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| Author : | Topic: Erfahrungswerte mit Reizen und Umwandlung gefragt | Bottom |
| yogi admin Posts : 445 ![]() |
Hallo Urdvamaya Du gehst für mein Empfinden etwas zu technisch an die Sache heran. Offensichtlich möchtest du ganz genau wissen, welche Auswirkungen die Enthaltsamkeit hat. Man sollte vor allen Dingen nicht den Fehler machen, schnelle Ergebnisse zu erwarten. Die gewünschten Ergebnisse werden sich eines Tages einstellen, wenn man konsequent enthaltsam lebt, wenn man regelmäßig meditiert, Zen, Autogenes Training (AT) oder andere spirituelle Praktiken betreibt, sich gesund ernährt und auch ansonsten ein gesundes und verantwortungsvolles Leben führt. Du hast ja offensichtlich bereits tiefgehende spirituelle Erfahrungen gesammelt. Wie waren deine Erfahrungen und warum hast du damit aufgehört? Ich würde dir raten, lebe ein spirituelles Leben und stelle nicht allzu viele Fragen. Sei geduldig und warte einfach die erwünschten Ergebnisse ab. Sie werden sich eines Tages von selber einstellen. Besonders spirituelle Anfänger wollen immer ganz genau wissen, ob es sich lohnt, ein spirituelles Leben zu führen. Sie wollen ganz genau wissen, ob es sich lohnt, Zeit und Energie in ein spirituelles Leben zu investieren. Ich glaube, viele Menschen sind einfach zu ungeduldig. Sie wollen schnelle Erfolge sehen, ansonsten sind sie nicht bereit, Zeit und Energie zu investieren. Ich selber bin davon überzeugt, dass die Entscheidung, enthaltsam zu leben, eine lebenslange Entscheidung sein sollte. Unter dieser Voraussetzung bringt man im allgemeinen auch die Geduld auf, auf die erwünschten Veränderungen zu warten. Dabei ist es für mich selbstverständlich, dass man täglich meditiert, Zen oder AT betreibt. Der erste wichtige Erfolg stellt sich dann ein, wenn das erotische Verlangen verschwindet. Aber in der Regel ist es ein langer und schwerer Weg, bis man diese erste Hürde genommen hat. Für mich gehören übrigens auch täglich einige Yogaübungen zum Alltag. Es stimmt, wenn du sagst, dass im Alltag verschiedene Reize dem Brahmachari (dem enthaltsam Lebenden) das Leben schwer machen. Diesen Reizen zu entkommen, ist die schwerste Hürde, die ein Brahmachari zu nehmen hat. Es ist meist ein längerer Lernprozess, bis man es gelernt hat, sich diesen Reizen zu entziehen. Gibt es Reize, die die erotische Glut in einem entfachen, so sollte man diese sofort aus seinem Verstand vertreiben, man sollte sie möglichst sofort ignorieren. Fängt man an, ihnen auch nur den geringsten Raum in seinem Geist zu geben, dann breiten sie sich immer weiter aus, bis man am Ende das Nachsehen hat und man als Verlierer den Platz verlässst. Dieser Kampf kann einige Monate, vielleicht auch einige Jahre dauern. Deshalb muss man sehr viel Geduld und Disziplin aufbringen, bis man diesen mächtigen Gegner besiegt hat. Und trotz aller Niederlagen, die man zwischendurch erfährt, sollte man nie den Mut verlieren und seinen Bemühungen treu bleiben. Leider gibt es nur wenig Menschen, die die Kraft und Geduld besitzen, diesen Weg bis zum Ende zu gehen, diesen mächtigen Gegner zu besiegen. Wenn man beharrlich seinen spirituellen Weg verfolgt, dann wird sich früher oder später alles in Wohlgefallen auflösen. Intellektuell wird man sicherlich nicht verstehen können, wie diese Prozesse im Einzelnen ablaufen, denn es sind physiologische Vorgänge, die so komplex sind, dass sie niemand versteht. Ich selber bin davon überzeugt, dass die Sublimation der sexuellen Energie ganz von allein geschieht, ohne dass dies spezielle Übungen erfordert. Vor allen Dingen sollte man sich von tantrischen Übungen fern halten. Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob spirituelle Übungen wie die Meditation, dass Zen, AT oder andere spirituelle Praktiken wirklich unbedingt erforderlich sind, um die gewünschten Resultate zu erzielen. Vielleicht sind sie die Voraussetzung, um spirituelle Fortschritte zu erzielen, vielleicht sind sie die Voraussetzung für die Sublimation der sexuellen Energie. Aber weil ich selber so tiefgehende Erfahrungen durch das AT machen durfte, kann ich jedem eigentlich nur empfehlen, ebenfalls zu meditieren oder andere spirituelle Praktiken auszuüben. Gerade geht mir durch den Kopf, dass der entscheidende Faktor bei diesen spirituellen Praktiken (Meditation, Zen, AT, Beten, u.a.) die Konzentration ist. Durch diese Konzentration nimmt man Einfluss auf die Prozesse im Gehirn. Dadurch nimmt man ebenfalls Einfluss auf die Hormonproduktion und die vielfältigen Vorgänge im Körper. Die spirituellen Praktiken scheinen also der Motor zu sein, die eine allmähliche Genesung herbeiführen, während die sexuelle Energie die Energiequelle ist, die diesen Sublimationsprozess (Heilungsprozess) mit Energie versorgt. Mit der Frage, ob tatsächlich eine Resorbtion des Samens stattfindet oder ob die Samensproduktion vollkommen eingestellt wird, habe ich mich sehr lange beschäftigt. Manche Yogis, z. B. Swami Sivanada sagen, dass die Samenproduktion beim verwirklichten Yogi vollkommen eingestellt wird, dass er also überhaupt keinen Samen mehr produziert. Andere behaupten, dass der Samen, der ja aus vielerlei Mineralstoffen, Hormonen, Eiweißstoffen usw. besteht (Natrium, Kalium, Zink, Magnesium, Kalzium, Citrationen, Phosphationen, Salze, Proteine, Dopamin, Noradrenalin, Tyrosin, Oxytocin, Vasopressin, verschiedene Östrogene, Pheromone, Antidepressiva und Endorphine, usw.) über die Blutbahn den Nerven und dem Gehirn zur Verfügung gestellt wird, um sie zu stärken. Ihrer Meinung nach geht die Samenproduktion also unvermindert weiter. Sie müsste dann also aus den Sexualdrüsen über die Blutbahn den Nerven und dem Gehirn zur Verfügung gestellt werden. Ich kann ehrlich gesagt nicht beantworten, welche der beiden Behauptungen richtig ist. Ich neige allerdings ein wenig dazu, der zweiten Theorie zuzustimmen. Der entscheidende Punkt scheint mir zu sein, dass verwirklichte Yogis offenbar keinerlei Pollutionen mehr haben. Wie sich die Enthaltsamkeit auf das Immunsystem auswirkt, kann ich nicht genau sagen. Ich würde allerdings vermuten, dass es das Immunsystem stärkt. Es stimmt, dass der Samen von manchen Yogis wieder durch den Harnleiter aufgesogen wird. Diese Praxis nennt sich Vajroli Mudra. Du findest hier ein wenig darüber: http://www.yogameditationfree.com/brahmacharya/#Abschnitt2116 Diese Praxis ist eigentlich nichts als Scharlatanerie. Leider sprach sich auch Swami Sivananda in seinem Buch "Die Praxis des Brahmacharya" für diese Yogatechnik aus. Durch das Aufsaugen des Samens kann man die sexuelle Energie allerdings nicht wieder zurückgewinnen, den der Samen ist eine Mischung aus verschiedenen Drüsensekreten aus Hoden und Nebenhoden, Samenleiterampulle, Samenbläschen, Prostata, Bulbourethraldrüse und den Littre-Drüsen. Diese Drüsensekrete können natürlich nicht wieder in die verschiedenen Drüsen zurückkehren, sondern werden wahrscheinlich über die Blase wieder ausgeschieden, nachdem man sie mit dem Penis aufgesogen hat. Die Vajroli- Technik stammt meiner Meinung nach aus einer Zeit, als man die physiologischen Vorgänge der verschiedenen Sexualdrüsen noch nicht so genau kannte und der Meinung war, man könne den Samen wieder zurückgewinnen. Die Vajroli-Technik wird heute meist von "Yogis" ausgeführt, die Benzin oder Öl mit dem Penis aufsaugen, um es anschließend zur Belustigung der Zuschauer wieder auszustoßen, wobei sie es anzünden. Damit lockt man den Menschen dann das Geld aus der Tasche. Meine eigenen Erfahrungen, sie liegen allerdings schon ein wenig zurück, habe ich übrigens hier veröffentlicht: http://www.yogameditationfree.com/medita/ Dort findest du auch die eine oder andere Erfahrung, die andere gesammelt haben. Alles Liebe. | ||||
| Meditation Brahmacharya Sexualität und Spiritualität |
| Urdvamaya Posts : 42 |
Zu allererst: vielen Dank, Yogi, für die prompte und ausführliche Antwort! Der Bericht "Meditation, Sexualität und Erleuchtung" war auch sehr aufschlussreich. Man merkt, dass hier viel Erfahrung spricht. Hierfür bin ich zutiefst dankbar! Wenn ich die Antwort richtig zusammenfasse, geht es im Wesentlichen um 1) eine (lebenslange) Entscheidung bzw. die Geduld die hierdurch entsteht, 2) Konzentration/Meditation, AT, Yoga-Übungen im Alltag, die den Prozess fördert, 3) Lernprozess der Reizvermeidung. Der Grund warum ich sehr technisch an die Sache herangegangen bin ist, dass ich über die richtige Herangehensweise alle unnötigen Schwierigkeiten vermeiden möchte. Denn Enthaltsamkeit fordert einem schon alles ab – früher oder später. Leider kenne ich niemanden persönlich der/die Enthaltsamkeit ebenfalls praktiziert. Da ich aber dennoch entschlossen bin, diesmal endlich erfolgreich damit zu sein, möchte ich zumindest grobe Fehler und somit das langwierige Auf-und-Ab vermeiden. Hier ist der konkrete Grund: wenn man schon einige Wochen-Monate „weit“ ist, erlaubt man sich in Gedanken schon mal aus Entschlossenheit nicht die kleinste Schwäche mehr. Dennoch ist es dann der Körper, der auf den (physiologischen) Druck reagiert. Pollution kann dies auch nur gelegentlich lösen. Die Frage also ist, wie geht man mit dem intensiven Druck um, wenn dieser akut wird? Es ist ja in dem Moment keine Frage der Geduld, der Gedankenkontrolle oder der Reizvermeidung. Der „Wille“ ist ja nur eine Worthülse und liefert keine Hilfestellung. Kann man etwas tun, um den Druckaufbau von vornherein zu vermeiden? Oder wenn der Druck schon da ist, wie geht man am besten damit um? Bezüglich der Frage meiner spirituellen Erfahrungen und warum ich damit aufgehört hatte: Als ich mit 17 Jahren das erste Mal das Wort „Yoga“ gelesen habe, fühlte ich mich wie vom elektrischen Schlag getroffen und habe daraufhin intensiv über Jahre klassisches Hatha-Yoga und später auch Kriya-Yoga (Babaji-Tradition) praktiziert. Nachdem ich alles an Yoga-Literatur verschlugen hatte die es zu der Zeit gab, fing ich schließlich mit Enthaltsamkeit an und dehnte diese enthaltsamen Zeiten schrittweise aus. Als ich dann nach Jahren bei etwa einem Monat Enthaltsamkeit war, überkam mich überraschend die Kundalini-Erweckung. Mir wurde klar, dass Kundalini keine symbolische Kraft ist, sondern eine sehr wirkliche, die den Samadhi mit Bestimmtheit herbeiführt. Die Hitze, die im Steißbein anfing, stieg in der Wirbelsäule hoch. Innerhalb von Sekunden stieg sie bis zum Scheitel auf und drückte den Körper – ohne dass ich etwas dagegen tun könnte – in die aufrechte Sitzhaltung. Dabei fühlte sich die Wirbelsäule an wie ein glühend heißer Eisenstab. Mein Bewusstsein hob sich über den Kopf und erweiterte sich wortwörtlich (nicht unendlich, aber sehr weit), was mit dem Erlebnis einer nicht-sinnlichen Leere und dem reinen Bewusstsein einherging. Gedanken hatte ich, diese haben aber nicht gestört. Da das Bewusstsein körperlos war, hätte ich mich wahrscheinlich mühelos auf das Selbst konzentrieren können, habe mich aber von der Erfahrung der Leere/Weite ablenken lassen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich für diese Erfahrung bereit war. Auf jeden Fall war ich sehr beeindruckt. Ich wusste nicht, was mich noch erwarteten sollte. Dies hat mich sehr nachdenklich und vorsichtig gemacht. Da ich keinen Meditationslehrer hatte, konnte ich mit der überwältigenden Erfahrung nicht richtig umgehen und hörte „erstmal“ mit Meditation und Hatha-yoga Übungen auf. Dennoch war mir seit dem klar, dass ich nicht nur den Weg zurück zur Meditation, sondern auch der Enthaltsamkeit als Mittel wieder aufnehmen würde. Seit dem habe ich auch viele (meist indische) Yogis getroffen (vor allem in Kalifornien, wo ich einige Jahre lebte), von denen mich jedoch niemand so recht überzeugte. Es sind ein paar sehr interessante Geschichten dabei, aber rückblickend muss ich eingestehen dass ich mir wohl selbst meist im Wege gestanden habe. Allerdings führte ich das Studium des Vedanta und die Übung des NamYar/Self-Inquiry (Ramana Maharishi) immer weiter. Spontane Erfahrungen des Selbst geschahen seit meiner Jugend einige wenige Male. Dabei ging meine Aufmerksamkeit quasi rückwärts auf das „ich“ zurück (im Kontrast zum „ich“-Gedanken) – und zwar in Sekundenschnelle und ohne Hürde. Diese habe ich jedoch – fälschlicherweise – nicht als profunde Erfahrungen verstanden, da dies sehr einfache Zustände sind im Vergleich zu der oben beschriebenen Erfahrung. Zudem habe ich sie als selbstverständlich angesehen – ebenfalls fälschlicherweise. Sie sind in der spontanen Form sehr selten. Um den Bogen wider zurück zum Thema zu schlagen: auf jeden Fall ist mir das spirituelle Abenteuer es wert, auf Sexualität zu verzichten. „Verzichten“ ist eigentlich das falsche Wort, denn – wenn auch nicht alles ausprobiert wurde was Spaß macht – so ist es dennoch im Grunde eine Wiederholung der freudvollen Energieverschwendung die einem von dem Erleben ganz anderer erhebender Bewusstseinszustände abhält. Die Frage ist nur: was möchte man mehr? Dass es einen Zusammenhang der spirituellen Erfahrung und der Enthaltsamkeit gibt ist für mich unbestritten. Im einfachsten Fall ist die Aufmerksamkeit durch Nicht-Identifizierung mit dem Körper zumindest losgelöster um leichter zu meditieren. Aber so wie es aussieht, ist die Enthaltsamkeit und ihre mannigfachen Auswirkungen wesentlich vielschichtiger und weit reichender. Recherchiert man Enthaltsamkeit heute, findet man nur sehr wenige Resultate oder Bücher. Insofern könnte es sich als eine gesellschaftliche Frage herausstellen. Ansonsten wären spirituelle Erfahrungen meiner Ansicht nach alltäglich und weit verbreitet. Wir scheinen ganz am Anfang einer sehr interessanten Entwicklung zu stehen. Aber wer will darauf schon warten?! Die Frage der Geduld gegenüber der Frage der Reizüberwindung ist für mich auf jeden Fall ein ungelöstes Rätsel. Aber vielleicht ist das Rätsel auch nur im Kopf. Der physiologische Aspekt aber bleibt auf jeden Fall weiterhin interessant für mich, zumal darin Lösungsansätze der Reizüberwindung zu erhoffen sind. Mit tiefer Dankbarkeit für das Interesse und die Hilfe und Erfahrung, die so rar und wertvoll ist! |
| yogi admin Posts : 445 ![]() |
Hallo Urdvamaya Mir ist vollkommen klar, dass du mit deiner reichen spirituellen Erfahrung natürlich in der Lage bist, dir selbst ein Lehrer zu sein. Zuerst möchte ich auf die Frage eingehen, wie man mit dem intensiven erotischen Begehren umgeht, welches sich mitunter einstellt. Dies ist wirklich eine sehr wichtige Frage, vielleicht die wichtigste Frage überhaupt für den enthaltsam Lebenden. Entsteht dieses Begehren, dann ist dies hauptsächlich ein Prozess, der sich unterhalb der Gürtellinie und im Gehirn abspielt. Dieser Prozess kann nur aufrecht erhalten werden, wenn er von Gehirn immer wieder mit neuen Fantasien bedient wird. Meist ist das erotische Begehren so stark, dass es schwer fällt, sich gedanklich wieder davon zu lösen. Also lässt man seinen Fantasien freien Lauf und gibt der Sinnlichkeit damit immer wieder neue Nahrung. Wenn man dieses Spielchen oft genug gespielt hat und erkennt, dass man anschließend den Platz immer wieder als Verlierer verlässt, dann sollte man erkennen, dass es falsch war, sich diesen Gedanken hingegeben zu haben. Will man es also vermeiden, wieder zum Opfer seiner ungestillten sexuellen Fantasien zu werden, so bleibt nur eines übrig, nämlich sofort jeden Gedanken und alle Fantasien an das sinnliche Begehren zu vertreiben. Dies ist ein wichtiger Lernprozess. Wendet man sich gedanklich von der Sexualität ab, dann verschwindet auch das lüsterne Begehren. Irgendwann ist man soweit, dass man erkennt, dass man sich sofort vom sinnlichen Begehren abwenden sollte, um nicht mehr zum Opfer seiner unstillbaren sinnlichen Lust zu werden. Ist man in der Lage, dieses zu beherrschen, dann braucht man allerdings noch einige Geduld, bis das sinnliche Begehren eines Tages vollkommen von einem abfällt. Für mich war es eine große Befreiung, erfahren zu dürfen, dass ich irgendwann nicht mehr von dieser permanenten Gier nach Sex bedrängt wurde. Die Gier nach Sex ist nichts anderes als ein physiologisches Phänomen, welchen vermutlich von irgendwelchen Botenstoffen (Hormonen) hervorgerufen wird. Im Prinzip läuft die Gier nach Drogen, nach Alkohol, nach Zigaretten, Tabletten, die Kaufsucht, die Spielsucht und andere Suchtverhalten nicht anders ab. Der Junkie, der Alkoholiker, der Nikotinsüchtige, Spielsüchtige, Kaufsüchtige und andere Suchtabhängige haben also im Prinzip mit demselben Phänomen zu tun. Verjagt man den Gedanken an die jeweilige Sucht, dann gibt man der Physiologie damit ein wenig Zeit, sich auf einem gesünderen Level einzupendeln. Irgendwann haben sich die Botenstoffen so weit verflüchtigt, dass keinerlei Begehren nach der jeweiligen Sucht mehr vorhanden ist. Ich bin ehrlich gesagt ganz froh darüber, dass ich niemals so etwas wie eine Kundalinierweckung hatte. Damit meine ich derartige Erfahrungen, wie du sie hattest, also dieses Aufsteigen der Glut in der Wirbelsäule. Das hört sich für mich alles sehr problematisch an. Aber mir ist natürlich klar, dass man sich solche Erfahrungen nicht aussuchen kann. Bei mir lief eigentlich alles immer ganz ruhig ab. Es gab allerdings stets Spannungen, Angst, Nervosität und psychosomatische Beschwerden. Ich wüsste ehrlich gesagt auch nicht, wie ich damit umgehen sollte, wenn sich dort solch eine Hitze vom Steißbein aus die Wirbelsäule hinaufbewegen würde. Es bleibt einem dann wohl nichts anderes übrig, als selber herauszufinden, wie man damit umgehen sollte. In solchen Fällen kann ein erfahrener Lehrer natürlich sehr behilflich sein. In meinem Fall war es so, dass ich zuvor eigentlich noch nie etwas von Yoga oder irgendwelchen spirituellen Techniken gehört hatte. Somit konnte ich natürlich auf keinerlei Erfahrungen zurückgreifen. Aber zum Glück wendete sich dann alles zum Positiven. Wenn man solche Erfahrungen hat, wie du sie hattest, ist es vielleicht sinnvoll, die Yogaübungen ein wenig zu reduzieren und mehr Wert auf die Enthaltsamkeit und die meditativen Techniken zu legen. Wenn du schreibst, dass wir am Anfang einer sehr interessanten (spirituellen) Entwicklung stehen, dann schätze ich dieses allerdings etwas anders ein. Wie du weisst, beschäftige ich mich seit etwa 18 Monaten sehr intensiv mit dem Islam. Und ich muss ehrlich gestehen, dass ich mir sehr große Sorgen mache, was da in naher Zukunft in Form des Islam auf uns zukommt. Dort, wo jegliche Religionsfreiheit unterdrückt wird, denn der Islam kennt keine Religionsfreiheit, dort wird es immer schwerer, ein spirituelles Leben zu leben. Aber ich möchte dieses Thema an dieser Stelle nicht weiter vertiefen. Du findest das Buch über Yoga und Sexualität, welches du nicht finden konntest, unter folgendem Link: http://tango20.fileave.com/yogi03/yogafisch.pdf Alles Liebe. --Last edited by yogi on 2009-09-10 10:40:39 -- | ||||
| Meditation Brahmacharya Sexualität und Spiritualität |
| Urdvamaya Posts : 42 |
Lieber Yogi, Vielen Dank für die weiterführenden Erklärungen. Das werde ich beherzigen. Vielen Dank auch an die Zuversicht an den inneren Lehrer. Bezüglich der Kundalini-Erweckung muss ich ergänzend sagen, dass es keine unangenehme Erfahrung war. Es war jedoch eine sehr intensive Erfahrung. Und man muss solch eine profunde Erfahrung erst mal verarbeiten, die Konsequenzen der neuen Realität quasi in das eigene Leben integrieren. Über Jahre habe ich sehr intensiv Yoga geübt, um überhaupt dorthin zu kommen. Als die Erfahrung dann plötzlich geschah, war ich einfach überrascht! Gerade weil die Erfahrung des körperlosen Seins, des freien Bewusstseins so unmittelbar und real ist, war ich so beeindruckt. Ein Traum wurde Wirklichkeit. Eine abstrakte Theorie wurde zur konkreten Erfahrung. Man kann diese Realität dann nie mehr leugnen. Vieles was an spiritueller Theorie vorher in meinem Kopf herumschwirrte wurde innerhalb von Minuten durch Erfahrung untermauert. Jedem, der Yoga im ursprünglichen Sinne betreibt kann ich nur wünschen solch eine Erfahrung zu machen. Zweifel an den Kern der Yogalehre sind dann für den Rest des Lebens nicht mehr möglich. Dies hat mich nach wenigen Jahren auch wieder auf den Weg zurückgeführt als ich dann wieder soweit war. Ich rate aber niemandem zur Praxis des Kundalini-Yoga! Das habe ich früher auch schon immer prinzipiell abgelehnt, da diese mächtige Kraft (ohne erfahrenen Lehrer) nur erweckt werden darf wenn sie es selbst entscheidet. Denn vieles weist darauf hin, dass Kundalini eine gewisse Intelligenz besitzt und uns in der Regel vor den Risiken schützt. Was passiert, wenn sie zufällig, per grober Absicht oder durch Unfälle erweckt wird ist ja zur Genüge bekannt. Nach meinem Verständnis soll Hatha-, Raja- und auch Kriya-Yoga den Weg frei machen, damit die Kundalini-Kraft dann ungehindert aufsteigen kann ohne Probleme zu verursachen. Das tat sie auch bei mir an jedem Tag, ungehindert und ohne Probleme. Allerdings bin ich kein Yoga-lehrer, sondern suche selbst noch nach den besten Mitteln auf dem spirituellen Weg. Meiner Einschätzung nach jedoch ist Brahmacharya ein sehr wichtiges Mittel. Und zwar in zweierlei Hinsicht. Erstens ist die Kundalini-Kraft in ihrer aktiven Form die Kehrseite der Brahmacharya-Medallie, sofern die Energie nicht anderweitig verwendet wird. Wer Brahmacharya nicht übt, der hat meiner Ansicht nach nur geringe Chancen auf eine Kundalini-Erweckung und dem resultierenden Samadhi. Dies ist auch gut so, denn nur diejenigen sind für das körperlose Bewusstsein seelisch bereit, die sich nicht mehr exklusiv mit dem Körper und dessen gesunden Trieben identifizieren. Solch eine Erfahrung ist ja schließlich nicht umkehrbar (man kann höchstens die Erinnerung daran verdrängen). Es verändert so einiges im Leben. Zweitens, die Energie die durch Brahmacharya zur Verfügung gestellt wird, kann auf vielfältige Weise verwendet werden. Sportler nutzen die Energie offensichtlich nicht spirituell sondern zum Aufbau der Muskeln, des Nervensystems und des Energiehaushalts. Intellektuell arbeitende Menschen versorgen dagegen ihr Gehirn mit den Nährstoffen. Es ist also offensichtlich, dass die Energie unterschiedlich „geleitet“ werden kann, abhängig von der Aktivität. Deshalb sind Übungen für mich so interessant, die die Energie zielgerichtet leiten. Tut man dies nicht, dann könnte es sein, dass die Energie einfach nutzlos verpufft so wie überschüssige Nahrung auch einfach ausgeschieden wird. Wird sie zielgerichtet im Sinne von Yoga verwendet, dann beschleunigt sie einen auf dem Yoga-Weg. Das ist zumindest meine Erfahrung/Ansicht und meines Wissens nach der Hauptgrund warum viele Yogis Brahmacharya üben. Die Hatha- und Raja-Yogis behaupten, dass Yoga ohne