhaft „Te ka kwithwa“ („Sie schiebt vor sich hin“), was nach ihrem siebten Geburtstag ihr endgültiger Name wurde.

Das verwaiste Kind lebte nun bei ihrer Tante und ihrem Onkel, Traditionalisten, die der aktuellen Welle der christlichen Bekehrung widerstanden. Sie lehrten Kateri irokesische Werte und Kultur, nahmen sie mit auf die alljährliche Jagd und bereiteten sie auf ein Leben als Irokesenfrau vor. Sie sammelten Brennholz, kultivierten die Kornfelder und schmückten sich mit dem Schmuck der Eingeborenen. Als Kateri zehn Jahre alt war, besiegten die Franzosen die Irokesen, die durch den anschließenden Friedensvertrag gezwungen waren, ihr Land für die jesuitischen Missionare zu öffnen. Ein Jahr später erreichten drei Jesuiten Kateri's Dorf. Obwohl Kateri's Onkel diese feindlichen Abgesandten hasste, verlangte es seine Position als neuer Häuptling, sie zu begrüßen. Später kehrte einer dieser Jesuiten zurück und konzentrierte sich auf die irokesischen Stämme der Huron und Algonquin, die, wie Kateri's Mutter, bereits zum Christentum übergetreten waren.

211Die europäischen Eroberer brachten die Pocken nach Amerika mit, wo sie unter den Ureinwohnern Amerikas, den Indianern, verheerende Epidemien auslösten, die Millionen von Toten forderten. Die Europäer dagegen waren durch zahlreiche frühere Pockenepidemien relativ wenig gefährdet. Schlimmer jedoch schlugen die epidemisch (zeitliche und örtliche Häufung einer Krankheit), ja pandemisch (kontinentübergreifende Verbreitung einer Krankheit) auftretenden Seuchen zu, die von den Spaniern und den von ihnen nach Amerika versklavten Schwarzafrikanern übertragen wurden. Die Ratten, die ihre Schiffe verließen, um die Neue Welt zu erobern, waren ihre ungeliebten Verbündeten. Die Ureinwohner Nord- und Südamerikas besaßen aufgrund ihrer jahrtausendelangen Isolierung vom Rest der Welt keine natürliche Immunität gegen die auf sie eindringenden Krankheitserreger. Sie hatten auch keine Erfahrungen, mit den neuartigen Krankheiten umzugehen. Durch verschiedene Seuchen und Epidemien (Pocken, Masern, Grippe, Syphilis), die von den Europäern, den Afrikanern und den Ratten eingeschleppt wurden, starben etwa 90 Prozent der amerikanischen Ureinwohner.

Quelle: Das große Leiden

Erinnerte sich Kateri an den Glauben ihrer Mutter? Machte ihre traditionelle Familie ihr deswegen Vorwürfe? Oder wurde sie durch die Jesuiten interessiert und inspiriert? War ihre Faszination für das Christentums also ein langbestehendes Phänomen, welches nur wieder auftauchte, als die Pubertät sie antrieb, in die Welt der Erwachsenen einzutreten? Was immer auch der Ursprung ihrer Sympathie mit dem Christentum gewesen sein mag, sie kam ans Licht, als Kateri in die Pubertät kam und ihre Familie sich über ihre Verheiratung Gedanken machte. Es war bei den Irokesen üblich, dass der Ehemann jagen ging, seine Frau mit Fleisch versorgte und einen Beitrag zum Erhalt des Langhauses212 seiner Frau beitrug. Aber Kateri weigerte sich, einer Ehe zuzustimmen und lenkte selbst dann nicht ein, wie einer jesuitischen Beschreibung zu entnehmen ist, als ihre wütenden Verwandten sie bestraften213. Die Familienkrise spitzte sich zu. Auf der einen Seite war die fleißige, tugendhafte und durch Pockennarben entstellte Kateri, auf der anderen Seite die Verwandten, die sie nach dem Tod ihrer Eltern beherbergt und beschützt hatten. Doch Kateri trotzte ihnen weiterhin und forderte dadurch sogar ihren Onkel, den Häuptling, heraus. Was tat er anders, als ihre Zukunft zu sichern, indem er versuchte, sich nach einem jungen und tapferen Irokesen umzuschauen, der seine unattraktive und schielende Nichte heiraten sollte?