Brahmacharya ohne Erfolg bleibt. Die Jnanis/Vedantins dagegen behaupten, dass es nur auf das Wissen ankommt und dass die Sexualität sich dann von selbst erübrigt. Was jedoch unbestritten zu sein scheint ist, dass Brahmacharya den Erkenntnisprozess beschleunigt (mystisch oder geistig, je nach Methode). Vielleicht könnte man Yoga mit Brahmacharya auch als den „beschleunigten Yoga-Weg“ betrachten. Wie dies zu machen ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Hier wird es erst richtig interessant. Leider werden die Techniken sehr geheim gehalten. Das benachteiligt uns im Westen natürlich. Deswegen hatte ich gehofft im Forum etwas zu erfahren. Ich hoffe, dass diese Techniken irgendwann mal öffentlich gemacht werden oder dass zumindest genügend eingeweihte Lehrer verfügbar sind. Sich das Wissen selbst zu rekonstruieren ist sehr schwierig. Es gibt nur sehr wenige Hinweise in der Literatur und sehr wenige Yoga-Lehrer im Westen die selbst konsequente Brahmacharins sind. Ich habe mal einen kennen gelernt, bin mir aber auch hier nicht ganz sicher. Damit nicht der falsche Eindruck entsteht, muss ich allerdings noch folgendes bezüglich der Kundalini-Erfahrung sagen: insgesamt bin ich davon überzeugt, dass man auch spirituelle Erfahrungen ohne Kundalini-Erweckung und ohne Samadhi machen kann. Ramana Maharishis Methode ist sicherlich für jeden geeignet, die Wahrnehmung auf das unwandelbare Selbst zurückzuführen. Letzten Endes spielt es noch nicht einmal eine Rolle ob man sich des Selbst direkt bewusst ist oder nicht. Denn Wahrnehmung ändert die Fakten nicht. Ist man bewusst? Wenn man sich dies fragt, ist man für eine Millisekunde am Yoga-Ziel, gerade lange genug um die Frage zu beantworten. Denkt man sich dann noch alles weg, was man wahrnehmen kann, dann bleicht das Selbst übrig. Das kann jeder Mensch jederzeit erfahren. Die Erfahrung ist allerdings nicht so schön klar, die Wahrheiten sind nicht eindeutig seziert, alles ist quasi überlagert. Aber im Grunde ist das Selbst unmittelbar hier, sonst könnten wir gar nicht jederzeit unser Bewusstsein bezeugen. Das reicht uns aber nicht, und das reicht nicht für die großen Yoga-Erkenntnisse. Das sei hier aber nur erwähnt, damit nicht der Eindruck entsteht, der Samadhi hätte einen zentralen Stellenwert. Alles Liebe |
| Urdvamaya Posts : 42 |
Anbei noch ein Video zu einem schwer definierbaren Aspekt des Brahmacharya, der vernachlässigt werden könnte wenn man sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt: http://www.youtube.com/watch?v=jedd2FiZTqM |
| yogi admin Posts : 445 ![]() |
Hallo Urdvamaya Zunächst einmal ein Kompliment. Du hast die Gabe, dich sehr gut auszudrücken. Mir scheint, du hast ein sehr gutes schriftstellerisches Talent. Vielleicht solltest du einmal darüber nachdenken, deine Gedanken eines Tages in einem Buch zu veröffentlichen. Ich habe mir gerade die Frage gestellt, wie du zu deinem Namen gekommen bist. Im Internet konnte ich nichts darüber finden. Ich fange einmal mit dem Selbst an. Als Agnostiker stehe ich diesem Selbst natürlich ein wenig kritisch gegenüber. Ich will nicht abstreiten, dass es da vielleicht irgendetwas geben könnte, was die Ursache unserer Existenz oder die Ursache für die Existenz des Universums sein könnte. Aber natürlich wissen wir nicht, wie dieses Selbst, sollte es tatsächlich existieren, beschaffen sein könnte. Ich stehe Menschen, die sich der Religion zuwenden, ehrlich gesagt immer etwas kritisch gegenüber. Ich denke, sie projizieren gerne etwas in ihre jeweilige Gottheit hinein und glauben zu wissen, wie diese Gottheit, dieses Selbst, beschaffen ist und was dieses Göttliche von ihnen verlangt. In der Regel geschieht die Hinwendung zur Religion, zu Gott oder zum Selbst, aus der Hoffnung heraus, dieses Selbst würde einem das Glück, die Seligkeit, schenken, nach der man sich so sehr sehnt. Aber für dieses Unglücksein ist man ganz allein verantwortlich. Niemand, kein Selbst, kein Gott, hat den Menschen erzählt, dass sie so ungesund leben sollen. Niemand hat ihnen erzählt, dass sie sich so ungesund ernähren sollen, dass sie pausenlos Sex haben sollen, dass sie Rauchen sollen und dass sie ihr Leben so unbewusst leben sollen. Das haben sie ganz allein entschieden. Darum sind auch sie allein für ihr Unglücklichsein verantwortlich. Und kein Gott, kein Selbst, wird ihnen helfen, daran etwas zu verändern. Das können nur sie ganz allein. Ich habe mit der Kundalinivorstellung auch so meine Probleme, ebenso mit der chinesisch-taoistischen Vorstellung vom Chi und von den Energiebahnen, auf denen sich dieses Chi bewegen soll. Für mich ist das Kundalinimodell eigentlich nur eine Hilfskonstruktion, weil man die äußerst komplizierten physiologischen Vorgänge, die in unserem Körper ablaufen, und die für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden, letzten Endes auch für den Zustand der "Erleuchtung", verantwortlich sind, nicht versteht. Die eigentlichen Heilprozesse laufen innerhalb der Zellen ab und die Zustände der Ekstase (der Erleuchtung) werden letzten Endes durch körpereigene Drogen verursacht. Es mag schon sein, dass es ganz bestimmte Energiezentren gibt, diese sind aber wahrscheinlich auf die jeweiligen Hormonzentren (Zirbeldrüse, Hypophyse, Schilddrüse, Thymusdrüse, Bauchspeicheldrüse, Keimdrüse, Nebenniere) zurückzuführen. Ich glaube eigentlich nicht, dass am Yoga heutzutage noch irgendetwas geheim ist. Mag sein, dass es irgendwelche Yogatechniken, z. B. irgendwelche Atemübungen, geben mag, die geheimgehalten werden, weil sie angeblich irgendwelche besonderen Wirkungen erzielen sollen. Ich glaube, man muss den Yoga einfach nur praktizieren. Natürlich muss man sich informieren, denn der Yoga ist eine sehr umfangreiche Philisophie. Leider wird der Yoga sehr stark von mystischen Vorstellungen bestimmt. Dies ist meiner Meinung darauf zurückzuführen, dass man viele Jahrhunderte keine Vorstellung von den physiologischen Abläufen hatte. Aus dieser Unwissenheit heraus versuchte man die Wirkungen des Yoga religiös oder mystisch zu erklären. Dies führte leider zu vielen falschen Vorstellungen, die heute im Yoga noch sehr verbreitet sind, z. B. die Vorstellung man könnte "übernatürliche" Fähigkeiten erlangen oder etwa die Vorstellung der Wiedergeburt. Die Wiedergeburt (Reinkarnation) ist mir ehrlich gesagt vollkommen egal. Was ich möchte ist Seligkeit in diesem Leben. Was danach kommt, wenn überhaupt etwas nach dem Tode kommt, ist mir ehrlich gesagt egal. Und übernatürliche Kräfte halte ich für ausgeschlossen. Alles Liebe --Last edited by yogi on 2009-09-11 11:37:29 -- | |||
| Meditation Brahmacharya Sexualität und Spiritualität |
| Urdvamaya Posts : 42 |
Hallo Yogi, vielen Dank für das Kompliment. In der Tat schreibe ich sehr gerne, habe jedoch noch nichts veröffentlicht (ich scheitere immer an der Struktur eines Buches, an der Organisation des Inhalts). Der Name Urdvamaya ist zusammengebaut aus den Worten Urdva (auf Sanskrit „aufwärts“) sowie Maya („Illusion“). Damit weise ich auf das Paradoxon des „Aufwärtspfades“ hin (nicht nur Brahmacharya im Speziellen). Diesen Spitznamen habe ich jedoch nur für dieses Forum angelegt. Wer meine Emailadresse liest, der sieht „Aikyarati“, zusammengesetzt aus Aikya (Einheit) und Arati (ohne Anhaftung sein). Dieser Synonym-Name empfinde ich als viel passender. Obwohl die Begriffe scheinbar im Widerspruch zueinander stehen, machen sie als spirituelle Erfahrung und Grundhaltung aber sehr viel Sinn. Zuersteinmal zum Agnostizismus. Die Agnostiker, die ja der Meinung sind man könnte nichts wirklich wissen – vor allem theologisch – sind mir sehr sympathisch. Die kritische Einstellung gegenüber spirituellen Angelegenheiten ist sehr wichtig, fast so wichtig wie eine neugierige Offenheit bzw. offene Interessiertheit. Unter den Agnostikern gibt es auch Zyniker, die im Prinzip aus ihrer Frustration heraus vieles pauschal ablehnen. Über die reden wir aber hier nicht. Der klassische Agnostiker ist schließlich ein offener Charakter, der die Relativität jeglichen Wissens ganz richtig einschätzt. Deshalb sind mir Agnostiker wesentlich lieber als die Dogmatisten, die der Meinung sind ihre Lehre dürfe niemals angezweifelt werden. Meiner Ansicht nach befindet man sich optimalerweise genau dazwischen: nicht alles ablehnend, nicht blind vertrauend, sondern offen und interessiert mit dem richtigen Maß an kritischem Denken. Die Extreme schotten sich beide ab: die einen lehnen unkritisch ab, die anderen nehmen unkritisch an. Nur der Offene kann die Welt und das Unbekannte erkunden. Da ich früher Physik studiert habe, stand ich der spirituellen Welt immer kritisch denkend gegenüber. Wer aber nicht nur Physik, sondern auch die Physiker studiert dem wird klar: niemand ist sich der Begrenztheit unseres gegenwärtigen Weltmodells mehr bewusst als den Physikern. Denn die Physiker waren meines Wissens nach die einzigen Wissenschaftler die nicht nur erkannt sondern auch zugegeben haben, dass die modernen Erkenntnisse nur sehr wenig erklären (derzeit etwa 5%-10%). Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum viele modernen Physiker dem Vedanta und anderen abstrakten Religionstraditionen gegenüber sehr interessiert eingestellt sind. Es ist nicht so, dass die modernen Wissenschaften nicht gültig sind, aber es gibt mit Sicherheit wesentlich mehr das sich unserer Wahrnehmung entzieht. Das überbetontes Vertrauen in die Wissenschaften ist völlig unangemessen und maßlos naiv. Und diese Prämisse, unser relatives Unwissen muss man erstmal anerkennen. Alle die es nicht tun sind als Dogmatisten oder Zyniker bekannt. Dazu zählen sogar sehr berühmte „Wissenschaftler“. Die Wissenschaft ist eine Methode, die im Prinzip eine Theorie per Experiment verifiziert oder widerlegt (und dann verfeinert oder aufgibt). Deshalb ist es wesentlich, dass das Experiment beliebig oft wiederholt werden kann, ohne dass sich das Ergebnis ändert. Dieses Kriterium der Wiederholbarkeit ist jedoch ein Filter. Es filtert deterministische oder zufällige Begebenheiten systematisch aus. Dies hat viele Vorteile, wie wir an dem praktischen Nutzen der Wissenschaft ja sehen können: sie funktioniert immer wunderbar zuverlässig. Es hat jedoch auch einen Nachteil: deterministische bzw. nicht-mechanistische Vorgänge können wissenschaftlich kaum erforscht werden. Im Prinzip könnte man sagen, dass Wissenschaft aufhört, wo nicht-mechanistische Vorgänge anfangen. Mit ihrer Stärke erkauft man sich gleichzeitig eine wesentliche Schwäche. Das liegt einfach in der Natur der Methode begründet. Es gibt jedoch inzwischen Ansätze, die quantenmechanische Einflüsse von der nicht-streng-mechanistischen Ebene der Realität auf die mikroskopischen Mikrotubuli unserer Nerven erklären könnten (Penrose etc.). Wenngleich diese Erklärungsversuche auch nicht wasserdicht sind, sind sie dennoch gute Beispiele für eine recht solide Grenzwissenschaft welche die Brücke zu nicht-mechanistischen Vorgängen schlägt. Man muss fairerweise aber auch sagen, dass das Wort „quantenmechanisch“ sehr überstrapaziert und auch oft missbraucht wird. Meiner Meinung nach ist dieses Forschungsgebiet sehr interessant, wenn auch sehr schwer nachvollziehbar für Nicht-Physiker. Mann soll nicht meinen, ein paar populärwissenschaftliche Bücher würden die Erklärungen plausibel machen (obwohl damit einige Autoren viel Geld verdienen). Mann soll aber dennoch das Baby nicht mit dem Badewasser ausschütten. Man muss sich an dieser Stelle wieder in Erinnerung rufen, dass die Welt nicht nur aus mechanistischen Vorgängen besteht. Die extreme Tendenz der neuen Wissenschaften hin zu statistischen Werkzeugen beweist dies ganz ohne Zweifel (kaum eine Wissenschaft kommt noch ohne Statistik aus). Wer also Zusammenhänge betrachtet, die in der Größenordung von über 1000 Begebenheiten liegen, der kann statistisch Aussagen treffen die allgemein Sinn machen. Darin bleiben jedoch viele Begebenheiten im Einzelnen unbetrachtet, die allgemein betrachtet gar keinen Sinn machen, die der allgemeinen Aussage oft sogar entgegengesetzt sind. Man soll also nicht meinen, die Wissenschaften seinen so unvergleichlich präzise. Man muss immer genau schauen, was man in welchem Zusammenhang aussagt. Was die Wissenschaften leisten können, ist erstaunlich. Was sie nicht leisten können aber allerdings auch. Wie gesagt: die Stärke der Wissenschaften ist gleichzeitig Ihre Schwäche. Durch die Objektivierung der Wissenschaften und deren Werkzeuge tritt der subjektive Einzelvorfall immer mehr in den Hintergrund. Unser blindes Vertrauen in die Wissenschaften ist geradezu eine Art Dogmatismus. Dabei sind es gerade die Physiker die gesagt haben, dass der Experimentator den Quantensprung des individuellen Elektrons beeinflusst. Diese Aussagen sind für die Betrachtung der spirituellen Erfahrung sehr wesentlich, denn sie zeigen dass Determinismus (bewusster Einfluss von Begebenheiten) nicht nur möglich ist sondern ständig stattfindet. Schlussendlich und gesamtheitlich betrachtet, geht es hier um die subjektive Erfahrung, da sich die objektive Herangehensweise als Erkenntnismittel als untauglich (eigentlich als nicht-existent) herausgestellt hat. Sie hat sich sozusagen selbst disqualifiziert. Hier setzt Yoga wieder an - als subjektiver Erkenntnispfad. Wer sowohl die Begrenztheit der Wissenschaften als auch die konsistenten Aussagen der „Weisheitstraditionen“ nicht selbstzufrieden ignoriert, der wird die spirituellen Behauptungen der Yogis nachprüfen. Denn die Vedanta-Lehre, die den Yoga als Mittel nennt, wird dann praktisch und erlaubt das eigene Nachvollziehen der in den antiken Texten beschriebenen Erkenntnisse. Ich würde allerdings nicht soweit gehen, den klassischen Yoga als Wissenschaft einzustufen. Dennoch ist der Yoga eine empirische Methode, die der Interessierte aufnehmen kann, wenn er bereit für ein Abenteuer ist. Wer gewissenhaft übt, wird Erfahrungen machen. Macht Vedanta eine Aussage über Gott im Sinne des Alles-überwachenden, des Strafenden, Belohnenden etc.? Meiner Ansicht nach nicht. Die dem Vedanta verwandte Samkhya-Lehre, aus der auch der Yoga ursprünglich hervorgegangen ist, ist sogar agnostisch und verneint die Existenz von „Gott“. Die feinen unterschiedlichen Auffassungen sind quasi nur noch Sache der Perspektive bzw. Definition und spielen keine besondere Rolle mehr. Wer sich die Mühe macht Vedanta zu studieren, wird herausfinden dass diese Philosophie mit moderner Wissenschaft keineswegs im Widerspruch steht. Das macht sie sehr attraktiv für Wissenschaftler, obwohl sie abstrakt und deshalb für die breite Masse ungeeignet ist. Was Yoga angeht, so sehe ich die Vorgänge auch physikalisch/physiologisch. Für mich steht Yoga in keiner Weise im Widerspruch zu den materiellen Wissenschaften. Brahmacharya z.B. bewirkt eine intensivere Versorgung des Nervensystems und Gehirn mit Neurotransmittern und wichtigen Molekülen. Z.B. Cholin, eines der Hauptbestandteile des Samens ist die Vorstufe vom Neurotransmitter Acetylcholin. Ich sehe diese physiologische Versorgung als ersten Erklärungsversuch an, die an die quantenmechanische Erklärung der Mikrotubuli anbindet. Wird das Niveau der Neurotransmitter etc. gehoben, so kann das Bewusstsein andere Formen annehmen und der Mensch erkennt, dass das Bewusstsein mehr wahrnehmen kann als nur Materie (wir nehmen zumeist ohnehin nur Repräsentationen der Materie wahr, die im Gehirn dem Bewusstsein übermittelt werden!). Von der spirituellen Perspektive aus gesehen würde man das so beschreiben, dass die physiologische Möglichkeit geschaffen wird, das Bewusstsein auf erweiterten Wegen zu „halten“. Das Bewusstsein sehe ich dagegen als nichtmateriell an. In diesem Zusammenhang sei auch eine interessante Studie genannt, die derzeit läuft. Ein Klinik in den USA, die viele Wiederbelebungen durchführen, hat einige Berichte von wiederbelebten Patienten bekommen, die sich von oben gesehen haben, die sogar genaue Vorgänge beschrieben haben obwohl sie klinisch tot waren (ohne jeglichen Gehirnströme etc.). Sie legen für die Studie unterschiedlich Bilder mit Symbolen auf die Gerätschaften, die nur von der Decke aus gesehen werden. In den Fällen, in denen die klinisch toten Menschen wiederbelebt werden, sollten also zumindest einige wenige Fälle dabei sein, die die Symbole sehen und sie richtig wiedergeben. Bis die Resultate da sind kann man jedoch schon auf existierende, gut dokumentierte Fälle zurückgreifen, die z.B. im Buch „The Spiritual Brain“ (von Mario Beauregard und Denyse O’Leary) beschrieben sind. Bezüglich Reinkarnation kann ich die zwanghaften Glaubenshaltungen auch nicht nachvollziehen. Sollte das Bewusstsein nur durch den materiellen Körper gehalten werden, so löst sich das individuelle Bewusstsein wieder auf. Na und?! Unter dieser Prämisse übt ja der moderne Yogi im Westen. Sollte es sich herausstellen, dass das Bewusstsein in der Seele bekleidet weiter reinkarniert, dann ist das sicherlich eine positive Überraschung. Wenn dies nicht der Fall ist, dann muss man sich darum auch kein Kopfzerbrechen machen. Das spielt dann einfach keine Rolle mehr und sollte meiner Ansicht nach ohnehin keinen großen Einfluss auf unser Leben haben. Im Sinne des Vedanta spielt die veränderbare und möglicherweise vergängliche Seele auch keine größere Rolle, denn hier kümmert man sich kaum oder gar nicht um das Vergängliche. Man sucht nur nach den Elementen, die ewig sind, sich nicht verändern. Insofern ist meiner Ansicht nach die Diskrepanz zwischen der modernen und der spirituellen Weltanschauung gar nicht mehr unüberbrückbar. Für mich persönlich ist kein großer Konflikt mehr vorhanden. Die endgültigen Antworten muss ohnehin jeder Mensch für sich selbst finden, sofern er anspruchsvoll genug ist, sich nicht mit Theorien zufrieden zu geben. Wer definitive Antworten will, der praktiziert eben vorbehaltlos Meditation. Wer es wirklich wissen will, der geht den subjektiven Erkenntnispfad. Das kann einem niemand abnehmen. |
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Hallo Urdvamaya Deine Texte sind sehr anspruchsvoll. Es würde mich nicht wundern, wenn du sogar einen Doktortitel hast. Ich erkenne, dass du dich bereits seit längerer Zeit mit Yoga beschäftigst und zwar auf einem sehr wissenschaftlichen Niveau. Bevor du schriebst, dass du Physik studierst, dachte ich noch so bei mir, der hat bestimmt Philosophie studiert. Im Großen und Ganzen kann ich dir eigentlich nur zustimmen. Ich habe allerdings meine Zweifel, wenn du sagst, dass das Bewusstsein nicht-materiell ist. In erster Linie laufen im Gehirn bioenergetische bzw. biochemische und physikalische Prozesse ab. Aber man fragt sich natürlich trotzdem, wie dieses Bewusstsein Zustande kommt. Steht hinter diesen bioenergetischen Prozessen doch eine höhere Intelligenz, die dem Menschen all die wunderbaren Eigenschaften ermöglicht, die ihm zur Verfügung gestellt werden, die ihm erlauben, seine Sinne zu benutzen, die es ihm ermöglichen, seine Intelligenz zu entfalten, die es ihm ermöglichen, sich wissenschaftlich, kulturell, sportlich, musisch usw. zu entfalten, seine Kreativität und Intuition zu entwickeln? Wenn dies so ist, dann ist dieses Etwas, was dahinter steht, was dem Menschen diese Möglichkeiten eröffnet, natürlich gigantisch, dann kann man es wirklich nur als göttlich bezeichnen und man kann nur den Hut davor ziehen. Was aber soll dieses Göttliche sein? Vielleicht ist diese höhere Intelligenz aber bereits in den Ionen vorhanden, die in unserem Körper sind und die auf Zellebene (Mikrotuboli) ablaufen. Und weil ich mich bisher noch gar nicht mit dem Mikrotuboli beschäftigt habe, möchte ich für alle, denen es vielleicht genau so geht, die Erklärung von wikipedia.org über den Mikrotuboli einfügen: Mikrotubuli sind röhrenförmige Proteinfilamente in Zellen, die zusammen mit den Mikrofilamenten und Intermediärfilamenten einen Bestandteil des Zytoskeletts bilden. Sie sind somit mitverantwortlich für die mechanische Stabilisierung der Zelle und ihrer äußeren Form, für aktive Bewegungen der Zelle als Ganzes, sowie für Bewegungen und Transporte innerhalb der Zelle. Das ist zwar immer noch sehr schwer zu verstehen, aber schaut euch doch einmal das Bild eines Mikrotubolis an. Ist es nicht faszinierend? Man könnte hinter dieser phänomenalen Konstruktion tatsächlich eine höhere Intelligenz vermuten. ![]() Zumindest hat dein Text bei mir eines bewirkt, dass ich doch ein wenig meinen Standpunkt der Agnostik verlassen habe und mich aus Ehrfurcht vor dieser phänomenalen (göttlichen?) Intelligenz verneige. --Last edited by yogi on 2009-09-12 10:33:05 -- | ||||
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| Urdvamaya Posts : 42 |
Hallo lieber Yogi, Du betreibst in Deinem Forum so viel hilfreiche und wertvolle Aufklärung. Vielleicht kann ich auch etwas bezüglich des kürzlich angeschnittenen Gebiets beitragen. Obwohl ich mich selbst auch nur als Laie verstehe, will ich es zumindest versuchen. Man sehe mir bitte nach, wenn die Darstellungen nicht hundertprozentig durchrecherchiert sind. Sie sind einfach meine persönliche Wahrnehmung, nachdem ich mich etwa 20 Jahre (nur privat) damit auseinander gesetzt habe. Ich sehe die Problematik der Westlichen-Yoga-Philosophie als zweifach: einerseits ist es unsere kulturell-kollektive Einstellung der Sache gegenüber, andererseits aber auch die Verlässlichkeit der Aussagen die wir zur Grundlage unseres Glaubens machen. An dieser Stelle werde ich mal versuchen beide Aspekte in eine für uns Brahmacharins nützliche Perspektive zu stellen. Das Hauptproblem unserer kollektiven Wahrnehmung ist eigentlich nicht die Eigenerfahrung des Bewusstseins, denn der überwiegende Teil der Menschen – auch in zivilisierten Ländern – glaubt, dass das Bewusstsein nicht materiell ist. Dies steht im Gegensatz zu dem Weltbild, dass uns von 99% der Beiträge in Medien eingeredet wird. Man kann sich wirklich fragen, ob die Wissenschaft eine Suche nach Wahrheit oder ob sie als eine Stützkraft für den Materialismus genutzt wird. Die Fragen des Bewusstseins sind sicherlich nicht so einfach zu beantworten, wie es in den populären pseudo-wissenschftlichen Beiträgen dargestellt. Das Vorgehensmuster der Beiträge, die unsere tagtäglichen Magazine dominieren sieht meist immer etwa so aus: 1) es wird ein metaphysisches Thema aufgegriffen, 2) die Behauptungen werden als Mythos geschildert, und 3) eine Behauptung, die den Anschein der Wissenschaft hat, soll nun den „Mythos“ durch unser gegenwärtig dominierendes Weltbild ersetzt werden. Dieses Muster könnte man als Ausläufer einer historischen Entwicklung sehen. Ursprünglich hat die katholische Kirche einige ihrer Philosophen damit beauftragt, Beweise gegen den Materialismus zu