212Die Irokesen lebten in einer matriarchalischen Gesellschaft. Jeder Stamm bestand aus verschiedenen Clans. Jeder Clan wohnte in einem Langhaus, das den Frauen gemeinschaftlich gehörte und matrilinear (von Mutter zu Tochter) vererbt wurde. Im Durchschnitt beherbergte ein Langhaus 5 bis 20 Familien. In einem Irokesendorf waren die Häuser eng zusammengebaut und von Holzspitzen bewehrten Palisaden umgeben, die gegen Angreifer ohne Feuerwaffen einen perfekten Schutz boten. Als Chefin des Clans fungierte die Clanmutter (Matriarchin), die den besten Krieger des Clans als Gehilfen nutzte. Die Clanmutter wurde in der Clanversammlung gewählt. Die Söhne und Töchter blieben zeitlebens im mütterlichen Clanhaus wohnen. Bei einer Heirat besuchte der Mann die Frau zeitweise in deren Clanhaus. Ehen konnten leicht gelöst werden. Frauen unterlagen keinem Sittlichkeits- und Jungfräulichkeitsgebot, da alle Kinder als Kinder der Mutter und des Mutterclans betrachtet wurden. Die biologische Vaterschaft der Kinder war weniger wichtig als die soziale Vaterschaft, die meist ein Bruder oder ein anderer Verwandter der Mutter den Kindern gegenüber ausübte.

Auch das Ackerland gehörte den Frauen, das sie gemeinsam bewirtschafteten. (Die Männer rodeten das Land und die Frauen leisteten die weitere Feldarbeit. Die Ernte wurde von den Frauen eingebracht.) Die Männer sorgten durch Jagen, Fischen und Handel für willkommene Zutaten. Der politische Willensbildungsprozess im Clan vollzog sich durch getrennte Versammlungen der Männer und Frauen. Anschließend suchte man eine Konsensbildung beider Gruppen. In der Versammlung der Frauen hatten die Frauen umso mehr Stimmgewicht, je mehr Kinder sie geboren hatten. Auch im Stammesrat und im Rat der Liga, dem höchsten Gremium der vereinigten fünf Irokesenstämme, waren Frauen und Männer gleichrangig vertreten.

Quelle: Irokesen

213Obwohl sie sonst immer ihrem Onkel und ihren Tanten gehorchte, wehrte sich Tekakwitha im heiratsfähigen Alter gegen den Wunsch ihrer Verwandten, zu heiraten. Als ihre Tanten ohne ihr Wissen den Eltern des jungen Kriegers Ojonkwire (Der Pfeil) sagten, Tekakwitha biete ihm die Ehe an, fiel sie nicht auf diese List herein: Sie rannte davon, als sie überraschend mit dem Bewerber verkuppelt werden sollte. Damals war sie noch keine Christin und hatte noch mit keinem Missionar gesprochen. In der Folgezeit behandelten die verärgerten Tanten Tekakwitha wie eine Sklavin. Sie luden ihr die schwersten Arbeiten auf, kritisierten sie oft als dumm, faul oder ungehorsam und bezichtigten sie, sie sei boshaft und gemein. Nach einigen Monaten gaben sie die Quälereien auf und hegten keine Heiratspläne mehr.

Quelle: Welt der Indianer  

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  Posted 30/06/2008 02:04:35 PM
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Doch die Teenagerin Kateri hatte ganz andere Absichten als zu heiraten. Sie fühlte sich unvermeidlich zur Religion ihrer Mutter hingezogen und hatte den intensiven Wunsch, sich dem christlichen Glauben anzuschließen. Sie hatte von den gefangenen indianischen Frauen in den Dörfern einiges über das Christentum erfahren. Auf Einladung des Jesuiten, Pater Lamberville, besuchte sie seine Katechismusklasse und wurde seine Musterschülerin. Als er sich unter den Leuten nach ihrem moralischen Charakter erkundigte, fand er heraus, dass sie nicht die Laster der Mädchen ihres Alters hatte. In der Tat führte sie ein Leben, das so rein war, dass es einem stillschweigenden Vorwurf der Irokesen gleichkam.