finden. Schließlich sollte Gott (eher die Kirche) seine Macht über den Menschen behalten. Dies ist kräftig nach hinten losgegangen, denn es hat das Zeitalter der Aufklärung bzw. der Wissenschaften eingeläutet. Der Rest ist Geschichte? Nein, das ist noch nicht alles. Dabei hat sich dar sogenannte „promissory Materialism“ eingebürgert, d.h. die Grundannahme, dass die Welt und die komplexen Lebensformen per Emergenz hervorgehen. Im Grunde ist Materialismus in der Form wie sie verwendet wird nichts weiter als Dogmatismus, der nicht angezweifelt werden darf. Selbst nach Jahrhunderten intensiver Forschung sind wir immer noch an keiner eindeutigen Antwort bezüglich des Bewusstseins angekommen. Sosehr die Wissenschaft uns auch technologisch weiter gebracht hat, sie hat für die Beantwortung der Frage des Bewusstseins so gut wie keinen glaubwürdigen Beweis geliefert (geschweige denn einen brauchbaren Ansatz dafür). Es ist immer noch eine unbewiesene (und meiner Ansicht nach unzureichend unbegründete) Behauptung, das Bewusstsein würde durch die immer komplexer werdenden Strukturen irgendwie hervorgehen (Emergenz). Dabei erklärt diese Behauptung eigentlich gar nichts. Wenn auch der Materialismus eine Arbeitshypothese ist, die sich für sehr viele praktische Angelegenheiten als überaus nützlich herausgestellt hat, so bleibt sie dennoch nur eine Arbeitshypothese. Man muss an den Punkt kommen zuzugeben – und wenn man die Relativität jeglichen Wissens erkannt hat tut man dies auch – dass auch Theorien eine Evolution durchlaufen müssen um die Phänomene der Welt zu erklären. Die andere Erklärung ist, dass Bewusstsein im Universum fundamental vorhanden ist und dass der Mensch dieses vorhandene Bewusstsein quasi anzapft. Nur wer nicht exklusiv einen einzigen Wissensbereich studiert (z.B. nur Biologie), sondern auch Physik, Metaphysik der kann Erkenntnisse ziehen die aus der Gesamtheit der Erkenntnisse folgen. Leider gibt es heute nur noch sehr wenige Generalisten, die genügend tiefe Fachkenntnisse in den jeweiligen Bereichen haben. Früher war es einfacher. Das Wissen vor noch hundert Jahren war viel überschaubarer als heute. Dennoch müssen wir die Gesamtheit des Wissens betrachten um zu besseren Erklärungen zu kommen. Obwohl die Theorie der quantenmechanischen Mikrotuboli sehr komplex ist und ich dies auch nur bis zu einem bestimmten Grad verstehe, möchte ich dennoch einen Versuch der Erklärung wagen: Unser Gehirn besteht aus grob geschätzt 10 Millarden Neuronen, die jeweils 1000 Verbindungen untereinander haben. Diese Neuronen sind jedoch wesentlich komplexer als einfache Schalter (um den Vergleich mit künstlicher Intelligenz zu relativieren). Eine einfache Zelle in den Neuronen zeigt schon eine gewisse Intelligenz, während die Mikrotuboli darüber hinaus sogar riesige Kapazitäten zur Informationsverarbeitung haben (etwa 10 Millionen pro Zelle mit einer Schaltgeschwindigkeit in Nanosekunden / Milliardstel einer Sekunde). D.h. in einem Neuron ist so viel Informationsverarbeitungskapazität vorhanden wie in dem gesamten Gehirn! Nur findet dies auf der molekularen Ebene statt, hauptsächlig in diesen hohlen, zylindrischen Mikrotuboli. Doch selbst wenn man diese riesige Zahl der Computationen für sich betrachtet, erklärt dies noch nicht, warum wir Bewusstsein haben, warum wir freien Willen haben, warum wir Dinge tun können die über Kalkulation hinaus gehen. Ein „Mehr“ an molekularen Erklärungen ist zwar schön, aber hat noch niemandem zu Erklärungen des Bewusstsein geführt. Roger Penrose, der sich viel mit der Nicht-Kalkulierbarkeit der tatsächlichen Geschehnisse beschäftigt hat, fand dass dies nur quantenmechanisch erklärt werden kann. Dabei muss man eines bedenken: auf der quantenmechanischen Ebene sind Dinge möglich, die sich unseres Weltbildes vollkommen entziehen. Zum Beispiel können zwei Partikel Materie den gleichen Raum einnehmen, können selbst über große Entfernung verbunden sein und können als Energiewellen angesehen werden. Alles ist etwas anders als wir das auf der makroskopischen Ebene unserer alltäglichen Erfahrung kennen. Der Übergang von unserer Welt der „newtonischen Physik“ und der Quantumphysik ist sehr schwer zu verstehen, jedoch vorhanden. Dieser Übergang konnte bislang nur mathematisch beschrieben werden, da sich Gesetzmäßigkeiten sehr stark unseren konditionierten Vorstellungen entzieht. Einer der Pioniere der Quantumphysik, Erwin Schrödinger (1887 – 1961) beschreibt die gleichzeitigen Zustände in seinem berühmten Paradoxon „Schrödingers Katze“, in dem die Katze in der Kiste sowohl tot wie auch lebendig ist bis zu dem Augenblick in dem man nachsieht. Der Kernpunkt ist, dass der bewusste Beobachter den gleichzeitigen Zustand zu dem einen oder anderen objektiven Zustand „kollabiert“. Nebenbei bemerkt hat Erwin Schrödinger sich sehr intensiv mit Vedanta auseinandergesetzt (wie z.B. in seinem Buch „My view of the world“ zu erkennen ist. Ellerdings war das Wissen um die Mikrotuboli zu seiner Zeit noch sehr beschränkt, wenn überhaupt vorhanden. Die theoretische Verbindung mit den Mikrotuboli ist der, dass diese in den Quantenzustand gehen wenn sie sich von den Neuronen biochemisch trennen – sich somit temporär von ihrer Umgebung isolieren. In dem Augenblick, wo sich diese Verbindung wieder etabliert wird, kollabiert ihr gleichzeitiger Zustand (Quantenzustand) in einen definierten und kommuniziert diese Information an das Neuron (welches die klassische Weiterleitung/Verarbeitung mit dem Gehirn übernimmt). Dies geschieht etwa alle 25 Millisekunden, orchestriert mittels eines gemeinsamen Netzwerks der Mikrotuboli (~10 Milliarden). D.h. 40 Mal in der Sekunde entsteht ein Moment der Kommunikation mit dem Bewusstsein. Darüber hinaus gibt es die Theorie, die besagt dass der Traumzustand in jenem Quantenzustand stattfindet, in welchem die Prozesse mit dem Bewusstsein erfahrungsgemäß viel „unrealer“ werden (Zeitverzerrungen, unrealistische Möglichkeiten etc.). Die Schlussfolgerungen gehen dahin, dass wir auf einer fundamentalen Ebene alle mit dem Universum verwoben sind, die in den unterschiedlichen „Weisheitstraditionen“ beschrieben werden. Da wären z.B. die buddhistische Einheitserfahrung, das kosmische Bewusstsein der Yogis, das Freud’sche gemeinsame Unterbewusstsein genannt. Diese Thesen werden durch die Erfahrungen gestützt, in denen klinisch tote Patienten nicht nur Wahrnehmungen haben, sondern auch Erinnerungen behalten, obwohl dies physiologisch gesehen als unmöglich angesehen wird. Dieses vom Körper befreite Bewusstsein könnte ein temporärer Effekt der sogenannten Quantumverstrickungen (Quantumentanglement) sein, sobald es physiologisch nicht mehr gehalten wird und sich zunehmend mit dem Quantenfeld des Universums verbindet. Die andere Möglichkeit wäre aber die, dass dieses Quantenfeld weiterhin existiert, möglicherweise in Verbindung mit dem Bewusstsein das bildet, was gemeinhin als Seele bezeichnet wird. Überaschenderweise kommen bezeugende Stimmen aus der Psychologie, die eigentlich eine der konservativsten und materialistischen Wissenschaften neben der Biologie darstellt. Es wurden hunderte von Menschen hypnotisiert, die von ihren Reinkarnationen detailliert berichtet haben, die sogar von der Zeit zwischen den Reinkarnationen detailliert berichtet haben. Erstaunlicherweise sind diese Berichte sehr konsistent. Michael Newton, der als damals konservativer Psychologe währen klassichen Regressionstherapien zufällig auf die Zwischen- und Vorleben gestoßen ist, hat dies über viele Jahre erforsch und auch in Büchern darüber beschrieben. Über die Authentizität kann man sich natürlich streiten, wer jedoch einen offenen Geist hat der beschäftigt sich mit den gut dokumentierten Fällen, bevor er ein Urteil fällt. Mir zumindest fällt es sehr schwer, die Möglichkeit der Reinkarnation so pauschal auszuschließen. Es spielt jedoch für mich auch keine so große Rolle. Zusammenfassend würde ich sagen, dass es kollektiv-kulturell gesehen angemessener wäre sich alternativen Erklärungen gegenüber zu öffnen, zumal wir allen Grund dazu haben. Der materielle Dogmatismus hat ebenso wenig Platz in dem modernen Geist wie der dogmatische Glaube an den allmächtigen, selig machenden Gott. Zweitens gibt es inzwischen Erklärungsversuche, die allen Grund zur Zuversicht geben, dass es doch so etwas wie ein universales Bewusstsein gibt das unabhängig von dem Vergänglichen ist. Dieses kann, wie die unterschiedlichen Traditionen bezeugen, auch bewusst erlebt werden. Insofern sollten wir zweifach ermutigt sein, uns mit dem „metaphysischen“ Glauben und ihrer Praxis auseinanderzusetzen. Ich hoffe, dass ich nicht mehr Verwirrung als Nutzen verursacht habe. Alles Liebe |
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Hallo Urdvamaya Ich danke dir für deine ausführliche Erklärung. Du sagst, dass das Mikrotuboli etwa alle 25 Millisekunden (ms) in einen Quantenzustand überwechselt, dass etwa 40 Mal in der Sekunde eine Verbindung mit dem Bewusstsein stattfindet. Woher aber will man dieses wissen? Ist dies nicht eher eine Vermutung, eine Annahme, eine religiöse Hypothese? Woran erkennt man überhaupt, dass das Mikrotuboli alle 25 ms in einen Quantenzustand überwechselt? Soweit mir bekannt ist, können sich doch eigentlich nur Atome in einem quanten(mechanischen) Zustand befinden. Die Quantenphysik ist ja eine physikalische Theorie, die die Vorgänge auf atomarer und subatomarer Ebene beschreibt. Dabei werden vor allen Dingen die einzelnen Teilchen (Protonen, Neutronen und Elektronen) betrachtet. Darum stelle ich mir die Frage, wie ein Mikrotuboli mit seinen vielen Milliarden Teilchen in einen quantenmechanischen Zustand überwechseln sollte. Es müssten ja alle Teilchen irgendwie synchron in diesen Zustand überwechseln, was ich eigentlich für ausgeschlossen halte. Wenn du sagst, dass die Mikrotuboli etwa 40 Mal in der Sekunde eine Verbindung mit dem "Bewusstsein" aufnehmen, so wissen wir doch überhaupt nichts über dieses sogenannte Bewusstsein. Darum stelle ich mir die Frage, ob dieses "Bewusstsein" nicht vielleicht bereits in den einzelnen Elementarteilchen (auf subatomarer Ebene) vorhanden ist. Diese Theorie setzt voraus, dass im Prinzip das ganze Universum mit diesem Bweusstsein erfüllt ist (z. B. in Form eines Ätherfeldes, welches das ganze Universum ausfüllt). Somit wäre dieses Bewusstsein breits in jedem einzelnen Elementarteilchen (Quark) vorhanden. Damit würde das Wechselspiel des Mikrotuboli zwischen seinem definierten (nicht-quantenmechanischem) und seinem temporär quantenmechanischen Zustand in dem er eine Verbindung mit dem Bewusstsein aufbaut, eigentlich nicht mehr erforderlich. Die Frage ist also, gibt es dieses sogenannte Bewusstsein wirklich. Und wenn es so etwas wirklich geben sollte, so ist uns doch verschlossen, wie dieses Bewusstsein beschaffen sein soll. Vielmehr geraten wir in die Gefahr, dass wir anfangen, dieses Bewusstsein nach unseren Vorstellungen (willkürlich) zu interpretieren. Auch die Theorie, dass wir uns im Traumzustand in einem Quantenzustand befinden, ist mir nicht so recht sympatisch, laufen die quantenmechanischen Prozesse doch permanent während unseres ganzen Lebens ab, sowohl im Wachzustand, wie im Traumzustand. Bei solchen Theorien kommt mir der Verdacht, dass die Wissenschaft dazu benutzt werden soll, die Existenz eines Übernatürlichen, eines Selbstes, einer Seele, eines Gottes nachzuweisen. Auch bei dem Nachweis vermeintlicher Vorleben bin ich sehr skeptisch, zumal die Reinkarnation für mich wirklich keinerlei Bedeutung hat. Ich kann auch sehr gut damit Leben, dass es nach meinem Tod kein erneutes Leben auf der Erde (oder anderwo) geben wird und ich kann auch sehr gut damit leben, nach dem Tode nicht in irgendwelchen Himmeln oder Paradiesen leben zu können oder dürfen. Auf all das kann ich wirklich verzichten. Was mir aber wichtig ist, ist das Leben in dieser Sekunde und in der restlichen Zeit meines Lebens. Das ist für mich entscheidend. Ich brauche keinen Himmel, keine Reinkarnation und keine Wiedergeburt, aber ich wünsche mir von ganzen Herzen, dieses Leben in der Seligkeit leben zu dürfen, wie ich es mir immer gewünscht habe und wie es mir sogar einmal vergönnt war. Und da ich davon überzeugt bin, dass ich hauptsächlich selber dafür verantwortlich bin, ob ich Glück oder Leid erlebe, bemühe ich mich weiterhin darum, dieses Glück eines Tages wieder erfahren zu dürfen. Alles Liebe. --Last edited by yogi on 2009-09-13 19:02:41 -- | ||||