Ostern 1676 taufte Pater Lamberville die zwanzigjährige Joragode214 (Joragode ist Kateri's Geburtsname = Kosename) auf den von ihr gewählten Namen Kateri oder Katharina. Dies war eine erstaunliche Ausnahme von der Politik der Zurückhaltung bei der Taufe der Indianer, denn normalerweise wurden die Indianer nur getauft, wenn die Missionare sicher waren, dass sie nicht zu ihrem traditionellen Glauben zurückkehrten. "Man sieht, wie die Indianer unmittelbar nach der Taufe in ihren traditionellen Glauben zurückfallen, denn sie haben nicht genug Mut, sich gegen die öffentliche Meinung, die das einzige Gesetz dieser Menschen ist, auszusprechen", erklärte ein Jesuit.

214Bei den Irokesen gab die Mutter ihrem Kind, gleich nach der Geburt einen Kosenamen. Dieser wurde bis zum siebten oder achten Lebensjahr beibehalten und dann durch einen persönlichen Namen ersetzt, den Mädchen gewöhnlich bis zum Tod trugen. Jungen dagegen wechselten den Namen erneut, wenn sie mit 17 oder 18 Jahren in den Kriegerstand traten.

Nach ihrer Taufe wurde Kateri in Ganawage wegen ihres Glaubens heftig von heidnischen Stammesgenossen verfolgt. Man beschimpfte, verspottete und verfluchte sie, warf nach ihr mit Steinen und bedrohte sie mit Tomahawks. Medizinmänner und Zauberer bezichtigten sie als Hexe. Die Schamanen verhöhnten sie. Und ihre eigene Tante denunzierte sie als schamlose Verführerin. "Katherina (Kateri), bei der sie die Tugend so hoch einschätzen, ist eine Heuchlerin, die sie täuscht", äußerte sich ihre Tante gegenüber Pater Lamberville. "Sie hat in meiner Gegenwart versucht, meinen Mann zur Sünde zu verführen". All dies konnte Kateri jedoch nicht von ihrem Glauben abbringen.

Pater Lamberville hatte richtig geurteilt. Kateri trat nicht von ihrem Glauben zurück. Aber die Schlachtlinien waren gezeichnet und in der Mitte stand Kateri als Symbol des Sieges der Jesuiten über den Häuptling und über die Lebensart der Dorfbewohner. Schließlich riet Pater Lamberville seinen Schützlingen zur Flucht. Knapp ein Jahr nach der Taufe flüchtete Kateri mit Hilfe zweier christlicher Indianer im Morgengrauen mit einem Kanu auf dem Mohawk-Fluss aus Ganawage. Nach dreiwöchiger Reise kam sie in der mehr als 200 Meilen (etwa 330 Kilometer) entfernten Missionsstation St. Franz Xaver215 der Jesuiten bei Montreal am St. Lorenz-Strom in Kanada an. Die Eingeborenen bezeichneten das dortige christliche Indianerdorf als Caughnawaga (heute: Kahnawake).

215Der Spanier Franz Xaver (Francisco de Xavier: 1506 - 1552) war neben Ignatius von Loyola einer der Mitbegründer des Jesuitenordens und einer der Pioniere christlicher Mission in Asien.

In der Mission in Montreal schloß sie sich mit zwei anderen Frauen, den Witwen Marie-Theresa Tegaiguenta und Marie Skarichions, die ebenfalls zum Christentum übergewechselt waren, zusammen. Das Trio träumte davon, ein eigenes Nonnenkloster zu gründen. Aber nachdem der leitende Missionspriester ihnen diese Hoffnung nahm, arbeiteten sie als Nonnen im Krankenhaus. Armut, Keuschheit und Gehorsam hatten sie als Lehre der Kirche akzeptiert. Sie wurden zu ihren offensichtlichen Idealen. Aber unter dem Einfluss einer älteren Konvertierten war Kateri von der christlichen Buße besessen.

Kateri unterzog sich blutigen Bußübungen, fastete, lebte in Abstinenz (Keuschheit) und unterzog sich Selbstgeißelungen und Selbstfolterungen, um die Qualen Christi zu teilen. Sie tat es ihrer Namensvetterin Katherina von Siena gleich, über die häufig von den Jesuiten in ihren Predigten berichtet wurde. Auf Kateri's Wunsch errichtete die Nonnen einen Schrein im Wald, zu dem sie oft hinausschlich, um Buße zu tun. An diesem geheimen Ort peitschte sie ihre Freundinen und wurde selber ausgepeitscht. Sie steckte glühende Kohlen und brennende Asche zwischen ihre Zehen und brandmarkte ihre Füße, wie die Mohawks-Indianer ihre Gefangenen markierten. Sie ging barfuß in Eis und Schnee, schlief drei Nächte lang in einem Bett aus Dornen, und als sie aß, mischte sie Asche in ihre Nahrung. Kateri fastete sehr streng, wenn sie auch wie alle anderen Bewohner der Mission, ihrer täglichen Arbeit nachging.

Weihnachten 1677 ging Katerí Tekakwitha in Caughnawaga erstmals zur heiligen Kommunion. Am 25. März 1679, dem Fest Mariä Verkündigung, legte die 22-jährige das Gelübde der ewigen Jungfräulichkeit ab. Im „Dorf des Gebetes“, wie Caughnawaga auch hieß, führte Katerí ein Leben, das von strenger Buße und ständigem Gebet erfüllt war. Täglich ging sie bereits morgens um vier Uhr zur Kirche. Tagsüber unterbrach sie mehrfach die Arbeit, um zu beten. Abends suchte sie wieder die Kirche auf und verließ sie erst zu vorgerückter Stunde. Außerdem fastete sie streng und unterzog sich schmerzhaften Bußübungen.  

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  Posted 01/07/2008 11:59:50 AM
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Schließlich wurden Kateris Kasteiungen so extravagant, dass ihre Mitschwester Marie-Theresa Tegaiguenta um ihr Leben fürchtete. Zutiefst besorgt, vertraute sie sich einem Jesuiten, Pater Cholenec, an. Ihre ausserordentliche Geschichte überraschte ihn und er riet den Frauen, ihre Aktivitäten zu mäßigen. Aber Kateri hatte mit anderen Problemen zu kämpfen, einschliesslich dem stets wiederkehrenden Thema der Ehe. Ihre Mitschwester Marie-Theresa und ihre spirituelle Beraterin Anastasie Tegonhatsiongo drängten sie zu heiraten. Aber wie zuvor, lehnte Kateri dies ab. Aber diesmal hatte sie einen Gegenvorschlag: Sie wollte ihre Jungfräulichkeit Christus weihen.

Christus oder einen Mohawk als Ehemann: Selbst Pater Cholenec, an den sich Kateri's Beraterin gewandt hatte, fand nicht, dass dies eine leichte Wahl war. Das Missionsleben war hart. Ein ständiger Kampf, genug Nahrung zu finden, der brutale Winter, Krankheiten und militärische Auseinandersetzungen bestimmten das Leben. Für eine indianische Frau, die weit weg vom Schutz ihrer Familie lebte, konnte ein menschlicher Ehemann von großem Vorteil sein. Pater Cholenec riet Kateri, sehr sorgfältig über ihre Entscheidung nachzudenken.

"Ich habe lange genug darüber nachgedacht. Ich habe mein Leben vollkommen Jesus, dem Sohn Marias, geweiht. Ich habe ihn zu meinem Ehemann erwählt und er allein wird mich zu seiner Frau nehmen", antwortete Kateri ihm.

Kateri's Entschlossenheit und Zielstrebigkeit überzeugte Pater Cholenec und andere Missionspriester. 1679, am Fest Maria Verkündung216, versprach Kateri die ewige Jungfräulichkeit und heiratete Christus. In den Augen der römisch-katholischen Kirche war Kateri Tekakwitha die erste heilige Jungfrau der Irokesen. Die Verpflichtung zu einem lebenslangen jungfräulichen Zölibat war äußerst ungewöhnlich im siebzehnten Jahrhundert der irokesischen Gesellschaft. Zwar existierte die Jungfräulichkeit bei den Irokesen als Konzept, denn sie praktizierten die voreheliche Keuschheit, aber in Verbindung mit frommen Katholiken war sie bisher nicht bekannt. Die irokesischen Legenden erzählten von einer Vielzahl jungfräulicher Frauen. Aber dies war ein Phänomen, welches bereits in der Vergangenheit lag und die Frauen des 17. Jahrhunderts hatten nicht unbedingt versucht, es diesen Frauen gleich zu tun.