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| Urdvamaya Posts : 42 |
Hallo Yogi, die 25ms, bzw. 40 Mal in der Sekunde sind eigentlich gut etabliert und allgemein akzeptierte Werte. Deswegen kann sieht man z.B. auch im Kino den Film nicht als Einzelbilder, sondern als ununterbrochenes Geschehen. Was die Spekulation über Quantenzustand der Gesamtheit eines Mikrotubulus angeht (im Gegensatz zu einzelnen „Elementarteilchen“), so kann man natürlich lange darüber diskutieren. Stuart Hameroff hat sich lange damit beschäftigt. Ohne selbst Experte auf diesem Gebiet zu sein ist es schwer sich ein zuverlässiges Urteil darüber zu bilden. Die Medien können hier kein Ersatz dazu zu sein, wie man an diesen Bericht z.B. sieht: http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/odenwalds_universum/frage-von-liane-villinger-beeinflussen-quanten-unser-bewusstsein_aid_327494.html Man dachte übrigens lange, dass Atome unteilbar wären (seit Demokrit). Doch dann fand man weitere „Elementarteilchen“, aus denen Atome gebildet sind. Dann wiederum, durch Experimente an Beschleunigern hat man auch die Elementarteilchen weiter zertrümmert, über die man dann an Quarks gekommen ist usw. Diese Entdeckungsreise geht immer munter weiter und man kommt an den Punkt wo man zugeben muss, dass jede Theorie bzw. jedes Modell seine Limitationen hat. Die Biologen, z.B. arbeiten meines Wissens ausschließlich von der Ebene der Atome aufwärts (die wiederum Moleküle etc. bilden). Insofern kann ich des Biologen Perspektive als nicht ganz umfassend ansehen. Was das Bewusstsein angeht, so sollte dies wirklich im ganzen Universum vorhanden sein, wie Du sagst auch in den Quarks. Das Bewusstsein sollte sogar überall vorhanden sein, sogar alles-durchdringend sein. Die Mystiker zumindest bezeugen dies. Früher nahm man an, dass das Universum durch den sogenannten ‚Äther’ verwoben ist. Die Physiker haben solch einen Äther jedoch nie gefunden und die Theorie wurde wieder verworfen. Sollte sich jedoch herausstellen, dass das Bewusstsein das Universum durchzieht (nicht nur in „Materie“), dann könnte doch etwas daran sein. Dies ist jedoch nur Spekulation und ließe sich nur schwer beweisen. Sollte an dem kosmischen Bewusstsein etwas dran sein, wie es die Yogis bezeugen, dann wird es vermutlich eine Sache des Glaubens bzw. der Erfahrung sein, sofern sich jemand die Mühe der subjektiven Nachprüfung macht. Letzten Endes ist es jedoch auch eine Frage der Arbeitshypothese. Nimmt man den Materialismus zur These, kommt man zu gewissen Erkenntnissen. Nimmt man zur These, dass Bewusstsein nicht materiell begründet ist, dann hat man etwas mehr Spielraum. Was man jedoch auch bedenken muss ist, dass Betrachtungsweisen nur im Verstand stattfinden und Theorien nur ein Modell der Realität sind. Modelle sind nicht mit der Realität gleichzusetzen (the map is not the territory). Es sind immer Idealisierungen, die andere Erklärungen nicht kategorisch ausschließen. Z.B. der Welle-Teilchen-Dualismus. Hierbei kann man ein Teilchen auch als Welle ansehen, obwohl sich die beiden Modelle auf dem ersten Blick widersprechen. Insofern ist es auch denkbar, dass wir letzten Endes das materielle als auch das spirituelle als sich ergänzende Modelle verwenden werden. Wer sich für die Vereinbarkeit der Theorien interessiert, dem kann ich die Bücher von Ken Wilber empfehlen, einen der brilliantesten „Map-maker“ der heutigen Zeit, welcher übrigens sehr anerkannt ist. Startpunkt könnte das Buch „A brief history of everything“ oder „The essential Ken Wilber“ sein. Das spirituelle Modell macht das materielle dann nicht überflüssig oder ungültig, sondern wird für den Hauptanteil der Naturerscheinungen beibehalten. Dank des materiellen Modells wird das spirituelle Modell dann allerdings nicht mehr den naiven und hysterischen Charakter haben, sondern sich in Rationalität und Erfahrung gründen. Mir persönlich ist ein exklusiv materielles Weltbild wesentlich lieber als diese irrationalen, Götzen anbetenden Religionen, die über Manipulation und oftmals Gewalt ihren „Glauben“ in die Köpfe der Menschen zwingen. Es stört mich persönlich auch wenig, dass wir kulturell-gesellschaftlich-kollektiv der Spiritualität keine besondere Aufmerksamkeit schenken. Singende und herumspringende Sekten hat es für meinen Geschmack zur Genüge gegeben und man kann sich vor einer erneuten spirituellen Hysterie der Masse nur in Acht nehmen. Für diejenigen jedoch, die echte spirituelle Erfahrungen schon gemacht haben, sollte die generelle (gesellschaftliche) Ablehnung kein Grund zur Entmutigung sein. Vielmehr sollten diese Menschen ihren Kopf von Aberglauben und Götzenanbetung komplett befreien und die Suche nach ihrer spirituellen Realität erweitern. Gerade die Erfahrung und eine erhöhte Rationalität sollte uns von blindem Aberglauben und Symbolanbetung befreien. Wer aber trotz Erfahrung und nach logischem Abwägen immer noch dem Materialismus exklusiv anhängt, dem fehlt es meiner Ansicht nach einfach an Mut. Wie sonst ließe sich das irrationale Anhängen an oberflächlichen Erklärungen begründen? Ich habe oft den Eindruck das sonst aufgeklärte Menschen ängstlich in den materiellen Dogmatismus zurückfallen, obwohl sie sich eigentlich von dem gesunden Menschenverstand leiten lassen. Das ist aber auch verständlich, denn das Unbekannte ist sicherlich nicht für alle Gemüter zugänglich. Was die Existenz des Selbst angeht, kann ich nur wiederholen, dass es ein subjektiver Erkenntnispfad ist. Wissenschaft, die sich von den spekulativen Gebieten methodisch abgekoppelt hat, kann dies voraussichtlich nicht im unzweifelhaften Umfang leisten. Es bleibt an jedem einzelnen hängen. Bis dahin wird es Sache der Balance zwischen dem gesunden Menschenverstand und dem Glauben sein. Der Glauben, so hat mir einer der führenden deutschen Gehirnwissenschaftler, Detlef Linke (leider kürzlich verstorben), persönlich eingehend erklärt dass der Glauben seine eigene Struktur im Gehirn hat und somit dem Menschen „gegeben“ ist. Ohne Glauben kann der Mensch nur sehr schlecht funktionieren. Denn wenn man sein Leben nur auf zweifellosen Fakten aufbaut, dann ist ein normales Leben nicht möglich. Kein Mensch kann sein Leben nach wissenschaftlichen Maßstäben organisieren, da diese Maßstäbe zu viel zu eng gefasst sind. Die Frage also muss nicht lauten, ob wir glauben oder nicht glauben sollen, sondern wie wir glauben sollen und wie das Glauben mit der Rationalität in Einheit gebracht werden kann. Dies ist jedoch ein vollständig anderes Thema. Alles Liebe |
| yogi admin Posts : 445 ![]() |
Hallo Urdvamaya Ich möchte gerne auf deinen letzten Punkt eingehen. Du sagst, ohne Glauben kann der Mensch nur schlecht funktionieren. Mitunter habe ich das Gefühl, dass der Glauben, die Religion, den Menschen daran hindert, wirklich glücklich zu sein. Viele Menschen flüchten sich in den Glauben, weil sie sich dadurch erhoffen, das Glück zu finden, welches ihnen im wahren Leben nicht vergönnt ist. Diese Hoffnung wird sich natürlich nicht erfüllen. Wenn ihnen in diesem Leben schon diese erhoffte Seligkeit verwehrt ist, dann hoffen sie, dass sie sich zumindest nach dem Tode einstellt. Aus diesem Grund hat die Reinkarnation für viele Menschen auch so eine große Bedeutung. Der Glauben hindert die Menschen daran, wirklich etwas in ihrem Leben zu verändern. Der wahre Grund ihres Leidens ist die ungesunde Lebensweise der Menschen. Ich habe es so oft erlebt, dass gläubige Menschen mit aller Kraft ihren Glauben verteidigten, aber keinerlei Bereitschaft zeigten, ihr ausschweifendes Sexualleben einmal zu überdenken, was sehr häufig die Ursache für ihr Unglücklichsein ist. Ebenso fehlt den meisten Menschen der Mut, sich mit ihrer kranken Psyche auseinander zu setzen. Ich habe in den letzen Monaten mit sehr vielen Menschen gesprochen und war oftmals über ihr Verhalten ziemlich erschrocken. Ich will gar nicht sagen, dass diese Menschen alle gläubige Menschen waren, die meisten hatten wahrscheinlich zur Religion überhaupt keine Beziehung. Aber ich habe sehr oft ein sehr aggressives Verhalten festgestellt. Nach all diesen Erfahrungen habe ich das Gefühl, dass in den meisten Menschen ein relativ großes Aggressionspotential vorhanden ist. Ich weiß nicht, warum den Menschen dieses nicht bewusst zu sein scheint und warum sie sich so wenig damit auseinander setzten. Ich glaube, wir leben in einer ziemlich neurotischen Gesellschaft, der wahrscheinlich gar nicht zu helfen ist. Darum sind es auch nur einige wenige, die sich ernsthaft mit spirituellen Fragen beschäftigen oder sich für den Yoga interesieren. Und selbst von denen, die sich mit dem Yoga beschäftigen, geben die meisten bereits nach recht kurzer Zeit wieder auf, weil ihnen die Disziplin fehlt, weil sie zu ungeduldig sind und weil sich die erhofften Erfolge nicht schnell genug einstellen. Viele dieser Menschen wenden sich dann enttäuscht der Religion zu. Im Grunde genommen ist dies für mich ein Zeichen der Resignation. Alles Liebe. --Last edited by yogi on 2009-09-14 09:57:36 -- | ||||
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| Urdvamaya Posts : 42 |