216An 25. März feiert die Kirche das Fest "Maria Verkündung". Im Lukasevangelium 1,26-38 wird dazu berichtet: Der Engel Gabriel kommt zu Maria nach Nazaret und kündigt ihr die Geburt ihres Sohnes Jesus durch die Kraft des Heiligen Geistes ohne Mitwirkung eines Mannes an.

Die Keuschheit war außerdem eine geachtete Tradition bei der Vorbereitung auf erfolgreiche Jagden und Schlachten. Aber dies galt für Männer und nicht für Frauen und sie waren rein strategisch und kurzfristig. Als permanenter Zustand wurde das Zölibat, wie zum Beispiel die Lebensart der Jesuiten, als seltsam betrachtet. Als die Jesuiten versuchten, den Irokesen das Zölibat nahe zu bringen, reichten die Reaktionen von verwirrter Ungläubigkeit über Gespött bis zur Wut.  

--Last edited by yogi on 2008-07-01 12:05:13 --

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  Posted 02/07/2008 10:59:44 AM
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In Kateri's Zeitalter hatte die kirchlich bestimmte Jungfräulichkeit mehr als eine religiöse Bedeutung. In den Turbulenzen der französisch-indianischen Beziehungen, hatte Kateri's entschlossener und öffentlich geschworener Eid zum Zölibat doppelte Bedeutung und Konsequenzen. Mit ihrem öffentlichen Gelübde erklärte sie ihren Körper und ihre Seele als ihr persönliches Eigentum, die sie der einheimischen Gemeinschaft vorenthielt und stattdessen einem fremden Gott schenkte. Es war also ein bedeutender Sieg für die jesuitischen Eindringlinge, die in den Briefen an die französischen Unterstützer (u.a. in Frankreich) lobten, wie stark Kateri's Zölibat von der üblichen irokesischen sexuellen Nachsicht abwich. Sowohl aus jesuitischer als auch aus irokesischer Perspektive, kam Kateri's Gelübde der ewigen Jungfräulichkeit, einem Sieg der Jesuiten über die Irokesen gleich.

Die Irokesen hatten Kateri's Abtrünnigkeit nicht ohne weiteres akzeptiert. Einige berichteten sogar, dass ihr Zölibat eine Schande war und dass sie gelegentlich zu sexuellen Verabredungen mit einem verheirateten Mann in den Wald ging. In Wirklichkeit aber führten sie die Waldausflüge zu ihrem Schrein, wo sie sich ihrer privaten Neigung einer strengen Selbstkasteiung hingeben konnte.

Die Jesuiten hatte einen wichtigen Anteil an Kateri's Erfolg. Es war für die Jesuiten nicht schwer, in Kateri eine außergewöhnliche Persönlichkeit zu erkennen, ungemein stark und engagiert, aber auch beeinflussbar und formbar. Nun konnten sie dokumentieren, wie gut sie Kateri unterrichtet hatten und sie konnten auf ihren gebrechlichen, misshandelten, aber jungfräulichen Körper als Beweis für eine erfolgreiche Bekehrung hinweisen.

Die Jesuiten waren von Kateri's schmerzhaften Bußübungen wenig begeistert, die so viel Neugier, Interesse und Lob hervorriefen. Aber sie waren fest entschlossen, die traditionell matriarchalische217 indianische Gesellschaft, in der die Frauen kulturschöpferisch und prägend waren, durch eine patriarchale Familienstruktur nach französischen Vorbild zu ersetzen. Bei der Rechtfertigung der patriarchalischen Familienstrukturen, übersahen die Jesuiten allerdings Kateri's beharrliche Missachtung ihrer männlichen und weiblichen Verwandten. Ihre lebenslange Jungfräulichkeit und mystische Vermählung mit Christus bestätigten ihre Lehren so gründlich, dass sie wenig Interesse daran zeigten, sich kritisch damit auseinander zu setzen, wie Kateri dieses Ziel erreicht hatte. Darum ignorierten die Jesuiten oder verstanden es nicht, dass Kateri's Jungfräulichkeit hauptsächlich ein Symbol ihrer Unabhängigkeit war. Hätte Kateri sich in einer patriarchalischen Gesellschaft ebenso ungehorsam verhalten, wie sie sich gegenüber ihrer (matriarchalischen) Gesellscaftt verhielt, dann hätten die Jesuiten Kateri's Beharren auf der Keuscheit sicherlich mit weit weniger Sympathie interpretiert.

217Es besteht heute bei Historikern wie bei Feministinnen Einigkeit darüber, dass es Gesellschaften mit Frauenherrschaft, im Sinne eines umgedrehten Patriarchats, nicht gegeben hat.

Kateri verbrachte die letzten Jahre ihres Lebens, wie sie sie seit ihrer Ankunft in der Mission verbracht hatte. Sie befolgte die Rituale des Katholizismus, wobei sie besonderen Wert auf die heilige Eucharistie legte. Um für die schrecklichen Sünden der Indianer, bei Jesus, ihren Ehemann, der am Märtyrertod gestorben war, Sühne zu leisten, setzte sie ihre Selbstkasteiungen fort.  

--Last edited by yogi on 2008-07-02 11:01:27 --

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  Posted 07/07/2008 08:36:23 PM
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Im Februar 1780 begann Kateri unter schweren Magenschmerzen zu leiden. Sie vermutete, dass ihr Tod nahe sein könnte. Zwei Monate lang ertrug sie die Leiden, ohne die Praxis abzulegen, die sie so sehr schwächte. Mit der Zeit lag sie im Sterben. Sie war so geschwächt, dass sie sich nicht mehr aus dem Haus bewegen konnte. Normalerweise wurden Indianer auf dem Totenbett zu den Jesuiten getragen, um dort die Sterbesakremente zu empfangen. Für die Irokesen, aber machte Vater Cholenec eine Ausnahme. Er packte seine rituellen Requisiten zusammen, zum letzten Male hörte er die Beichte und erteilte die Absolution, die Vergebung der Sünden. Dies sollte den Weg in die nächste Welt erleichtern. "Jesus, ich liebe dich", antwortete Kateri und starb.

Es ist erstaunlich, wie sehr die Jesuiten um Kateri's Ableben besorgt waren. Im Tod war Kateri wenigstens vor den Verleumdern und den wütenden Verwandten sicher, die sie im Leben so geplagt hatten. Der Tod war für Kateri's indianische Gefolgschaft die beste Waffe in ihrem heiligen Krieg. Lebend konnten Kateri die falschen Anschuldigungen vielleicht verletzt haben, wenn sie sich in der frierenden Wintersonnenwende in den Wald hinaus schlich, all ihre Kleider auszog, um reuig vor dem Kreuz auf einem Friedhof zu stehen.

Schlimmer noch, unter Umständen könnten sie sogar die Jesuiten in Frage stellen, wie auch ihre Familie sie in Frage stellte. Aufgrund ihrer Askese, durch ihr Zölibat und den Ruhm ihrer glorreichen Vermählung mit Christus, konnte sie als gleichbedeutend mit ihrer Namensvetterin Katharina von Siena angesehen werden, ja, sogar mit dem Papst. Es wurde sehr leidenschaftlich über die umstrittenen Ansichten Kateris diskutiert. Glücklicherweise für die Jesuiten, starb Kateri zu früh, um für ihre Ansichten einzutreten.

Nach ihrem Tod gewann Kateri die Popularität, die sie zu Lebzeiten niemals besaß. In Erinnerung an Kateri eiferten die Irokesen ihre Keuschheit nach. So berichtete jedenfalls Pater Cholenec. Eheleute trennten sich in gegenseitiger Zustimmung. Viele junge Witwen gelobten ewige Keuschheit. Andere Frauen gaben dasselbe Versprechen für den Fall, dass ihre Ehemänner vor ihnen starben und sie hielten dieses Versprechen.  