Lieber Yogi, Deiner Einschätzung stimme ich fast uneingeschränkt zu. Flucht in die Religion, die ungeduldige Suche nach dem Glück, das Risiko der Hoffnung, die Sucht der körpereigene Drogen (wie Sexualität), und die verwirrte Psyche sind sicherlich (neben den Einflüssen und Bedrohungen unserer Umwelt) alles Gründe für die genannten neurotischen Zustände. Wegen dieser Komplexität ist es sehr schwer eine zielgerichtete „Therapie“ zu finden. Der moderne Yoga hilft hier natürlich, obwohl es keine Therapieform ist und auch nicht so angesehen werden darf. Hier jedoch noch ein paar Anmerkungen zum Thema Glauben: Ich bin der Meinung, dass das Glauben (als Funktion) und der Glaube (als Religion oder Bekenntnis) nicht gleichgesetzt werden sollte. Diese Differenzierung ist wichtig, da wir es in der Welt nie mit reinen Fakten oder mit reinen Spekulationen zu tun haben. Genau genommen besteht unser Wissen über die Welt aus Theorien mit unterschiedlichen Graden an Gewissheit bzw. Wahrscheinlichkeit. Der Begriff „Beweis“ ist in der Wissenschaft deswegen gar nicht mehr gebräuchig. Die Relativität bzw. Ungewissheit jeglichen Wissens lässt absolute Aussagen gar nicht zu. Insofern ist jedes Wissen eine Art „Glauben“. Aber es ist gleichzeitig auch nicht Glauben, so wie es von Religionen erwartet wird (der viel Stress verursacht). Die meisten Religionen sind auf der einen Seite des Glaubensspektrums angesiedelt, der dogmatische Materialismus auf der anderen. Dabei sind beide Modelle der Wirklichkeit nur Mythologie, da sie sich auf die gedanklichen Bilder der Grundannahmen beruft („Der Herrgott über den Wolken“ oder „die leblose, harte, anfassbare Materie, die sich durch die „Naturgesetze“ in die biologische Komplexität erhebt“). Was sind physikalische Gesetzte, woher weiß Materie wie sie sich zu verhalten hat? Ist Materie bewusst? Ist dies lächerlich? Gesetze sind Beschreibungen, Modelle. Der Tisch auf den man klopft besteht, wie die Knöchel der Hand, besteht aus weit über 99% leerem Raum. Die klopfenden Atome berühren sich niemals, sondern interagieren nur über die elektromagnetische Wechselwirkung. Doch auch dies ist nur ein Wort für eine „Kraft“, die zwar in ihrer Wirkung beschrieben, jedoch im Grunde lange unerklärt blieb. Inzwischen erklärt man die unterschiedlichen Wechselwirkungen mittels der String-Theorie, oder Superstring-Theorie die einige Wissenschafter sogar mit Bewusstsein gleichsetzen. Auch Max Planck gehörte dazu, der gesagt hat: „All matter originates and exists only by virtue of a force which brings the particle of an atom to vibration and holds this most minute solar system of the atom together. We must assume behind this force the existence of a conscious and intelligent mind. This mind is the matrix of all matter.“ Wenn ich früher in einem Post geschrieben habe, dass das Zeitalter der Wissenschaft eingeläutet wurde, so hat dies uns in den Materialismus geführt und die Religionen in der alltäglichen Wichtigkeit runtergestuft. Die modernen Wissenschaften lassen das Pendel nun wieder in die andere Richtung bewegen, denn die Erklärungen der Welt werden zunehmend feiner und holistischer. Der rückwärtige Pendelausschlag ist jedoch nicht so gemeint, wie es sich anhört. Die grossen Paradigmenwechsel, die über die letzten Jahrhunderte stattgefunden haben (Gallilei, Darwin, Einstein) haben uns vor Augen geführt, dass wir Menschen nicht so arrogant/egozentrisch sein dürfen. Es dreht sich nicht alles um die Erde, es gibt auch nicht diese sogenannte „göttliche Schöpfung“, zumindest nicht so wie man sich das gedacht hatte. Und Materie darf man auch nicht als fest und leblos ansehen. Das sollte uns alle etwas bescheidener machen. Wir sollten eingestehen, dass wir nicht so wichtig sind wie wir uns das meist anmaßen. Dennoch sind wir nicht getrennt von allem. Dazu ein Beispiel: wir sagen immer „wir leben auf der Erde." oder "unsere Erde.“. Nein, wir sind die Erde, wir sind Teil der Erde. Man muss doch alles holistischer sehen. Religionen, sowie der Materialismus sind reduktionistisch. Entspannen wir uns doch mal. Geben wir uns und dem Denken doch mal etwas mehr Weite. Die Erkenntnisse gehen nun dahin, dass die neueren Weltbilder zunehmen holistischer werden. Auf eine paradoxe Art und Weise sind diese sowohl materiell wie auch spirituell (man genieße diese Ausdrücke von nun ab mit Vorsicht, da sie uns alle zur Mythologie verleiten). Die philosophische, holistische Anschauung im Detail ist jedoch nicht worauf ich hier hinaus will (dies kann jeder Interessierte selber alles nachlesen). Wissen sollte man zudem, dass der Paradigmenwechsel soziologisch gesehen jedoch etwa zwei volle Generationen (~70 Jahre) dauert bis die Anschauung in die breite Bevölkerung durchgesickert ist. Sie ist dennoch nicht weniger gültig. Wir können uns deshalb beruhigen und von den Religionen und dem Materialismus erholen, ohne sie strikt zu verbannen. Sie existieren in der alten Form nicht mehr, abgesehen von den radikal-fanatischen Religionen. Diesen sollten wir jedoch keinen Raum einräumen – weder politisch, gedanklich als auch emotional. Dies könnte sich als wesentlich herausstellen. Ruhe im Bewusstsein ist zuerst nötig. Wir dürfen und sollen wieder ganz wir selbst sein. Wir sollen und können die Ängste überwinden, in welcher Form sie auch immer auftreten. Und Yoga ist für diesen Entspannungsprozess sehr wichtig. Dabei ist es auch gar nicht so wichtig, welche Grundannahmen wir im Yoga machen, ob diese nun östlich, westlich, nördlich oder südlich sind. Wir brauchen nicht darüber nachzudenken. Die Entspannung und die Weite im Geiste, die durch Meditation entsteht ist Weg und Ziel zugleich. Yoga lehrt, sich temporär von der phänomenalen Welt abzukehren, sich nicht beeindrucken zu lassen. Stichwort: werde Ursache. Die ist eine bewusste Entscheidung, bzw. ein Lernprozess der paradoxen Entkopplung und Ent-isolierung. Bis dahin sind wir nichts Weiteres als reaktive Biocomputer, getrieben durch äußere Reize, getrieben durch Mythologie, getrieben durch alles Mögliche. Praktisch gesehen kommt Yoga fast ohne Grundannahmen aus. Die gute Meditation, wie auch die gute Wissenschaft, beobachtet ohne Absicht, zielt nicht auf bestimmte Schlussfolgerung ab. Der Glaube wird ganz sekundär. Die Nerven beruhigen sich. Selbst Körpersysteme, die nicht dem Willen unterstellt sind, normalisieren sich. Der Verstand wird transparent. Das Bewusstsein wird wach, ruhig und weit. Als ganz wesentlich beim Yoga finde ich, das Leistungsdenken vollständig beiseite zu lassen. Wer fortgeschrittenen Yogis bei der Meditation zuschaut, der kann diese tiefe, seelische Ruhe schon erahnen, oft auch fühlen. Für gewöhnlich führt dies dazu, dass die Übenden sich vom Herzen her täglich der Meditation widmen, ohne sich stark in der Disziplin üben zu müssen. Deswegen halte ich es auch als sehr wesentlich, dass Yogalehrer diese Ruhe ausstrahlen. Über Disziplin kommt man jedoch natürlich auch dahin. Viele Wege führen zur seelischen Ruhe. Man muss nur lernen seinen Verstand zu entkoppeln. Doch das Lernen setzt logisch und praktisch gesehen den freien Willen voraus. Doch das ist ein anderes Thema. Alles Liebe |
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Hallo Urdvamaya Wenn ich dich richtig verstehe, möchtest du die Religionen, die Mystik und das Bewusstsein auf der einen Seite und den Materialismus auf der anderen Seite, gewissermaßen als zwei gleichwertige Phänomene unserer Natur nebeneinander stellen, die sich gegenseitig ergänzen, vielleicht sogar gegenseitig beeinflussen und die erst im gegenseitigen Wechselspiel unser Dasein erklären können. Es stellt sich für mich allerdings die Frage, was ist eigentlich dieses Bewusstsein, dass unserem Dasein einen tieferen Sinn verleihen soll? Ausgehend von dem Satz Max Planck's „All matter originates and exists only by virtue of a force which brings the particle of an atom to vibration and holds this most minute solar system of the atom together. We must assume behind this force the existence of a conscious and intelligent mind. This mind is the matrix of all matter.“ (Deutsch: „Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, die das Teilchen eines Atoms zu Schwingungen bringt. Sie hält dieses kleinste Sonnensystem des Atoms zusammen. Wir müssen davon ausgehen, dass hinter dieser Kraft die Existenz eines Bewusstseins und intelligenten Geistes steht. Dieser Geist ist die Matrix aller Materie.“) Die Matrix ist dieser Erklärung zufolge so etwas wie ein Grundgerüst, eine Basis, die dem Materialismus erst einen Sinn verleiht. Möchte ich mir diese Matrix vergegenwärtigen, so stelle ich mir wieder so etwas wie einen alles durchziehenden Ätherraum vor, der nun allerdings von irgendwelchen geistigen Energien, Wellen, Schwingungen oder nennen wir es Bewusstsein und Intelligenz, getragen wird. Ich sträube mich ehrlich gesagt ein wenig davor, diese Matrix mit Bewusstsein, Intelligenz und ähnlichen Begriffen gleichzusetzen. Ich glaube, wir neigen viel zu leicht dazu, dieser Matrix übernatürliche Eigenschaften zuzusprechen. Ich glaube, wir werden niemals erfahren, ob diese Matrix wirklich existiert und wie sie beschaffen sein wird. Darum sollten wir uns davor hüten, dieser Matrix irgendwelche Eigenschaften zuzuordnen oder sie in irgendeiner Form zu interpretieren, denn diese Interpretationen können nur willkürlich sein. In der Regel werden solche Interpretationen eigentlich nur benutzt, um die Existenz des Göttlichen nachzuweisen. Aber diese Beweise haben in Wirklichkeit keinerlei Beweiskraft. Sie lenken uns außerdem von unserer eigenen Verantwortlichkeit ab. Wie sieht denn das Verhalten der meisten gläubigen Menschen aus? Sie wenden sich der Religion zu, legen dann die Hände in den Schoß und hoffen darauf, dass der liebe Gott ihnen die Seligkeit schenkt, nach der sie sich so sehr sehnen. Im Allgemeinen verläuft ihr Leben ganz genau so unvernünftig und unverantwortlich weiter, wie immer. Die Bereitschaft, wirklich über ihr Leben nachzudenken, etwas in ihrem Leben zu verändern, ist normalerweise nicht vorhanden. Was nütz es also, wenn die Menschen, sich der Religion zuwenden? Es wird ihnen nicht helfen, glücklichere Menschen zu werden. Vor einiger Zeit habe ich versucht, mit einigen Menschen zu diskutieren, die gerade aus der Heiligen Messe kamen. Als ich die Menschen ansprach, schlug mir ein ziemlicher Hass entgegen. Dieses Verhalten erlebe ich immer wieder bei gläubigen Menschen. Nach außen hin wenden sie sich der Religion, ihrem Glauben, zu, aber in ihnen brodelt ein Orkan aus Hass und Aggression, dessen sie sich meist nicht einmal bewusst sind. Andererseits kann ich aus der Zeit, in der ich durch meine spirituellen Praktiken (Enthaltsamkeit, Autogenes Training, usw.) selber sehr tiefgreifende Veränderungen erfahren durfte, in der mir die Seligkeit geschenkt wurde, nach der ich mich zeitlebens sehnte, sagen, dass sich in dieser Zeit tatsächlich ein religiöser Wandel in mir vollzog. Ich war so voller Dankbarkeit, dass ich diese Seligkeit erleben durfte und dankte Gott dafür. Ich hatte in Gott also einen Gesprächspartner, dem ich meine Dankbarkeit erweisen durfte. Aber was bedeutet diese Religiosität wirklich? Ist sie nicht vielleicht nicht nur das Ergebnis von irgendwelchen Botenstoffen, die der Körper produziert und die in mir ein religiöses Gefühl erwecken? Andererseits habe ich diese Religiosität immer als sehr schön empfunden. Vielleicht ist diese Religiosität auch die einzig legitime Form der Religiosität, weil sie direkt aus dem "Herzen" kommt und keinerlei Erwartungshaltung in sich trägt, sondern ausschließlich von Dankbarkeit geprägt ist. Zum Schluss noch eine Anmerkung zur Meditation. Oftmals erfahren Menschen in der Meditation eine tiefe Ruhe, einen tiefen inneren Frieden. Der fortgeschrittene Yogi empfindet diesen tiefen Frieden allerdings nicht nur während der Meditation, denn irgendwann fließt dieser tiefe Friede in den normalen Alltag hinüber. Sein ganzes Leben wird gewissermaßen meditativ. Eigentlich braucht er gar nicht mehr zu meditieren, denn körpereigene Drogen verleihen ihm permanent das Gefühl der Ekstase, welches mit einem tiefen inneren Frieden, mit einer fast unerschöpflichen Kreativität, Intuition, mit einer großen intellektuellen Neugier und einer körperlichen Empfindung der allgemeinen "Leichtigkeit des Seins" einher geht. Alles Liebe. | |||