--Last edited by yogi on 2008-07-07 20:40:00 --

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  Posted 12/07/2008 03:45:36 PM
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Die Heiligkeit Kateri's erfolgte schnell, zumal sie einigen Bittstellern als Vision erschien und da nach ihrem Tod einige Wunder, Gebetserhörungen und Heilungen durch die Kraft ihrer Reliquien geschehen sein sollen. Am 3. Januar 1943 erklärte Papst Pius XII, die Prüfung der Ritenkongregation in Rom habe die heroische Tugend von Katerí Tekakwitha festgestellt und ihr gebühre der Titel „Ehrwürdige Dienerin Gottes“. Papst Johannes Paul II. sprach sie am 22. Juni 1980 heilig. Durch ihre bemerkenswerte Bindung an das Zölibat, verstärkt durch die selbstauferlegte Askese, die so extrem war, dass sie wahrscheinlich daran starb, erreichte die 24jährige Braut Christi den höchsten Rang in der römisch-katholischen Kirche. Betrachtet man Kateri's Leben, so kann man sich leicht vorstellen, dass sie sich durch ihrem unerokesischen Weg zur ewigen Jungfräulichkeit bestätigt fühlte.

Es gibt keinen Grund zu der Vermutung, dass Katerie, wie Katharina von Siena, Margary Kempe218 oder andere heilige Frauen, die Heiligkeit anstrebte. Stattdessen erfasste sie das Christentum und legte den Schwerpunkt auf die Keuschheit, was unmittelbar Probleme mit der Familie und den traditionellen Stammeswerten der Irokesen mit sich brachte. Sie erwarteten, dass sie heiraten würde. Kateri aber weigerte sich aufgrund ihres brennenden Glaubens und trotzte dem ganzen Dorf. Leider verweigerten die Priester, die ihre Rebellion unterstützten und sie als einen menschlichen Rammbock im Kampf um die Rettung der indianischen Seelen benutzten, ihren größten Wunsch, in ein Kloster einzutreten. Stattdessen nahm sie Zuflucht zu einem Scheinkloster, welches in ihrer unkontrollierten Selbstaskese, wegen der Wildniss des umgebenden Waldes und ihres eigenen fieberhaften und ungezügelten Geistes, sehr gefährlich war

218Margery Kempe (1374 - 1440) war eine bedeutende englische Mystikerin, die in der Grafschaft Norfolk geboren wurde. Sie war zunächst mit einem wohlhabenden und stimmberechtigten Bürger verheiratet und Mutter von 14 Kindern. Nach einem Anfall geistiger Verwirrung und dem Scheitern von geschäftlichen Unternehmungen wandte sie sich einem Leben in Gebet und Buße zu. Sie trennte sich von ihrem Gemahl und führte ein religiöses Leben in der Welt. Sie suchte Rat bei Juliana von Norwich219, die sie besuchte, und unternahm Pilgerreisen ins Heilige Land, nach Italien und Spanien. Da sie selbst des Schreibens unkundig war, diktierte sie ihre Autobiographie, die sich durch Freimut und Ehrlichkeit auszeichnet. Darin schildert sie ihre Versuchungen, ihre Visionen, spricht über ihre Liebe zu Gott und ihr Mitleid mit den Sündern. Das Buch ist die älteste Autobiographie in englischer Sprache. Es hat seinen Wert als eine Dokumentation einer menschlichen Geschichte und spiegelt auch das mittelalterliche Leben in England wieder. Heute wird Margery Kempe häufig mehr als Opfer ihrer psychischen Veranlagung denn als echte Mystikerin angesehen.

Quelle: Margery Kempe

219Juliana von Norwich (1342 - 1413) war eine englische Mystikerin. Sie war wahrscheinlich eine Reklusin220 bei der Kirche St. Julian in Norwich und erlebte während einer schweren Erkrankung 1373 16 mystische Eröffnungen über das Leben Jesu Christi und die Heilige Dreifaltigkeit. Zwanzig Jahre später berichtete sie davon in ihrem Buch "Die Offenbarungen der göttlichen Liebe" (Revelations of Divine Love). Ihre Schriften lassen auf fundierte biblische und auch theologische Kenntnisse schließen. Ihre "Offenbarungen" sind in zwei Fassungen niedergeschrieben worden: Eine kürzere Niederschrift wird gemeinhin früher datiert und erhält noch viele biographische Details und Angaben, während die spätere, zweite Niederschrift, theologisch durchgearbeitet wurde. In dieser zweiten Schrift wird alles auf Gottes Heilswillen gegenüber allen Menschen hin ausgerichtet.

Quelle: Juliana von Norwich

220Die Inklusen (lateinisch: Eingeschlossene) sind Menschen, die sich zu Askese und Gebet in einem Inklusorium221 einschließen und einmauern lassen beziehungsweise ließen. Bekannte Inklusinnen waren die Heilige Verena, die heilige Wiborada, die heilige Ida und die selige Eva von Lüttich. Im romanischen Sprachraum wurden die Inklusen zumeist als Reklusen bezeichnet.

Quelle: Rekluse

221Das Inklusorium ist eine Zelle oder ein kleines Haus (Klause), in dem sich die Inklusen aus religiösen Gründen einschließen oder auch einmauern lassen. Das Inklusorium soll an eine Kirche angebaut sein, damit der Klausner durch ein Fenster auf den Altar schauen und der Messe folgen, sowie beichten und kommunizieren kann. Das Fenster soll mit einem Vorhang verhängt sein, sodass man den Klausner von draußen nicht sehen kann. Auf der entgegengesetzten Seite soll ein zweites Fenster sein, durch das der Inkluse Licht und Luft empfängt. Durch dieses Fenster kann er aber auch mit seinen Schülern Kontakt halten. Durch das Fenster empfängt er von ihnen seine Nahrung, belehrt sie und reicht ihnen die Werkstücke, die er hergestellt hat, zum Verkauf. In der Frühzeit waren die Inklusorien ungeheizt. Ab dem 13. und 14. Jahrhundert wurden die Vorschriften allmählich abgemildert: Inklusorien durften geheizt werden.

In der Frühzeit erbaute meist ein Kloster das Inklusorium. Später waren es auch wohlhabende Familien, aber auch Kleriker, die eine Klause stifteten oder zumindest mitfinanzierten, unter Umständen auch für eigene Familienmitglieder. Viele Klausen wurden nach dem Tod eines Klausners neu belegt. Die Klause war dann aber in der Regel Eigentum des Klosters oder der entsprechenden Pfarrkirche. Die Ausstattung eines Inklusoriums war entsprechend dem Ideal der Askese karg und primitiv.

Quelle: Inklusorium

Kateri starb als gequälte und ausgehungerte Jungfrau. Sie galt als Märtyrerin der jesuitischen Indianerpolitik. Ihre Hingabe an die christlichen Ideale, insbesondere an das Zölibat, aber erzürnte die Irokesen. Anders als die heilige Jungfrau Maria, war Kateri Tekakwitha eine reale Frau, die durch Jahrhunderte der Theologie, durch ihre eigene Interpretation der christlichen Lehre, durch ihre Identifikation mit Katharina von Siena und durch die Beeinflussung ihrer spirituellen Berater, geprägt war. Diese Priester hatten es zwar gut gemeint, aber sie waren letztendlich damit einverstanden, Kateri als ein gelegenes Symbol der Keuschheit zu sehen, dessen Fehlen sie bei den anderen Irokesen so bedauerten.

1880 wurde für Katerí Tekakwitha ein Monument aus Marmor in Form eines Sarkophags errichtet. Sein Sockel trägt in der Sprache der Mohawks die Inschrift: „Katerí Tekakwitha. April 17, 1680. Onkwe Onwe-ke Katsitsiio Teiotsitsianekaron“ („Kateri Tekakwitha, die schönste Blume, die unter den Indianern geblüht hat“.) Die Gebeine von Katerí Tekakwitha werden heute in der Kirche der Mohawk-Reservation in Caughnawaga in einer kostbaren Truhe mit einem Glasdeckel aufbewahrt. Sie sind das Ziel zahlreicher Gläubiger. Der aus Österreich stammende Jesuit Franz Xaver Weiser (gest. 1986), der seit 1938 in den USA lebte, schilderte das Leben und Werk von Kateri Tekakwitha in dem Buch „Das Mädchen der Mohawks“, das in englischer und 1987 auch in deutscher Sprache erschien.  

--Last edited by yogi on 2008-07-12 15:50:54 --

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