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Lieber Yogi, Stimmt. Die materiellen und spirituellen Theorien bestehen unabhängig voneinander und man tut gut daran, diese nicht einfach so zu vermischen. Viele Menschen tun dies, weil die subjektiven Erfahrungen und objektiven Fakten doch irgendwie eine einzige Wirklichkeit sind. Das Wort „irgendwie“ ist hier keine Nebensache. Wir sind weit davon entfernt, eine gute Antwort zu haben. Was wir jedoch wissen ist, dass unsere alten Theorien, sowohl der Materialismus als auch die Religion diesem Anspruch nicht gerecht werden und man diese einzeln gesehen als unvollständig ansehen muss. Moderne Erklärungen sind gar nicht mehr so weit von einer „Harmonisierung“ entfernt. Wenn man sich damit beschäftigt stellt man fest, dass man seine ganze Denkweise ändert, ändern muss. Genau genommen sind wir schon über die gegensätzlichen Theorien hinausgegangen. Die meisten Menschen sind jedoch noch sehr an den alten Denkmustern verhaftet. Was diesen Hass angeht, so sehe ich das genauso. Religion per se ist nicht die Lösung. Das muss man selber in die Hand nehmen. Mich würde nun sehr interessieren, in welchem Zusammenhang dieser Hass ausgelöst wurde. Mich würde auch sehr interessieren, wie man die Yoga-praxis mit dem aufreibenden Thema Islam vereinbaren kann. Wie kann man mit yogischer Coolness die Islambedrohung betrachten ohne sie gedanklich zu ignorieren noch emotional zu validieren? Wie könnte man eine Betrachtungsweise gewinnen, die uns individuell in die Lage versetzt, differenziert und überlegen (nicht-reaktiv-emotional) damit umzugehen? Ich denke, wenn jemand eine Antwort auf diese Frage finden und formulieren kann, dann Yogi! Alles Liebe |
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Hallo Urdvamaya Diese Wut, die mir vor der Kirche entgegenschlug, geschah im Zusammenhang mit dem Verteilen von Flugblättern über den Islam. Die Kirche war natürlich bewusst gewählt, weil besonders das Christentum in den meisten islamischen Staaten verfolgt, man kann fast sagen, systematisch ausgerottet wird. Dieses sollte den Christen eigentlich nicht gleichgültig sein, es sollte sie aufrütteln. Aber genau das Gegenteil ist oft der Fall. Die Menschen, die aus der Kirche kamen, waren mehr oder weniger desinteressiert oder sie zeigten sicht recht angriffslustig. Es sollte aber gesagt werden, dass fast nur ältere Menschen aus der Kirche kamen. Meine Erfahrung ist übrigens, dass ältere Menschen ohnehin meist sehr desinteressiert sind, wenn man Flugblätter verteilt. Deshalb biete ich älteren Menschen meist auch gar keine Flugblätter an. Ich glaube, sie wollen einfach nur noch einen ruhigen Lebensabend genießen und von den Problemen der Welt nichts wissen. Viele sind froh, dass sie von den demographischen Veränderungen der nächsten Jahrzehnte nicht betroffen sind, dass sie den allmählichen Untergang des christlichen Abendlandes und die Islamisierung Europas nicht mehr erleben werden. Dass ihre Kinder und Enkel allerdings davon betroffen sind, scheint ihnen gleichgültig zu sein. Auch unter den Pastoren findet man ein ähnliches Verhalten. Verteilt man vor irgendwelchen Kirchen Flugblätter, dann versuchen sie dieses meist zu verhindern. Es werden weltweit etwa 250 Millionen Christen vorwiegend in muslimischen Staaten verfolgt. Sie erleiden das entsetzlichste Leid, das man sich vorstellen kann. Es werden jedes Jahr etwa 175.000 Christen vorwiegend in muslimischen Staaten ermordet, hauptsächlich weil sie Christen sind. Einige kommunistische Staaten verhalten sich allerdings nicht sehr viel anders. In Anbetracht dieser Tatsache, müsste eigentlich ein Aufschrei durch die Kirche gehen, aber man versucht, dieses Thema totzuschweigen. Ein ähnliches Verhalten zeigen auch die Medien in Bezug auf die Islamisierung. Im Allgemeinen verschweigt man dieses Thema. Es ist seit Jahrzehten tabu darüber zu reden. Dabei wird die Islamisierung mit gravierenden Veränderungen einhergehen. Was momentan geschieht, ist wahrscheinlich der Untergang der christlichen abendländischen Kultur. Und die Medien und die Politik schweigt dazu. So ist es auch nicht verwunderlich, dass vielen Menschen diese Veränderungen, die in den nächsten Jahrzehnten geschehen werden, überhaupt nicht bewusst ist. Ihnen ist überhaupt nicht klar, was da auf sie zukommen wird. Mein Interesse für den Islam entstand übrigens durch ein Podcast, also durch eine Radiosendung, bei der ein Interview mit der Exiliranerin Mina Ahadi gesendet wurde. Du kannst dir diese Radiosendung übrigens hier anhören. Bei mir funktionierte es eben aus irgendwelchen Gründen allerdings nicht. Vielleicht klappt es ja bei dir. Ich habe die Radiosendung allerdings ohnehin mehrfach gehört und habe sie mir auf den Rechner und auf meinen mp3-Player heruntergeladen. Wenn du fragst, wie man aus yogischer Sicht auf die Islamisierung reagieren soll, dann ist das natürlich eine sehr umfangreiche Frage. Ich denke, zunächst sollte man sich selber sehr gründlich informieren. Dazu empfehle ich die Biographie Mohammeds zu lesen. Man kann sie übrigens hier finden. Ich habe diese Biographie übrigens mehrfach gelesen. Wenn man mit Leuten diskutiert, dann sollte man immer sachlich und höflich bleiben, was allerdings nicht immer einfach ist. Am besten man gibt ihnen ein paar Informationen mit, damit sie sich zu Hause in aller Ruhe darüber informieren können. Wenn man wirklich etwas erreichen (verändern) will, dann ist es wohl erforderlich, politisch aktiv zu werden. Alles Liebe. --Last edited by yogi on 2009-09-16 09:45:47 -- | ||||
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Hallo Yogi, Die allgemeine Schwerfälligkeit (oder fast schon Ignoranz) gegenüber dem Thema Islam finde ich sehr unverständlich. Ich bin sehr dankbar für diese Aufklärung und gebe diese auch weiter, oft mit sehr intensiven Reaktionen. Wenn man auf der Strasse Moslems sieht reagiert man gewöhnlich mit einer Reserviertheit etc. Wie sollte man sich gegenüber den Moslems/Islamisten verhalten? Oder auch: wie sollte man sich gegenüber Mitmenschen darüber äußern? Was könnte überhaupt das Ziel einer Gegenbewegung sein? Alles Liebe |
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Hallo Urdvamaya Bevor ich mich intensiv mit dem Islam beschäftigte, habe ich monatelang in einem türkischen Kaffee, welches sich in der Nähe einer Moschee befindet, mit sehr vielen Moslems diskutiert. In der Regel waren diese Moslems sehr fanatisch in Bezug auf ihre Religion. Ich stellte fest, dass die meisten Moslems, obwohl sie täglich 5 mal beten und in die Moschee gingen, ihre Religion nicht besonders gut kannten. Sie hören nur eben das, was der Imam in der Moschee predigt und der erzählt ihnen, wenn er nicht gerade ein Hassprediger ist, natürlich nur die angenehmen Seiten des Islam. In der Diskussion mit den Moslems fühlte ich mich oft sehr unbehaglich, denn da war häufig sehr viel Aggression vorhanden. Manchmal hatte ich ehrlich gesagt auch Angst, man könnte mir etwas antun. Aber genau dieses aggressive Verhalten der Moslems hat mich veranlasst, mich intensiver mit dem Islam zu beschäftigen. Ich wollte nämlich wissen, woher diese Aggressionen kamen. Von Liebe war bei den Moslems im Allgemeinen nichts zu spüren. Dafür war der Hass um so ausgeprägter. Darum kann ich mit der Floskel "Islam ist Liebe" wirklich nichts anfangen. Ich habe bei diesen Gesprächen in dem Kaffee auch mit einigen Imamen gesprochen. Sie schienen mir ebenfalls nicht besonders gebildet und im Koran bewandert zu sein, obwohl einige angeblich an der Al-Azhar-Universität von Kairo studiert haben wollen. Manche Moslems erzählten mir allerdings, dass so mancher Imam auch nur erzählt, dass er dort studiert hat. Nach dem Gespräch mit den Imamen hatte ich das Gefühl, dass in der Al-Azhar-Universität die Gläubigkeit und das Gefühl der Islamzugehörigkeit des Studenten höher bewertet wird als die Kenntnisse vom Islam. Da fällt mir übrigens gerade die Geschichte eines ehemaligen Professors der Al-Azhar-Universität in Kairo ein, der zum Christentum konvertierte. Man kann seine bewegliche Lebensgeschichte hier nachlesen Es gibt auch Videos in englischer Sprache mit ihm. Ich sprach auch mit dem einen oder anderen Moslem, der den Koran auswendig kannte. Ich hatte allerdings das Gefühl, dass sie nie darüber nachgedacht hatten, was sie eigentlich auswendig gelernt hatten. Leider habe ich nicht gefragt, ob sie Araber waren, denn in der Regel lernen die Moslems den Koran ja in der arabischen Sprache auswendig, die aber nicht ihre Muttersprache sein muss. Dies kennt man ja aus der früheren Zeit auch aus dem Christentum, wo man lateinische Texte auswendig lernte, ohne wirklich zu wissen, was man eigentlich auswendig lernt. Erst vor einigen Tagen unterhielt ich mich mit einer jungen Muslima, sie war so Anfang zwanzig, vielleicht auch darunter. Ich erklärte ihr, dass es im Neuen Testament nicht einen Aufruf zur Gewalt gibt, während es im Koran bestimmt 200 Suren gibt, die zur Gewalt, ja sogar zum Töten von Nichtmuslimen aufrufen. Darauf sagte sie mir: "Wenn ich sie so reden höre, dann hätte ich auch Lust, diese Gewalt anzuwenden." Da war ich natürlich erst einmal sprachlos. Mit solch einer Reaktion hatte von Seiten einer jungen Frau, die vermutlich in Deutschland aufgewachsen ist, denn sie sprach sehr gut deutsch, nicht gerechnet. Ich glaube nicht, dass sie den Islam besonders gut kannte. Aber die meisten Moslems scheinen sich irgendwie mit den Islam zu identifizieren und sie werden oft sehr wütend, wenn man es wagt, den Islam zu kritisieren. Nach der Reaktion der jungen Frau glaube ich persönlich nicht mehr an die friedliebenden Moslems. Ich gehe ihnen am liebsten aus dem Weg, weil eine sachliche Diskussion mit ihnen meistens nicht möglich ist. Alles Liebe. --Last edited by yogi on 2009-09-17 10:02:47 -- | ||||
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| Urdvamaya Posts : 42 |
Hallo Yogi, das hört sich fast so an, als würde das Ziel sein müssen, die Muslims über ihre eigene Religion aufzuklären. Käme dies nicht praktisch einer Missionierung bzw. Bekehrung gleich? Wo könnte man die Ursache dieser, nicht nur nicht-muslimischen, sondern auch der inner-muslimischen Unkenntnis suchen? In diesem Zusammenhang: wie bewertest Du den Ansatz der St. Petersburg Declaration? Unter Wikipedia ist diese grob umrissen: „St. Petersburg Declaration“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Islam) Als Beginn eines „neuen Zeitalters der Aufklärung für den Islam“ verstand sich am 4. und 5. März 2007 in St. Petersburg (Florida) eine Konferenz säkularer Muslime aus verschiedenen islamischen und westlichen Ländern, die sich mit den säkularen Interpretationen des Islam, der Notwendigkeit einer innerkoranischen Kritik, mit dem Stand der Meinungsfreiheit in muslimischen Gesellschaften und mit Fragen der Erziehungsreform beschäftigte. Initiatoren waren u. a. dissidente Muslime wie Ayaan Hirsi Ali, Irshad Manji und Ibn Warraq. Zum Abschluss der Konferenz wurde die sog. „St. Petersburg Declaration“ verabschiedet, in der u. a. die Trennung von Staat und Religion, die Einhaltung der universellen Menschenrechte, die Abschaffung der Scharia und aller islamischer Tötungsstrafen und körperlicher Verstümmelungspraktiken sowie die völlige Gleichberechtigung der Frau im Islam und in den islamischen Ländern gefordert werden.[19] Alles Liebe |
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